Wer hätte gedacht, dass der Maschinenschuppen eines Landwirts eine so prächtige Akustik hat wie andernorts ein Konzertsaal? Der Samstagabend bescherte allen Freunden des Chorgesangs nicht nur einen feinen Hörgenuss, sondern auch die Erkenntnis, dass Singen jung erhält und selbst die „alten Säcke“ – wie sich der Männerchor nennt und sich selber auf die Schippe nimmt – zu so einem „jugendlichen“ Auftritt fähig sind.

„Ich bin richtig stolz auf euch alle“, rief am Ende eines dreistündigen Konzerts Vorsitzender Karl-Heinz „Charly“ Richter seinen Mitgliedern des 101 Jahre alt geworden Gesangvereins Eintracht aus Sontheim im Stubental zu. Die fünf Chöre, dazu auch die Verstärkung des Sängerkranzes Steinheim, haben teils gemeinsam prächtig gesungen. Am Ende des Konzerts gab es minutenlangen Applaus im Stehen. Und es flossen auch ein paar Tränen der Rührung.

Bevor es so richtig losging in Peter Polednies Maschinenhalle war es an Bürgermeister Holger Weise die Glückwünsche der Bürgerschaft, des Gemeinderats und der Verwaltung zum Vereinsgeburtstag zu überbringen. Dabei erinnerte der Redner daran, dass voriges Jahr das groß geplante Hundertjährige der Corona-Pandemie und dem Lockdown zum Opfer gefallen war. Die „Eintracht“ sei das musikalische Aushängeschild nicht bloß für Sontheim, sondern für die Gesamtgemeinde. Im Grunde seien ja die Anfänge des Singens schon vor mehr als 160 Jahren gewesen. Mit der Vereinsgründung 1921 sei der Verein damals allen anderen Chören weit voraus gewesen. Ein gemischter Chor sei gegründet worden, drei Jahre später dann erst der Männerchor. In der Regel sei das bei den Gesangvereinen genau umgekehrt der Fall gewesen.

Marita Kasischke führte plaudernd durch den Abend, kündigte Lieder bzw. Songs an, die sonst bei einem Jubiläumskonzert eher nicht erwartet werden und die zugleich zeigten: Man muss nicht immer nur deutsches Liedgut pflegen. Auch die Briten und die Franzosen, die Italiener sowieso haben manches zu bieten, das längst auch bei uns Schlager oder aber zum Kunstlied geworden ist.

Applaus für starke Leistungen

Dazugehörten „Der Entertainer“ (Scott Joplin) ebenso wie „Ein graues Haar“ und „Wir geben den Ton an“ (beides von Pasquale Thibaut und Peter Schnur), mit denen der gemischte Chor der „Eintracht“ den Abend eröffnete. Um den Nachwuchs ist es aktuell gut bestellt. Der Kinderchor "Goldkehlchen“ sowie die – infolge Corona um fünf Sängerinnen geschrumpften – Patch Work Singers boten starke Leistungen. Letztere Formation erhielt donnernden Applaus für die rührend dargebotene Geschichte vom kleinen Kolibri, der mit seinem kleinen Schnabel Wasser schöpfte, um einen beginnenden Buschbrand zu löschen.

Flott im Rhythmus, präzise in der Aussprache bekannte der Halb-achte-Chor, dass Musik seine erste Liebe ist und auch in Englisch mit „You are the inspiration“ keine Probleme bei der Aufführung hatte. Der 18 Sänger umfassende Männerchor versteht seine Rolle im Gesangverein und nimmt sich dabei selbst nicht unbedingt ernst: „Männer braucht man eben“ und „Wir sind die alten Säcke“.

Zweifelsohne dann doch feierlich wurde das große Finale aller Chöre, als getragen die von Schiller gedichtete und von Beethoven komponierte Europa-Hymne „Freude schöner Götterfunken“ einen erhebenden Schlusspunkt setzte und die über 250 Konzertbesucher ergriffen mitsangen.

Die Akteure der „Eintracht“


Wochenlang geprobt wurde für das Jubiläumskonzert der „Eintracht“ Sontheim im Stubental. Vorsitzender Karl-Heinz „Charly“ Richter würdigte unter donnerndem Applaus die Chefdirigentin Kerstin Faisst, die Jugenddirigentin Elisabeth Schnitzer sowie die Musiker Jürgen Ullmann (E-Piano und Saxophon), Klaus Sautter (Banjo) und Wolfgang Pösselt (Schlagwerk).