Sontheim / Patrick Vetter Zwei junge Männer aus Sontheim haben im Darknet Amphetamine, Kokain, Ecstasy, LSD und falsche 50-Euro-Scheine bestellt und in Umlauf gebracht.

Von April bis September 2017. Länger ging das Ganze nicht gut. In der kurzen Zeit kauften zwei Männer aus der Sontheimer Gegend aber online gleich mehrere Kilo Amphetamine, etliche Pillen Ecstasy und zudem LSD, Kokain und andere Drogen sowie 500 Euro Falschgeld ein und ließen sich die Ware nach Hause schicken.

Beide Männer, 21 und 23 Jahre alt, wohnen noch bei ihren Eltern. So kam es dazu, dass die Pakete mit dem illegalen Inhalt teilweise von der nichtsahnenden Mutter des 21-Jährigen angenommen wurden. Das half bei den Ermittlungen: Durch Paketscheine, die in Dortmund gefunden wurden, kamen die Polizeibeamten auf die Wohnung des jungen Mannes. Bei der Durchsuchung erkannte die Mutter ihre Unterschrift auf den Scheinen. Die Pakete waren aber schon längst nicht mehr vor Ort. Der 21-Jährige nahm sie lediglich an. Sobald die Ware angekommen war, holte sein Freund sie ab und kümmerte sich um den Verkauf. Bestellt wurden die Drogen einfach vom Smartphone aus.

Den Gewinn geteilt

Das schilderte der Jüngere auch der Polizei. Er sei bei Verkäufen lediglich als Fahrer dabei gewesen. Auch habe er nichts von den Drogen selbst konsumiert, die hauptsächlich an Bekannte verkauft wurden. Nur sein Freund habe sich immer selbst einen Teil der Bestellungen für den Eigenbedarf genommen. „Die Hälfte des Gewinns habe ich abgegeben“, erklärte dieser die Aufteilung der Einnahmen. Alle Bestellungen und Verkäufe legte er vor der Polizei offen. Ganz genau wissen aber beide nicht mehr, wie viel sie verkauft haben und wer wann was bekommen hat. Auf derselben Plattform, auf der die Drogen angeboten wurden, bestellten sie auch 50-Euro-Blüten. Die 500 gefälschten Euro brachten sie zumindest zum Teil im Winterdorf in Heidenheim unter die Leute. Vorher bearbeiteten sie das Falschgeld auf Empfehlung des Verkäufers mit Kerzenwachs.

Beide räumten ihre Taten wie geschildert ein und standen nun vor Richter Jens Pfrommer im Heidenheimer Amtsgericht – angeklagt wegen gewinnbringenden Handels mit Betäubungsmitteln und Geldfälschung. In einer ersten Klage ging es nur um zwei Bestellungen, wegen denen die Wohnung des jüngeren Angeklagten durchsucht worden war. Eine zweite Klage umfasste alle anderen Bestellungen der beiden. Diese konnte nur gestellt werden, nachdem der 23-Jährige die Karten auf den Tisch gelegt und alles gestanden hatte.

So leicht wie die Sontheimer Online-Drogenkäufer erwischt werden konnten, sollte man meinen, das Internet sei kein geeigneter Ort für Betäubungsmittelgeschäfte. Doch die Fälle werden immer häufiger: „Das ist ein Fall, der mittlerweile typisch ist. Man nutzt die Anonymität des Darknets“, sagte Staatsanwalt Armin Burger. Auch die beiden jetzigen Angeklagten nutzten das Darknet, ein Netzwerk, in dem man ganz anonym surfen kann. Auf verschiedenen Seiten innerhalb dieses geschützten Raumes kann jeder fast alles, legal oder illegal, kaufen.

Im Sontheimer Fall handele es sich um große Mengen der illegalen Stoffe. „Alleine die knapp 4,5 Kilo Amphetamine. Das sind Abertausende Euro, die damit erzielt wurden“, führte Burger aus. Ältere Angeklagte würden für diese Vergehen ohne Bewährung ins Gefängnis wandern und auch in diesem Fall plädierte Burger auf den Einzug aller möglichen Einnahmen aus den Verkäufen: „Sie haben gehandelt, schlicht und einfach um Geld zu machen. Straftaten dürfen sich nicht lohnen.“

Strafen auf Bewährung

Dem konnten nicht einmal die Verteidiger der beiden Männer widersprechen. 17 250 Euro müssen sie nun zahlen. Außerdem wurden weitere 2250 Euro eingezogen, die bei den Wohnungsdurchsuchungen gefunden wurden, und an denen Rückstände der verkauften Drogen hafteten. Neben der Geldstrafe wurden beide Männer für die Vorwürfe aus der Anklage zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zu den Auflagen gehören für den 21-Jährigen 80 Sozialstunden. Bei ihm wurde das Jugendstrafrecht angewandt. Sein Komplize muss während der Bewährungszeit 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung spenden. Sozialstunden, die körperliche Arbeit einschließen, kann er seit einem Unfall im vergangenen Jahr nicht mehr leisten.

Der Unfall unter Alkoholeinfluss und ein weiterer Fall aus der Vergangenheit im Zusammenhang mit Cannabis verleiteten Pfrommer zu der mahnenden Warnung: „Da war halt schon mal was.“ Das Geständnis aller Drogenbestellungen milderte jedoch das Urteil.

Was ist das Darknet überhaupt?

In das Darknet kommt man über einen sogenannten Tor-Browser. Diesen kann man im Internet legal herunterladen. Auch die Benutzung des Darknet ist nicht illegal. Der Unterschied zum Internet ist, das jeder ganz anonym surfen kann. Die Anonymität hat vor und Nachteile: Überwachung ist im Darknet zwar kaum möglich, dafür haben es Händler illegaler Waren sehr leicht. Neben Waffen und Drogen werden unter anderem auch Kinderpornografie, geschützte Tierarten und alles Erdenkliche andere feilgeboten. Die Währung für die Plattformen sind meistens Bitcoins. Die meistbesuchten Seiten des Darknets haben aber nichts mit illegalen Machenschaften zu tun.