Steinheim / Klaus-Dieter Kirschner Der Nabu Steinheim beklagt rücksichtslose Leute, die in dem Bereich ihre Hunde loslassen, und kritisiert das Regierungspräsidium, das sich mit dem Aufstellen von Schildern zu viel Zeit lasse.

Acht Hektar groß ist das Gebiet, das sich vom Ausläufer des Klosterhofs ostwärts bis auf Höhe von Merck/Sigma-Aldrich an der früheren Landesstraße erstreckt: Das Ried zeichnete sich in den vergangenen Monaten nach der Schneeschmelze und dem einen oder anderen Regenschauer durch viele mehr oder minder große Seen aus, die zahlreiche Wasservögel, aber auch sonst recht seltene Vögel anlocken, die auf der Roten Liste stehen.

Für Ulrich Goeser, den Naturfotografen, waren das ergiebige Wochen. Mit seinem großen Teleobjektiv an der Kamera legte er sich schon auf die Lauer, wenn andere Menschen sich noch einmal im Bett umdrehten. So sind tolle Aufnahmen gleich nach Sonnenaufgang entstanden, die den Beleg dafür liefern, dass das Ried als Naturschutzgebiet von Jahr zu Jahr an Qualität gewinnt.

Allerdings ständen rund um dieses Naturschutzgebiet viel zu wenige Hinweisschilder, wird vom Naturschutzbund (Nabu) beklagt. Solche aufzustellen, ist Sache der Bezirksstelle für Naturschutz im Regierungspräsidium. Doch dort habe man keine Eile. Das sei extrem ärgerlich, wie Goeser sagte. Wiederholt sei er übel von dem einen oder anderen Hundehalter angeschnauzt worden, wenn er auf das Naturschutzgebiet aufmerksam gemacht habe, das man nicht betreten darf. Mit den Autos würden Feldwege bis zum Ende der Asphaltpiste befahren und die Vierbeiner dann Gassi geschickt. Wenn die Hunde Enten oder andere Tiere entdecken, dann seien sie „schwerhörig“ und würden nicht mehr auf Pfiffe oder Rufe der Herrchen oder Frauchen reagieren.

Arbeiten zur Verbesserung

2013 hat das Regierungspräsidium im Ried weitere Flächen aufgekauft. Die Wiesen können durch Landwirte entsprechend bewirtschaftet werden. Inzwischen wurden erste Anstrengungen unternommen, um das Naturschutzgebiet zu verbessern. Das bestätigt Manfred Abele, der Leiter des Bauamts bei der Gemeinde Steinheim. Zurate gezogen wurde unter anderem auch Ingenieur Helmut Kolb. Noch laufe zu viel Wasser über Rinnen und Gräben davon und entziehe dem Ried das Wasser.

Unter anderem soll ein kleines Wehr, das aus Holz besteht und in eine Betonschale gefasst ist, erneuert werden. Dies dient übrigens auch dem Hochwasserschutz. Mithilfe des Bauhofs war in der Nähe einer Bushaltestelle der Wasserüberlauf durch einen steinbewehrten Wall verringert worden. Doch Wasser sucht sich notfalls neue Wege: Jetzt wird geprüft, ob nicht eine Art Spundwand den Wasserverlust unterbinden kann, ähnlich wie am Härtsfeldsee bei Dischingen.

Naturschutz und Nabu wollen, dass vor allem das Winterwasser die Riedwiesen feucht, aber nicht dauerhaft unter Wasser hält. Viele Tiere, die auf der Roten Liste stehen, haben auf Dauer oder auf Zeit hier Quartier bezogen. Deshalb wurden kleine Seitenarme, die zu einer kleinen Hülbe führen, „entbuscht“, damit wieder mehr Sonnenlicht einfallen kann.

Wie Karl-Heinz Scheuermann und Karl Brüche vom Nabu bei einem Lokaltermin erzählten, wurden schon Laubfrösche, Kiebitze, Waldwasserläufer, Bachpieper, Rostgänse und Bekassinen beobachtet.

Störche im Ried

Im Naturschutzgebiet Ried war kürzlich ein Storchenpaar zu Gast. Eines der Tiere hatte wohl eine schmerzhafte Beinverletzung und verhielt sich entsprechend.

Vor Jahren hatte Karl Brüche (Nabu) mit anderen auf einer Scheune des Klosterhofs ein Storchennest installiert. Bislang machen die Störche immer einen weiten Bogen um dieses Wohnungsangebot. Brüche vermutet, dass das Nahrungsangebot in Ried und Umgebung noch zu gering ist, um als Storchenpaar eine Anzahl Küken großziehen zu können.