In diesen Tagen ist immer häufiger zu hören, dass es wichtig sei, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Bundesgesundheitsminiter Jens Spahn hat die Impfung im Interview gar als einen „patriotischen Akt“ bezeichnet. Im selben Interview sagte er weiter: „Ja, das Impfen ist eine persönliche Entscheidung. Aber es ist auch eine mit Auswirkungen für uns alle. Jeder Einzelne entscheidet mit darüber, wie schwer Herbst und Winter für uns alle werden.“ (“Soester Anzeiger“, 5. August.)

Als Familienvater möchte ich diese Sätze mal umformulieren: „Ja, das Kinderkriegen ist eine per-sönliche Entscheidung. Aber es ist auch eine mit Auswirkungen für uns alle. Jeder Einzelne entscheidet darüber, wie schwer es die nächste Generation hat und wer die Rente erarbeiten muss!“

Der Unterschied: das Eine scheint Konzens zu sein und ist unwidersprochen (Solidarität!). Das andere tritt erst in Kraft, wenn Politiker als Entscheidungsträger längst ihre (mehr oder weniger verdiente) Pension antreten, die dann von Kindern bezahlt werden, die sie vielleicht gar nicht mehr kennen oder auch nicht gewählt hätten. Dieses Andere ist schlicht unpopulär (Solidarität?).

In unserem Sozialsystem kann schon lange nicht mehr von „Generationenvertrag“, von Solidarität gesprochen werden, wenn sich immer mehr Menschen diesem Vertrag dadurch entziehen, dass sie keine Mütter oder Väter werden. Daher mein Vorschlag: da es sicher unredlich ist, den Menschen vorzuschreiben, ob und wie viele Kinder sie bekommen möchten, muss am anderen Ende angesetzt werden: wer nur für die eine Seite (die Eltern) zum Generationenvertrag beiträgt und für die andere (Kinder) nicht, kann nicht erwarten, dass er 100 Prozent Rente bekommt. Also nur 50 Prozent – die anderen 50 muss er/sie mit dem aus der Nichtkindererziehung gesparten Geld (und wegen der ununterbrochenen Arbeitshistorie höherem Gehalt) bestreiten. Oder ist das dann ungerecht?

Ist es etwa gerecht, wenn das Sozialamt von Kindern der Eltern Abgaben für die Finanzierung der Pflegeeinrichtung fordert, von Kinderlosen aber nicht – es sind ja keine Kinder da, von denen man es fordern könnte? Also zahlen das über die Steuern auch noch die Kinder Anderer … Oder dass das Existenzminimum von Kindern nicht steuerfrei ist? Oder dass Kinder im Sozialversicherungswesen nicht existieren und bei Hartz IV sogar noch schädlich sind (als ob die Kinder Schuld daran sind, dass ihre Eltern Hartz IV bekommen)? Oder ist es einzusehen, dass für Tiernahrung der niedrige Mehrwertsteuersatz, für Windeln aber der hohe zu zahlen ist? Oder, oder, oder …

Das, was für die Corona-Impfung von so vielen Politikern (von links und rechts) gefordert wird, sind sie schon seit Jahren nicht bereit, auf anderen Gebieten umzusetzen, obwohl es dazu Urteile des Bundesverfassungsgerichts gibt. Vielleicht sollten Familien wirklich mal aufstehen und am 26. September die Parteien wählen, die ein echtes Herz für sie haben (und bisher leider nicht im Bundestag vertreten sind)!

Andreas Häußler, Sontheim/Brenz