Bergenweiler / Klaus-Dieter Kirschner Holzernte am Steilhang, vor allem wenn es um die Aufarbeitung von Sturmholz geht, war noch nie ein Zuckerschlecken. Der Einsatz von Vollerntern kann hier die Arbeit wesentlich erleichtern. Allerdings ersetzt so ein Vollernte die Arbeitskraft von fünf Menschen. Wo Forstwirte Tage zu tun haben, braucht so eine Maschine von freien Forstunternehmen wenige Stunden.

Holzernte war früher wie heute ein Knochenjob. Unfallträchtig war es allemal. Deshalb setzt der Forst darauf, dass, wer immer im Wald mit einer Motorsäge an die Holzernte geht, gut ausgebildet und richtig eingekleidet ist und auch sehr wohl Erfahrung im Werfen von Bäumen hat. Nur wer den Überblick hat, kann auch Unfälle nahezu ausschließen.

Holzernte hat irgendwie auch mit Nachhaltigkeit und Zukunft zu tun. Sie geschieht so, dass auch noch nachwachsende Generation etwas von dem stets nachwachsenden Rohstoff haben.

Es ist auch nicht neu, dass Förster bei der Planung der Holzernte sehr wohl an die Ökologie denken und so die Arbeitsschritte vorbereiten, dass nach Möglichkeit stehenbleibende Bäume beim Holzrücken oder beim Baumfällen nicht beschädigt werden. In den Wäldern besteht meist ein durchdachtes Netz an Waldwegen, die mit Schotter befestigt sind und die Zufahrten für die Holzabfuhr-Fahrzeuge darstellen. Die Rückegassen in den Wäldern sind hingegen ohne Befestigung meist nur durch das geübte Auge erkennbar.

Die Holzernte-Maschinen wie die Schlepper, die bei der Bergung der Stämme eingesetzt werden, sind in der Regel viele Tonnen schwer und würden ganz schön den Waldboden in den Rückegassen verdichten. Es entstünden dort in den Fahrspuren Pfützen, aus denen nicht nur des Försters Jagdhund in diesen heißen Tagen Wasser schlappert. Dort entwickeln sich auch kleineLebewesen. Von den Mückenlarven, aus denen dann die„Bremsen“ (oder„Breama“) werden, ganz zu schweigen.

Ein„Vollernter“– neudeutsch„Harvester“ genannt– wiegt mindestens 14,5 Tonnen. Er kann Bäume bis zu einem Durchmesser von 54 Zentimetern binnen weniger Minuten ernten und sie je nach Sortimentsanforderung entsprechend auf Länge schneiden und aufschichten. Bei der Fahrt in den Wald zum Einsatzort schneidet sich der„Harvester“ unterwegs eine kleine Fahrgasse frei und legt vor sich das Schnittmaterial,überwiegend Äste und Reisig, als Polster aus. So wird einer übermäßigen Verdichtung des Bodens vorgebeugt und obendrein Material ausgelegt, das kaum als Brennholz taugt, später verrottet und eine Art Walddüngung bewirkt.

Der Vollernter, den Förster Jörg Weiler vom Fachbereich Wald und Naturschutz des Landratsamtes im Waldgebiet Großhau bei Bergenweiler, vorführen ließ, kann selbst noch an einem Hang mit 30 bis 40 Prozent Steigung sicher eingesetzt werden. Diese Arbeitsmaschine ist so konstruiert, dass die Kabine praktisch immer inder Waagrechten bleibt und das Fahrwerk entsprechend notfalls mit unterlegbaren Raupen verbreitert werden kann.

Ein entsprechender Ausleger an dem Harvester„packt“ in einer bestimmten Höhe den für die Fällung markierten Baum, eine entsprechende Vorrichtung umklammert ihn unten, bevor in wenigen Augenblicken eine Säge kurz über dem Waldboden den Baum abtrennt. Der Baum fällt nicht wie bei der manuellen Holzernte in die vorgegebene Richtung, sondern wird praktisch durch den Mann im Maschinenstand aus der Senkrechten in die Waagrechte gedreht und dann durch ein Gerät geschoben, das nur bedingt die Rinde abschält, den Baum aber auf seine bestellte Länge zersägt. Zwei Meter lange Stücke sind zum Beispiel für die Papier-Industrie.

Jörg Weiler sprach auf Nachfrage„von einem stabilen Holzmarkt“. Das heißt, die Nachfrage ist groß, der Preis entsprechend hoch. Bislang habe das Sturmholz, das da und dort bei dem Sommer-Unwetter Ende Juni in größeren Mengen angefallen ist, noch keine Auswirkungen auf den Holzpreis gehabt, sagte Weiler sinngemäß.

Nun liegen im Wald die von den Förstern farblich markierten Rückegassen weiter voneinander entfernt, als der Arm des Harvesters reicht. Es gibt also auch noch die klassische Holzernte und die Ernte unter Nutzung eines ferngesteuerten Rückefahrzeugs. In dem Falle war es ein MB-Trac. Der Waldarbeiter sägt den zu fällenden Baumrundherum an, lässt ihn aber noch auf dem Stammkern stehen. Er verbindet das untere Baum-Ende mit einer ferngesteuerten Seilwinde, die dann in Aktion tritt und mit etwas Gewalt den Baum vom Wurzelstock trennt. Er fällt und wird bis zur Rückegasse gezogen. Diese Art Holzernte, das zeigte der Lokaltermin im Großhau, ist nicht ganz ungefährlich. Wiederholt brachen die Baumwipfel unerwartet ab und donnerten auf den Waldboden. Welch ein Glück, dass sich in dem Augenblick dort niemand aufgehalten hat.