Sontheim/Brenz / Klaus-Dieter Kirschner Das Prädikat „Familienbewusste Gemeinde“ gilt weitere vier Jahre. Bürgermeister Matthias Kraut stellte die positiven Seiten Sontheims in den Vordergrund und würdigt das hohe ehrenamtliche Engagement.

Mit 5604 Einwohnern hat Sontheim einen neuen Höchstwert erreicht und führt das vor allem auf seine Attraktivität zurück. Dafür hatte die Kommune auch ganz schön ranklotzen müssen und wird nun mit einer gestiegenen Bauplatz-Nachfrage vor allem durch Auswärtige belohnt.

Mordfälle warfen Schatten auf 2019

Beim Neujahrsempfang hatte in der Gemeindehalle Bürgermeister Matthias Kraut Rückschau auf 2019 gehalten, sich aber auch tief betroffen gezeigt von den aufgedeckten drei Morden und der aktuellen juristischen Aufarbeitung im Landgericht Ellwangen: „Die Medien nehmen uns im Moment nur mit den Mordtaten wahr. Doch unsere Gemeinde hat so viel positive Energie, Entwicklungen und Bestehendes und vor allem Menschen, die unsere Gemeinde, unsere Heimat, lieben und schätzen. Wir sind eine lebendige und lebenswerte Gemeinde und bei uns wird sich jeder wohlfühlen“, war Kraut überzeugt.

2015 war dies bereits durch die Auszeichnung Sontheims als „Familienbewusste Kommune Plus“ gewürdigt worden. Diese Familienfreundlichkeit stand Ende 2019 wieder auf dem Prüfstand. Die Verlängerung des Prädikats wurde überaus erfolgreich bestanden. Das unterstrich der Projektkoordinator Qualitätsprädikat in der Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Familie Baden-Württemberg, Kurt Lacher. Er ist zugleich Geschäftsführer der Unternehmergesellschaft Prädikat Familienbewusste Kommune Plus.

„Ganz schön geackert“

Lacher schmeichelte den Sontheimern, nannte das Dorf „eine Leuchtturmgemeinde im Landkreis“. Sontheim habe deutlich besser als jede Große Kreisstadt im Ländle abgeschlossen, die allenfalls 60 Prozent der Kriterien erfüllten. Sontheim liege deutlich drüber und habe nicht bloß wegen der Sprachförderung Extra-Bonuspunkte bekommen. 260 Positionen umfasst der Prüfkatalog.

„Wir haben ganz schön geackert“, gestand Bürgermeister Kraut, verwies auf den Ausbau der Plätze im Krippenbereich sowie auf große Anstrengungen, das kommunale Bildungsangebot modern und zukunftsfähig zu gestalten. Außen- und Innensanierung der Schule, die Verbesserung der digitalen Infrastruktur im Schulzentrum, die das Land mit 211.900 Euro Zuschuss fördert. Allerdings forderte der Schultes „mehr Verlässlichkeit beim Land bei der Bildungspolitik“ ein: „Wir haben mehr bewegte Zeiten erlebt als uns lieb war. Wer bestellt, sollte normalerweise auch die Zeche bezahlen.“

Kritik am Land

Kritik geäußert wurde in dem Zusammenhang an der Absicht des Landes, den Stichtag für die Einschulung vorzuverlegen. Kraut: „Über den Sinn will ich nicht nachdenken. Aber das heißt für uns, dass Kinder länger in den Kindergärten bleiben und unsere bisherige Bedarfsplanung nicht mehr stimmt. Wir müssen womöglich mehr Betreuungsplätze zur Verfügung stellen“. Das Überlegen sei im Gange.

Youtube Der Neujahrsempfang in Sontheim: ein Diplom für eine familienbewusste Kommune

Der Gemeinderat stimmte bereits für eine Krippengruppe im Franziskus-Kindergarten, die am 1. Januar 2021 den Betrieb aufnimmt. Außerdem werde es eine Gruppe für über Dreijährige im Alten Rathaus geben. Nachgedacht werde außerdem über einen Waldkindergarten und ein Angebot für die Randzeitenbetreuung, „weil immer mehr Eltern im Hinblick auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf Bedarf signalisiert haben“. Die Gemeinde wolle daher die Tagespflege ausbauen und dafür finanzielle Anreize bei Aus- und Weiterbildung schaffen.

Brenzkanalbrücke und B 492

Weitere Themen waren die Brenzkanalbrücke in Bergenweiler (Einweihung wohl schon im Mai) und die unendliche Geschichte des Lückenschlusses im Zuge der Bundesstraße 492 zwischen Brenz und Hermaringen. Für Ende Januar erwartet Matthias Kraut verlässliche Auskunft aus Stuttgart, wie sich das Regierungspräsidium die zwei Jahre währende Verkehrsumleitung vorstellt.

Lob galt der ehrenamtlichen Arbeit nicht bloß der Vereine. Hohe Anerkennung sprach Kraut den Feuerwehrleuten und Rotkreuz-Aktiven aus und hielt es für möglich, dass 2021/22 die Feuerwehr Sontheim ein neues Domizil bekommt. Derzeit kämpfe man weniger um den Standort als um die Finanzierung. Die Gemeinde ging von drei Millionen Baukosten aus; Experten sehen die Summe eher bei 4,8 Millionen Euro. Viel zu gering nannte Kraut die in Aussicht gestellte Zuschussrate des Landes: „Da bleibt noch einiges zu verhandeln.“

Hebammen in der Volksbank

Was besonders zur Attraktivitätssteigerung beitragen wird, ist die Hebammenstation in der einstigen Schalterhalle der Volksbank in Brenz. Unter großem Beifall stellte Matthias Kraut die freiberuflichen Hebammen Ute Maier, Seyhan Cebeci, Lisa Mackh und Johanna Dietz vor, die unter dem Firmenlogo „Wir, Du und ich“ für eine fachliche wie professionelle Versorgung der Schwangeren und ihrer Babys stehen.