Sontheim/Brenz / Laura Strahl Tassilo Kresse ist der einzige Erzieher im Sontheimer Kinderhaus in der Au. Wie hat der junge Bolheimer seinen Traumberuf gefunden?

Die Lätzchen sind umgelegt, die Löffel verteilt, die Buchstabensuppe steht auf dem Tisch: Im Sontheimer Kinderhaus in der Au ist es Zeit fürs Mittagessen. „Deine Ärmelchen müssen wir aber noch ein bisschen hochziehen“, sagt Tassilo Kresse zu einem der Kinder und geht in die Hocke. Der 21-jährige Erzieher, das merkt man sofort, fühlt sich wohl bei seiner Arbeit, hat Spaß. Und auch die Kinder sind zufrieden. Dass sich hier ein Mann statt einer Frau um sie kümmert interessiert sie herzlich wenig. „Die Kinder machen da keinen Unterschied“, sagt Kresse.

Und deren Eltern und die 23 Kolleginnen übrigens auch nicht. Höchstens wenn es darum geht, schwere Gegenstände zu tragen. „Dann fragen sie mich“, sagt Kresse und lacht. Dass er in seinem Beruf mehr oder weniger ein Exot ist, ist ihm dennoch bewusst. Unter den rund 20 Schülern in seiner Ausbildungsklasse an der evangelischen Fachschule in Herbrechtingen seien vier Männer gewesen. Drei davon haben die duale Ausbildung zu Ende gemacht. Drei von 20 – das sind immerhin mehr als früher, als Kindergärten noch komplett in Frauenhand lagen. Durch Ausbildungsmodelle wie „Pia“, bei denen man schon während der Ausbildung Geld verdient, werde der Männeranteil noch weiter steigen, vermutet Kresse. Reich werden, auch das weiß der 21-Jährige, kann man als Erzieher aber nicht.

Trotzdem hat sich Kresse für seinen Beruf entschieden. Angefangen hatte alles mit einem Praktikum zur Realschulzeit. Während sich die Freunde in Kfz-Werkstätten und Banken umsahen, zog es den Bolheimer, dessen Eltern Jugendreferenten sind, in einen Kindergarten. „Da habe ich gemerkt, dass ich richtig Lust habe, den Beruf zu erlernen.“ Nach einem Jahr Berufskolleg war es dann soweit: An der Herbrechtinger Fachschule bzw. im Sontheimer Kinderhaus machte er die Ausbildung zum Erzieher – und wurde übernommen. Mindestens die kommenden drei bis vier Jahre will Kresse nun in Sontheim bleiben, „in die Materie reinkommen“ und sich „voll und ganz auf den Kindergarten einlassen“.

Männer als Rollenvorbild

Oder besser gesagt auf die Krippe. Die Kinder, um die sich Kresse seit Abschluss seiner Ausbildung kümmert, sind nämlich jünger als drei Jahre alt. „Das freut mich ganz besonders“, sagt Kinderhausleiter Simon Abele, bislang einziger Mann im Team. In dieser Altersgruppe nämlich seien Männer noch seltener als selten. Doch ob Krippe oder Kindergarten – Hauptsache Mann. „Es ist wichtig, dass man als Kind beide Geschlechter erlebt“, sagt Abele. Auch und vor allem in Zeiten, in der viele Kinder in ihren Familien kein männliches Rollenvorbild mehr hätten. Außerdem, sagt Abele, tue ein Mann im Team immer gut. Genau so wie eine Frau einem reinen Männer-Team gut tue. „Das lockert auf.“