Vergangenes Jahr im August kam ein Artikel über mich in der Heidenheimer Zeitung: „Brücken in alle Welt: Leni Keck-Escalada ist eine Globetrotterin, wie sie im Buche steht.“ Dort wurde über mein Leben in Deutschland, Frankreich, Süd- und Nordamerika berichtet.

Nun bin ich seit fast acht Jahren in der Schweiz und mein Job als Projektmanagerin bei einer internationalen Firma hat es mir auch weiterhin ermöglicht, in der Weltgeschichte herumzukommen.

Auch für das Jahr 2020 war wieder geplant, dienstlich in Deutschland, England und den USA unterwegs zu sein. Im Frühjahr sollte es für ein Projekt nach England gehen und den Sommer sollte ich in Florida verbringen. Und natürlich waren auch private Reisen angedacht. Aber dann kam alles anders.

Zu Jahresbeginn erreichten uns die ersten Nachrichten aus China, wo sich ein neues Virus ausgebreitet hatte. Unsere Kollegen in Shanghai waren wegen Corona in Isolation und arbeiteten im Home-Office. Dienstreisen nach China wurden abgesagt, unsere Reise nach England konnte aber noch starten. So begann ich im März mit meinem Team unser Projekt in Manchester.

Corona kommt in Deutschland an

Natürlich beschäftigte uns neben der Arbeit auch das Thema Corona. Aus der Schweiz und Deutschland kamen immer schlechtere Nachrichten, während es in England zu der Zeit kaum Restriktionen gab. Auch waren Kollegen aus Indien mit dabei, und deren Sorge, so schnell wie möglich nach Indien zurückkehren zu kommen, wurde von uns, ehrlich gesagt, zunächst nicht ernst genommen. Aber wer hätte gedacht, dass sie so recht haben sollten?

Als Leni Keck-Escalada im März 2020 übers Wochenende von England nach Zürich flog, ahnte sie nicht, dass sie die nächste Zeit im Homeoffice verbringen würde.
Als Leni Keck-Escalada im März 2020 übers Wochenende von England nach Zürich flog, ahnte sie nicht, dass sie die nächste Zeit im Homeoffice verbringen würde.
© Foto: privat

Mitte März kehrte ich dann übers Wochenende nach Zürich zurück – mit dem Ziel, am darauffolgenden Montag nach England zurückzufliegen, um mit unserem Training dort fortzufahren. Aber dann kam alles anders: in der Schweiz war ab sofort Arbeit im Home-Office angeordnet, in Polen waren die Grenzen schon zu, und auch in Deutschland war eine Reisewarnung von der Regierung ausgesprochen worden.

Was sollte also nun mit meinem Projekt geschehen?

Gelernt habe ich in der Zeit, dass man zwar planen kann, aber dass man flexibel sein muss, denn der Plan, den man am Freitag macht, kann am Montag schon nicht mehr passen. Und dass man, wenn es sein muss, sich auf neue Aufgaben und Vorgehensweisen sehr schnell einrichten kann. So arbeiteten die IT-Kollegen in der Firma mit Nachdruck daran, uns Software zur Verfügung zu stellen, um das „Remote-Arbeiten“ zu ermöglichen bzw. zu verbessern. Mein Team und ich stellten unser Trainingskonzept um und wir richteten uns darauf ein, unsere Ingenieure nun via Computer und „Fernunterricht“ zu schulen und zu betreuen. So begann, wie für viele andere auch, das Arbeiten von zu Hause aus, was sich über die nächsten Wochen erstecken sollte.

Besprechungen online statt vor Ort

Zu der Zeit hofften wir immer noch, für das Folgeprojekt in Tampa (Florida) doch noch vor Ort sein zu können. Aber weit davon gefehlt. Auch hier verbrachten wir die nächsten vier Monate im gleichen Modus und schafften es, ohne die Endanwender sehen zu können, ihnen die neue Software zu erklären und alle notwendigen Besprechungen online abzuhalten.

Da meine „Kunden“ ja nun an der Ostküste der USA waren, hieß dies auch für mich geänderte Arbeitszeiten, um den Zeitunterschied zu überbrücken. Und da wir auch noch im coronabedingten Lockdown waren, bestand meine „Freizeit“ darin, meine Pause auf dem Balkon zu verbringen und abends eine Runde um den Block oder zum Supermarkt zu laufen. Wichtig war allerdings in der Zeit, mit Familie, Freunden und Kollegen über Video-Calls und Internet verbunden zu sein.

Während des Lockdowns war in der Schweiz der Zugang zu den Seen gesperrt, doch im Herbst konnte Leni Keck-Escala die Aussicht über dem Vierwaldstätter See wieder genießen.
Während des Lockdowns war in der Schweiz der Zugang zu den Seen gesperrt, doch im Herbst konnte Leni Keck-Escala die Aussicht über dem Vierwaldstätter See wieder genießen.
© Foto: privat

Im August gab es dann endlich eine kleine Pause: nach den langen Wochen konnte ich wieder nach Deutschland reisen, um Freunde und Familie zu besuchen und auch den 90. Geburtstag meiner Mutter vor Ort mitzuerleben. Und um ehrlich zu sein: einmal fuhr ich sogar zum Flughafen Zürich, um mal wieder das Gefühl zu bekommen, es könnte bald wieder losgehen.

Die Schweiz hat ein sehr großes Freizeitangebot. Auch wenn das kulturelle Angebot während dieser Zeit doch stark eingeschränkt war, so konnte ich doch ab und zu eine Ausstellung besuchen oder mich kreativ betätigen. Und auf alle Fälle die wunderschöne Natur genießen. Während des Lockdowns war der Zugang zu den Seen gesperrt gewesen, aber danach war es wieder möglich, einen Spaziergang am See oder Ausflüge in die Berge zu machen.

In der Hoffnung, dass wir trotz allem schöne und erholsame Feiertag verbringen können und dass das neue Jahr wieder etwas mehr sein wird wie die vorigen, wünsche ich allen Frohe Weihnachten.

Brücken in alle Welt

Jedes Jahr berichten Auswanderer aus dem Kreis Heidenheim bei „Brücken in alle Welt“ über ihr Leben im Ausland: Hier gibt es ihre Geschichten zu lesen.