Steinheim / Alexander Ogger Bereits zum dritten Mal trug Anna di Muro den Bericht im Steinheimer Gemeinderat vor. Seit 2014 ist sie in der Schulsozialarbeit tätig.

Bürgermeister Holger Weise umschrieb die Lage nach Abschluss des Berichts von Anna di Muro treffend: „Die Gesellschaft ändert sich, am ehesten merkt man es bei den Kindern.“

Bereits zum dritten Mal trug di Muro den Bericht im Gemeinderat vor. Ziel der Jugendsozialarbeit ist es, jungen Menschen, die sozial benachteiligt sind oder sonst auf erhöhte Unterstützung angewiesen sind, eine sozialpädagogische Hilfe anzubieten. Damit soll die soziale Integration des Einzelnen gesteigert werden.

618 Schülergespräche im vergangenen Schuljahr

Von den 618 Schülern der Grund-, Werkreal- und Realschule benötigten im vergangenen Schuljahr 286 eine Beratung durch die Schulsozialarbeiterin. Davon hatten 103 Schüler mehr als drei Termine nötig. „Die Schüler kommen oft aus unterschiedlichsten Gründen zu mir. Das reicht vom Umgang mit Freunden über Ausgrenzung und Mobbing bis hin zur Beratung bei Schicksalsschlägen und psychischen Störungen“, erklärte di Muro.

Der meisten Schüler mit Gesprächsbedarf besuchen die Klassen sieben und acht. Meistens hätten Mädchen auch mehr Bedarf an Beratung als Jungs, erklärte die Schulsozialarbeiterin.

Hinzu kommen für das vergangene Jahr 102 Elterngespräche, die nach Aussage der Sozialpädagogin auch nicht immer reibungslos verliefen. Beispielsweise dann, wenn Gefährdungsbeurteilungen – im vergangenen Jahr waren es elf – über Schüler geschrieben und besprochen werden müssen.

Besonderen Handlungsbedarf etwa sah die Schulsozialarbeiterin bereits in diesem Jahr bei einer Achtklässlerin, die in suizidaler Absicht eine Rasierklinge in der Schule dabei hatte. „In so einem Fall ist natürlich besonderes Fingerspitzengefühl gefragt“, so di Muro.

Das Netzwerk der Sozialpädagogin außerhalb der Schule ist groß. Zu den Hauptansprechpartnern von di Muro zählen der beim Landratsamt angesiedelte Allgemeine Soziale Dienst und das Jugendamt. Außerdem befindet sie sich im permanenten Austausch mit mehreren Psychologen und der  Jugendreferentin der evangelischen Kirche, Susanne Klotz.

Konflikte in den Sozialen-Netzwerken und auf dem Schulhof

Um auch mit den Mitarbeitern der Schule permanent in Kontakt zu sein, gab es im vergangenen Jahr 195 Lehrergespräche. „Niemand soll hier auf der Strecke bleiben“, betonte die Schulsozialarbeiterin. Aus diesem Grund wurden 20 neue Streitschlichter aus den Reihen der Schülerschaft ausgebildet. 87 Schüler besuchten überdies ein Seminar zur Mobbingprävention.

„Die Anzahl der Gespräche nimmt zu, die Intensität der Konflikte nimmt ab. Das beruhigt mich unheimlich“, sagte Anna di Muro. Allerdings würden Auseinandersetzungen nicht mehr auf dem Schulhof allein, sondern auch in den Sozialen Netzwerken ausgetragen. „Das werden wir auch nicht aufhalten können, da die Kinder heute immer früher ein Smartphone bekommen“, so di Muro abschließend.Die Mitglieder des Gemeinderats waren sich einig, dass das Geld in der Schulsozialarbeit gut angelegt ist. Gleichzeitig wurden allerdings Bedenken geäußert, da es sich nur um eine Vollzeitstelle handelt. Im Krankheitsfall gäbe es so keine Vertretung. Es sollte über eine weitere Stelle nachgedacht werden.

Bianca Sträßle kümmert sich an der Dischinger Egauschule um schwierige Problemfälle ebenso wie um Vorbeugung und gewährte jetzt einen Einblick in ihre Arbeit.

Kinder- und Jugendrechte in der Hammerschmiede: Bei der Regionalkonferenz war Bildung ein zentrales Thema.

Seit 2014 arbeitet Annette Kurz als Sozialarbeiterin an der Wiesbühlschule. Was berichtet sie von ihrer Arbeit?

Auch das Land fördert Schulsozialarbeit

Seit 2012 beteiligt sich das Land Baden-Württemberg mit einem Drittel an der Finanzierung für Schulsozialarbeit an öffentlichen Schulen.

Der Landeshaushalt veranschlagt seit 2014 25 Millionen Euro, um die Drittelfinanzierung  weiterhin sicherzustellen. Bis 2014 lag das Fördervolumen des Landes bei 15 Millionen.

16 700 Euro ist der Maximalbetrag zur Förderung einer Vollzeitstelle für Schulsozialarbeit.