Sontheim/Zürich / Mathias Ostertag Sontheim, Giengen, Frankreich, USA, Brasilien, Argentinien,Schweiz: Leni Keck-Escalada hat schon in verschiedenen Ecken der Welt gelebt. Dennoch zieht sie es immer wieder an die Orte ihrer Kindheit und Jugend zurück.

Eigentlich wollte Leni (Helene) Keck-Escalada ja Lehrerin werden. Deshalb studierte sie in Tübingen Französisch und Mathematik auf Lehramt, brachte auch noch das Staatsexamen hinter sich und hätte in dem Beruf, von dem sie schon als kleines Kind geträumt hatte, Karriere machen können. Hätte . . .

Denn tatsächlich sah der Markt an freien Stellen für Pädagogen Ende der 1980er-Jahre, als die gebürtige Sontheimerin ihren Abschluss machte, alles andere als rosig aus. „Leider gab es seinerzeit kaum Anstellungen für Lehrer“, erinnert sich Keck, die heute, im Rückblick, die damalige Entwicklung keineswegs bedauert. „Denn tatsächlich war es aus meiner Sicht die beste Entscheidung, auf Anwendungsinformatikerin umzuschulen.“ Keck landete beim Weltkonzern Daimler-Benz in Stuttgart – ein Schritt, der ihren weiteren Lebensweg entscheidend prägen sollte.

Jedes Jahr berichtet die Heidenheimer Zeitung in der Weihnachtsausgabe über Menschen aus dem Kreis, die im Ausland leben: Jetzt sucht die HZ wieder Auswanderer.

Schon immer war Leni Keck, die in Brenz aufwuchs und ihre Schulzeit in Giengen verbrachte, sehr reiselustig – und so zog es sie früh in die Welt hinaus. Ihr Lieblingsziel war einst Frankreich, mehrfach zog es sie dorthin. Doch dann folgte sie erstmal einer Einladung nach Portland im US-Bundesstaat Oregon – und in diesen vier Wochen Urlaub entdeckte sie ihre Liebe zu den Vereinigten Staaten. „1997 bin ich dann umgezogen nach Portland, weil Daimler dort ein Lkw-Projekt aufziehen wollte.“ Zunächst war es aber nur ein Umzug auf Raten, Keck behielt vorerst ihre Wohnung in Stuttgart. Nach einem Jahr zog Daimler das Projekt ins brasilianische São Paulo um – und die reiselustige Globetrotterin ging mit. „Dieses Mal aber mit Container und meinen Habseligkeiten.“

Zuvor hatte Leni Keck aber noch einen weiteren, entscheidenden Schritt in ihrem Leben getan: noch in Stuttgart hatte sie mit dem Tangotanzen angefangen – ihrer nun zweiten Leidenschaft neben dem Reisen. In Portland hatte sie mit dem „Tango Argentino“ weitergemacht und dadurch auch verschiedene Freundschaften geschlossen. Doch dabei blieb es nicht: Durch den Ortswechsel von Nord- nach Südamerika kam sie ihrem Traum ein Stück näher, einmal einen Tango-Kurs in Buenos Aires zu belegen. Und wie es das Schicksal so wollte, war ihr das nicht nur möglich, dort traf sie auch auf ihren späteren Ehemann Alex Escalada, einen typische „Gaucho“, Tanzlehrer und obendrein, wie sie, ein Weltreisender. „Wir haben nur ein halbes Jahr nach unserem ersten Treffen geheiratet. Es war die echte große Liebe“, erzählt Keck. Die Hochzeit fand in Buenos Aires statt, die kirchliche Trauung holten die beiden dann im Jahr 1999 im Ulmer Münster nach. „Das war mir wichtig.“ Und nochmal kurze Zeit später verließen die beiden den südamerikanischen Kontinent und ließen sich wieder in Stuttgart nieder.

Doch anders als in früheren Zeiten gefiel es Leni Keck in der alten Heimat nicht mehr. Nach nur einem Jahr packte sie erneut die Abenteuerlust, es zog sie wieder an die Westküste der USA. Sie fand eine Anstellung als Projektmanagerin bei Siemens, von Seattle aus betreute sie viele Kunden des Konzerns und organisierte unzählige Projekte erfolgreich. Eine Rückkehr nach Deutschland schien für sie damals in weite Ferne gerückt.

Am Ende gaben private Gründe den Ausschlag, doch wieder näher an die alte Heimat heranzurücken. Vor sechs Jahren zog Leni Keck nach Zürich in die Schweiz, „weil ich näher an der Heimat und bei meiner Familie sein wollte“. Die Schweiz sei ein multikulturelles und internationales Land – und ihre aktuelle Stelle als Projektmanagerin ermögliche ihr trotzdem, in der Weltgeschichte herumzukommen. „Deutschland, England, USA, Chrina: Es bleibt spannend und mir ist zu keiner Zeit langweilig“, sagt Keck.Sie genieße es aber auch, innerhalb von drei bis vier Stunden zu Hause zu sein bei ihrer Familie und Freunden

Was die Zukunft bringt? Das weiß Leni Keck noch selbst nicht so genau. „Es zieht mich aber immer noch raus in die Welt.“ Eins sei aber sicher: Die Schweiz wird nicht ihr letzter Lebensmittelpunkt gewesen sein.

Teilnehmer gesucht für Brücken in alle Welt

Auch in diesem Jahr besteht für Auswanderer wie auch für kürzere Zeit im Ausland weilende Kreisbewohner die Möglichkeit, in der Weihnachtsausgabe der Heidenheimer Zeitung mit einem eigenen Beitrag Grüße an die Heimat zu schicken.

Und das geht ganz einfach: eine kurze E-Mail an den verantwortlichen Redakteur Mathias Ostertag (mathias.ostertag@hz.de) und schon können sich die Leser der Weihnachts-HZ über viele spannende Beiträge aus allen Teilen der Welt freuen.