Steinheim / Carolin Wöhrle Am Sonntag werden die neuen Gemeinderäte gewählt. Damit scheint auch der Diskussionsbedarf in den momentanen Gremien zu steigen – beispielsweise über neue Stühle für die Steinheimer Grundschule.

Es gibt da eine wissenschaftlich kaum zu erklärende Korrelation zwischen der zeitlichen Nähe zu einer Kommunalwahl und der Anzahl der Wortmeldungen in einem Gemeinderat. Plötzlich werden Stimmen vernommen, die sich in den fünf Jahren zuvor mit Diskussionsfreude und Redebeiträgen eher zurückgehalten haben. Ein Schelm könnte dahinter ein gewisses Maß an Kalkül vermuten.

Im Falle der Steinheimer ging es am Dienstagabend während einer dreieinhalb Stunden währenden Mammutsitzung allerdings auch um einen sehr wichtigen Punkt, nämlich um die Rückengesundheit der Kleinsten und um die gleichzeitige Erhaltung ihrer Gliedmaßen. Kurzum: Es ging um die entscheidende Frage, ob für die Grundschüler der Steinheimer Hillerschule nun starre oder höhenverstellbare Stühle angeschafft werden sollen.

Nun macht diese Entscheidung finanziell einen Unterschied von etwa 12 000 Euro. In Anbetracht der Millionensumme, die die Gemeinde in die Sanierung der Hillerschule bereits gesteckt hat und noch stecken wird, eher ein Pappenstiel und kein Anlass für große Diskussionen. Dafür gab es eine ganz andere Abwägung vorzunehmen: Wie gefährlich ist ein höhenverstellbarer Stuhl für die Gesundheit eines Grundschülers? Und wie gefährlich ist im Vergleich dazu ein starrer Stuhl für die Gesundheit eines Grundschülers? Was, wenn sich ein Schüler in einem höhenverstellbaren Stuhl die Finger einklemmt? Gutes Argument. Was aber, wenn ein großer Schüler auf einem zu kleinen Stuhl Rückenprobleme bekommt? Auch ein gutes Argument.

Und warum zum Teufel sind Grundschüler heutzutage eigentlich so unterschiedlich groß? Das waren die früher doch noch nicht. Auch ein Argument. Irgendwie.

Nun gab’s auch einen Vorschlag zur Güte: Warum nicht ein Drittel höhenverstellbare Stühle bestellen und zwei Drittel starre? So könnten sich immerhin nur ein Drittel der Schüler potenziell die Finger einklemmen und nur zwei Drittel könnten Rückenprobleme bekommen. Wäre ein Kompromiss, nur gibt es unter den starren Stühlen auch noch unterschiedliche Höhen: Wie teilt man denn dann die zwei Drittel starre Stühle noch mal auf? Schüler vermessen? Kurzum: Antrag abgelehnt.

Dass die Diskussion dann doch noch irgendwann ein Ende genommen hat, lag auch an der fortgeschrittenen Stunde, an den noch folgenden Tagesordnungspunkten – und an der Tatsache, dass die Gemeinderäte auch noch die Aussicht auf eine nicht öffentliche Sitzung im Anschluss hatten.

Kurzerhand entschied sich das Gremium für die höhenverstellbaren Stühle. Im Übrigen genau das, was die anwesenden Lehrkräfte der Hillerschule für richtig und sinnvoll hielten.