Bergenweiler / Laura Strahl Der Sontheimer Gemeinderat ist entsetzt: Um wasserrechtliche Vorgaben zu erfüllen, muss eine knappe Million investiert werden. Mit Kosten in dieser Größenordnung hatte aber niemand gerechnet.

Von Schockstarre war die Rede, von verheerenden Zahlen, von einer Kostenexplosion. Alles übertrieben? Eher nicht: Beim Bau eines Regenklär- und eines Regenrückhaltebeckens in Bergenweiler muss der Sontheimer Gemeinderat mit einer Kostensteigerung von knapp 200 Prozent rechnen. Statt der bisher angenommenen 330 000 Euro sind laut aktueller Berechnung des Ingenieurbüros Gansloser rund 975 000 Euro zu bezahlen.

Kein Bodengutachten gehabt

Wie es zu diesem enormen Anstieg kommt? Weil die Zeit bzw. das Landratsamt drängte, konnten die mit der Planung beauftragten Ingenieure nicht auf ein notwendiges Bodengutachten warten. Anhand andernorts umgesetzter Aufträge wurden die Kosten also geschätzt. Jetzt aber liegt das Bodengutachten vor – und bescheinigt dem bestehenden Damm an der Brunnenwiese eine zu geringe Standfestigkeit. Für das dort geplante Regenrückhaltebecken muss der Damm daher abgetragen und neu aufgebaut werden.

Bedeutet für die Gemeinde: 278 000 Euro statt 50 000 Euro. Und auch das neun mal sechs Meter große Klärbecken in der Brückenstraße wird laut Berechnung teurer als geschätzt: 697 000 Euro statt 280 000 Euro. Keine Frage, dass die finanzschwache Gemeinde damit vor einem großen Problem steht. Denn im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Entwässerung sind anhand der damals angenommenen Zahlen lediglich Ausgaben in Höhe von 330 000 Euro festgesetzt.

Keinen Puffer eingeplant

„Sie sind bei der Planung von den besten Voraussetzungen ausgegangen“, zeigte sich Bürgermeister Matthias Kraut enttäuscht von der Vorarbeit des Ingenieurbüros. Weil die Bodenverhältnisse in Sontheim oftmals nicht die besten seien, hätte man die Sache kritischer betrachten und einen Puffer einplanen müssen.

Einen großen Nutzen hat diese Schelte zum jetzigen Zeitpunkt freilich nicht. Aufschieben kann die Gemeinde den Bau ebenfalls nicht. Besser gesagt, nicht mehr: Bereits seit 1993 duldet das Landratsamt den Status quo, obwohl die Regenklärbecken, die das Wasser vor dem Einfließen in die Brenz reinigen, wasserrechtlich verpflichtend sind. Eine weitere Duldung soll es nicht mehr geben – das machte die Behörde im vergangenen Jahr klar und fordert eine zeitnahe Umsetzung der geplanten Bauten.

Auf der Suche nach Alternativen

Wie also geht es nun weiter? Mit der enormen Kostensteigerung abfinden will sich der Gemeinderat noch nicht. Bis Oktober soll das Ingenieurbüro nach kostensparenden Alternativen zu suchen. Diesmal frei von jeglichen Vorgaben, sprich unabhängig davon, ob für die Bauarbeiten der Lernort oder die Dorfstraße in Mitleidenschaft gezogen werden. Außerdem soll untersucht werden, ob Einsparungen erzielt werden können, wenn die Umsetzung unabhängig vom geplanten Brückenneubau vonstattengeht. Die Gemeinde will ebenfalls nicht untätig bleiben und nach Fördermöglichkeiten suchen.

Zweites Becken soll folgen

Ein zweites Regenklärbecken soll zu einem späteren Zeitpunkt im Bereich der alten Kläranlage entstehen. Auch hier ist mit Kosten von circa 280 000 Euro zu rechnen.