In seinen letzten beiden Sitzungen Ende Juni und Anfang Juli befasste sich der Sontheimer Gemeinderat mit den Angeboten, die im Zuge des Ausschreibungsverfahrens bei der Gemeindeverwaltung eingetroffen waren. Die Gemeinde hatte den Neubau der Brücke über die Hürbe bewusst in zwei verschiedene Lose aufgeteilt, eins für den Brückenkörper selbst und eins für das Fundament. „Damit wir bei dem Brückenbauwerk einen Metallbauer haben, der sich auf sein Handwerk versteht und deshalb keine weiteren Gewerke per Subkontrakt beauftragen muss“, erläutert Bürgermeister Tobias Rief das Sontheimer Vorgehen im Ausschreibungsprozess.

Preissteigerung wegen derzeitiger wirtschaftlicher Lage

Bezüglich des Brückenkörpers war die Gemeindeverwaltung bei sechs Firmen vorstellig geworden, wovon dann allerdings nur zwei ein Angebot unterbreiteten. Das wirtschaftlichste Angebot in Höhe von ca. 93.000 Euro legte die Firma Stahlbau Wölz aus Gundelfingen vor. Nach Ansicht der Gemeinde sei dieser Angebotspreis „auskömmlich“, er liegt ca. 30 Prozent über der Kostenberechnung des Fachplaners. Diese Preissteigerung sei laut Beschlussvorlage „der derzeitigen wirtschaftlichen internationalen Lage geschuldet und ist aus Sicht der Verwaltung eher noch positiv zu sehen“.

Außerdem wollte die Gemeinde die Fundamente der Brücke relativ einfach ausführen lassen, um möglichst vielen Firmen, die im Bereich Tiefbau aktiv sind, Gelegenheit zu geben, sich am Ausschreibungsverfahren beteiligen zu können. Geholfen hat das aber leider auch nicht viel: Der Gemeinde ist es trotz verschiedenster Anläufe nicht gelungen, mehr als ein Angebot einholen zu können.

Bürgermeister Rief: Preis „komplett ab vom Schuss“

An eigener Untätigkeit hat es nicht gelegen: Ein Dutzend Anbieter wurden von der Verwaltung aktiv angefragt – und das nicht nur einmal – es half alles nichts, es blieb bei einem einzigen Anbieter. „Und da hat es 240.000 Euro kosten sollen, also komplett ab vom Schuss. Er ist dann noch um 100.000 Euro auf 140.000 Euro herunter gegangen“, so der Bürgermeister. Was natürlich trotzdem immer noch rund das Doppelte der Summe war, mit der man bei Planungsbeginn ursprünglich einmal gerechnet hatte.

Dabei hat die Gemeinde Sontheim mit diesem einen Angebot offenbar sogar noch „Glück“ gehabt. Denn nach Aussage von Bürgermeister Tobias Rief ist es anderen Gemeinden mit sanierungsbedürftigen Brücken oder diesbezüglichen Neubauwünschen durchaus schon passiert, dass bei deren Ausschreibungsverfahren nicht ein einziges Angebot abgegeben wurde. Die Auftragsbücher der Firmen seien einfach voll.

Der Gemeinderat beschloss deshalb, dass man zwar die Arbeiten für das Fundament jetzt prinzipiell vergeben möchte, „aber die Verwaltung möge sich doch bitte nochmals bemühen, Einsparungen möglich zu machen, wenn das geht“, erläuterte Bürgermeister Tobias Rief am Tag nach der Gemeinderatssitzung, betont aber, „wir wollen definitiv bauen“.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Was dann im Nachgang dieser Sitzung auch passierte. Und wobei man wohl auch nicht ganz erfolglos agierte, denn auf erneute Nachfrage konnte der Bürgermeister dann bestätigen, dass man sich mit dem Anbieter des einzigen Ausschreibungsangebotes jetzt auf einen ungefähren Preis von 100.000 Euro für das Fundament geeinigt habe. Diese Sontheimer Hartnäckigkeit ist auch durchaus nachvollziehbar, denn an dem ganzen Projekt „hängen natürlich auch Förderzusagen“, so Rief. Und die seien für die Gemeinde sehr vorteilhaft sind, „sie liegen in der Größenordnung von 90 Prozent“, erläutert der Bürgermeister.

Finanziell nicht auf Rosen gebettet

Allerdings bezieht sich diese Förderung auf die von der Gemeinde anfänglich geplanten Baukosten in Höhe von etwa 200.000 Euro. Der Fördergeber weiß aber natürlich auch um die momentanen Bedingungen bei Ausschreibungsverfahren, Stichwort Inflation und unkalkulierbare Rohstoffpreise, „deswegen haben die gesagt, 20 Prozent Erhöhung würden sie mitgehen“, so Tobias Rief. Aber alles, was über diese Summe hinausgeht, müsste Sontheim aus dem eigenen Haushalt bezahlen. Was neue Probleme aufwerfen würde, schließlich hat man sich selbst in den zurückliegenden Wochen bei verschiedensten Anlässen immer wieder versichert, dass man ja „nicht auf Rosen“ gebettet sei.

Das Projekt „Neubau Hürbebrücke“ wegen der über der Kalkulation liegenden Preise komplett zu streichen, ist laut Aussage von Bürgermeister Tobias Rief keine Option. Und gab zu bedenken: „Wenn wir jetzt zurückrudern, haben wir trotzdem Ausschreibungskosten. Die müssen wir ohnehin tragen.“ Außerdem müsse die Brücke ja irgendwann ohnehin zwingend erneuert werden, denn man wisse, so Rief, „dass die Brücke im jetzigen Zustand am Limit war bei der letzten Prüfung“.

Brücke kurz vor der Schließung

Diese Prüfung fand vor zwei Jahren statt, damals war das Bauwerk mit einer Note von 4,0 bewertet worden. „4,1 und wir hätten sie umgehend sperren müssen“, verdeutlichte Rief noch einmal die Dringlichkeit des Bauvorhabens. Da Brücken alle fünf Jahre einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden müssen, hätte die Gemeinde jetzt also nur noch maximal drei Jahre Zeit gehabt, bevor bei der nächsten Prüfung das endgültige Aus gekommen wäre. Es bestand also einfach Handlungsbedarf, „deswegen die Umsetzung, deswegen der Beschluss“, so der Bürgermeister.

Wann könnte der Neubau stehen?

Sollte es zu keinen momentan unabsehbaren Verzögerungen bei den Gewerken kommen, rechnet die Gemeinde Sontheim mit einer Bauzeit von etwa acht Wochen. Da aber aufgrund der angespannten Rohstoffsituation eine genaue Planung von Lieferfristen nicht möglich ist, kalkuliert man mit einem Sicherheitspuffer von zwei bis drei Wochen. Seit dem Planungsdesaster mit dem Waldkindergarten ist man in Sontheim lieber vorsichtig geworden, was Terminzusagen betrifft. Der Abschluss der Bauarbeiten soll auf jeden Fall noch in diesem Jahr erfolgen, zufrieden wäre man bei der Gemeinde, wenn man die neue Brücke Ende Oktober oder Anfang November in Betrieb nehmen könnte. „Mit einer Brücke, die schon bekannte Schäden hat, wollen wir ungern über den Winter gehen“, so Bürgermeister Tobias Rief.