Es war ein zäher Prozess, in dem sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Rainer Feil darum bemühte, herauszufinden, was am 24. April diesen Jahres in einer Asylbewerberunterkunft in Bergenweiler passiert ist. Auf der Anklagebank saß ein 27-jähriger Mann, dem neben Sachbeschädigung auch gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wurde. Erschwert wurde die Verhandlung dadurch, dass sowohl der Angeklagte, als auch verschiedene Zeugen unterschiedliche Dolmetscher brauchten. Dabei war nicht immer klar, wer sich tatsächlich in welcher Sprache am besten zum Geschehen äußern kann.

Der Angeklagte selbst hatte im Vorfeld mit einer Sachverständigen und auch seinem Anwalt Thomas Jordan auf Deutsch kommuniziert, wollte im Prozess aber entgegen seiner bisherigen Angaben plötzlich eine Englisch-Dolmetscherin haben.

Streit um einen Heizlüfter eskalierte

Der Ausgangspunkt der Auseinandersetzung am frühen Morgen des 24. April war wohl der Streit um einen Heizlüfter. Der Angeklagte kam reichlich betrunken, wie er selbst berichtete, von einer Party nach Hause und wollte sich das Gerät bei einem Mitbewohner ausborgen. In dessen Zimmer hielt sich zu dieser Zeit auch ein 23-Jähriger auf, der ebenfalls in der Unterkunft wohnt. Warum es dann aber zum Streit und auch zu Handgreiflichkeiten zwischen ihm und dem Angeklagten kam, wurde im Verlauf der Verhandlung nicht so ganz klar. Zunächst schaffte es der eigentliche Bewohner des Zimmers, die beiden zu trennen und die Zimmertür abzuschließen.

Scherben als Waffe benutzt

Der Angeklagte ging dann wohl auch erst einmal in die Küche. Dort habe er bemerkt, dass er an der Hand blute. Das habe ihm Stress gemacht und außerdem sei er „high“ gewesen, gab er in der Verhandlung als Grund an, warum er dann zurückging, die Tür mit Gewalt eintrat und auf das 23-jährige Opfer losging. Zumindest einen Teller und später dessen Scherben benutzte der Angeklagte dabei als Waffe und fügte dem Mann einen vier Zentimeter lang Schnitt im Gesicht sowie Schnittwunden an Schulter und Oberarmen zu. Erst als ein weiterer Bewohner hinzukam und einschritt, konnte das Opfer nach draußen flüchten, wo er auf einen Passanten traf, der Notarzt und Polizei alarmierte.

Erst seit kurzem auf freiem Fuß

Es war nicht das erste Mal, dass der Angeklagte unter dem Einfluss von Alkohol ausrastete und genau das hielt ihm Richter Feil auch vor. Gerade mal seit fünf Jahren lebe der Angeklagte, der aus Guinea-Bissau stammt in Deutschland, doch sein Auszug aus dem Bundeszentralregister weise bereits zehn Einträge auf, sieben davon seien dem Gewaltbereich zuzuordnen.

Erst seit März diesen Jahres war der Angeklagte auf freiem Fuß. Nachdem das Landgericht Heilbronn ihm eine günstige Sozialprognose gestellt hatte, durfte er die Haft, die er wegen gefährlicher Körperverletzung verbüßte, vorzeitig auf Bewährung verlassen. Die jetzt verhandelte Tat geschah nur wenige Wochen später.

Verletzung hätte schlimmer ausgehen können

Staatsanwalt Michael Schwartz sprach von einer „enormen Rückfallgeschwindigkeit“ und wies darauf hin, dass der Angriff mit der Scherbe auch weit schlimmer ausgehen hätte können. Er forderte für die gefährliche Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zusammen mit der Sachbeschädigung eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und vier Monaten.

Verteidiger Thomas Jordan verwies darauf, dass nicht eindeutig aufgeklärt werden konnte, was der Grund für die Auseinandersetzung gewesen sei. Man könne nicht davon ausgehen, dass sich nur einer der beiden Kontrahenten aggressiv verhalten habe. Es handle sich aber in jedem Fall um eine gefährliche Körperverletzung und sein Mandant habe einschlägige Vorstrafen. Jordan forderte eine Strafe „deutlich unter zwei Jahren“.

Richter Feil und die beiden Schöffinnen folgten in ihrem Urteil der Forderung des Staatsanwaltes. Der Angeklagte habe dem Opfer eine erhebliche Verletzung mit einem scharfen Gegenstand zugefügt, begründete Feil. Zudem trage er ein gewaltiges Aggressionspotential in sich und sei von Rachegedanken geleitet. „Solange das schwelt, sind Sie für die Gesellschaft gefährlich“, so Feil. Der aus der Untersuchungshaft in Hand- und Fußfesseln vorgeführte Angeklagte musste wegen möglicher Fluchtgefahr direkt zurück in die Haftanstalt.

Gutachten der forensischen Psychiaterin


Einen Einblick in die Persönlichkeit des Angeklagten gab das Gutachten der forensischen Psychiaterin Dr. Heidi Durst. Der 27jährige sei als geduldeter und abgelehnter Asylbewerber sehr unzufrieden mit seiner Lebenssituation. Er wolle arbeiten, dürfe das aber nicht. Sie beschrieb den Angeklagten als impulsiven Menschen, der unter Alkohol die Kontrolle verliere. Er fühle sich allein gelassen, habe auch keinen Freundes- und Bekanntenkreis. In Deutschland wolle er aber unbedingt bleiben. Bevor er gehen müsse, nehme er ein Messer und bringe jemanden um, schilderte die Gutachterin eine Aussage des Angeklagten.