Am 2. September fällt der Startschuss für die Abrissarbeiten an der Brenzkanalbrücke. Seit diese Info bekannt ist, wird im Dorf wieder heftig diskutiert. Im Sontheimer Gemeinderat ebenfalls. So wandte man sich nach der Sitzung im Mai noch einmal ans Landratsamt Heidenheim, das für den Brückenneubau verantwortlich ist. Angefragt wurde erneut eine behelfsmäßige Fußgängerbrücke, die während der beiden Bauphasen eine Überquerung der Brenz ermöglichen würde. Außerdem äußerte man den Wunsch, den Bürgern im Rahmen einer Infoveranstaltung die Möglichkeit zu geben, Fragen zur zeitweisen Teilung des Dorfes zu stellen.

Brücke würde 50 000 Euro kosten

Jetzt steht fest: Von beiden Ansinnen hält man am Landratsamt herzlich wenig. So präsentierte Bürgermeister Matthias Kraut in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in Auszügen die unmissverständliche Antwort der Kreisbehörde. Eine rechtliche Verpflichtung zum Bau einer Behelfsbrücke gebe es nicht, zudem seien die dafür anfallenden Kosten in Höhe von geschätzt 50 000 Euro nicht vertretbar. Es handle sich bei den Bewohnern der dann vom Rest des Dorfes abgetrennten fünf bis sechs Häuser schließlich um einen überschaubaren Personenkreis.

Und weiter: Es stehe der Gemeinde natürlich frei, auf eigene Kosten eine Brücke zu errichten, zitierte Kraut aus dem Schreiben. Allerdings müsse dies dann auf privatem Grund geschehen, da im Baustellenbereich keine Brücke möglich sei. Wie das Landratsamt auf Nachfrage hinzufügt, würde man in diesem Fall auch eine Zufahrtsmöglichkeit für einen Autokran benötigen, ganz zu schweigen von der Verkehrssicherungspflicht, die mit einer provisorischen Lösung nicht eingehalten werden könne.

Info-Treffen nicht notwendig

Und die Infoveranstaltung? Wie der Gemeinde vom Landratsamt schriftlich mitgeteilt wurde, sei dies bei Baustellen des Landkreises weder üblich noch notwendig. Alle nötigen Infos habe man zur Veröffentlichung im Gemeindeblatt übersandt.

Freudensprünge macht man bei diesen klaren Worten des Landratsamts weder in Bergenweiler noch im Sontheimer Rathaus. „So eine Stellungnahme finde ich traurig“, äußerte sich FWV-Rätin Dagmar Krüger, die selbst in Bergenweiler wohnt. Zudem sei die Kostenfrage eine lächerliche Begründung. „Ich finde es auch nicht gut“, bestätigte Bürgermeister Kraut. Zwar sei in Bezug auf die gewünschte Behelfsbrücke eine Absage zu erwarten gewesen. In Bezug auf die Infoveranstaltung aber hätte er mit größerem Entgegenkommen gerechnet. Eigens einen Termin anzuberaumen, wie es Gemeinderat Walter Unseld (FWV) vorgeschlagen hatte, sei aber keine Option. „Wir sind nicht der Bauträger. Was sollten wir also auf die Fragen antworten?“

Gemeinde will nicht aufgeben

Das klingt nach Kapitulation. Ganz geschlagen geben will man sich aber noch nicht. So will sich die Gemeinde einerseits mit der Baufirma in Verbindung setzen, um zu erfragen, ob man dort eine Möglichkeit für eine Ersatzbrücke sieht. Und auch wenn es wohl aussichtslos ist: Man will das Landratsamt noch einmal darauf hinweisen, dass der Verzicht auf eine Brücke nicht nur für die Bewohner der wenigen Häuser auf der östlichen Seite ein Problem darstellt. Sondern auch für all jene auf der anderen Seite. Schätzungen des Gemeinderats zufolge fahren rund 50 Prozent der Bewohner täglich in Richtung Heidenheim. Gäbe es eine Behelfsbrücke, könnten sie ihre Fahrzeuge wie schon während der Sanierung der Dorfstraße auf der anderen Brenzseite parken und sich den Umweg über Sontheim/Brenz sparen. „Ich bin skeptisch, dass es etwas bringt“, ließ Kraut wissen. Und auch Hauptamtsleiter Martin Hofman schätzt die Chance, dass das Landratsamt von seiner bisherigen Position abrückt, als sehr gering ein.

Bewohner fühlen sich im Stich gelassen

Seitens der betroffenen Bewohner zeigt man Verständnis für die Sontheimer Ortsverwaltung: „Dem Rathaus sind die Hände gebunden“, sagt etwa Marcus Fink, der selbst jeden Tag nach Heidenheim zur Arbeit fährt und den Umweg in Kauf nehmen muss. Vom Landratsamt aber fühle man sich im Stich gelassen, habe keinen Ansprechpartner, müsse sich mit einer kurzen Mitteilung im Nachrichtenblatt zufrieden geben. Gäbe es einen solchen Fall in Heidenheim oder Giengen, vermutet Fink, würde man in der Behörde ganz anders an die Sache herangehen.

Was passiert bei medizinischen Notfällen?

„Wir kommen uns verarscht vor“, fasst Fink zusammen, zumal man die Kostenschätzung von 50 000 Euro für sehr hoch halte. Schon mit einigen Gerüstteilen könne man doch eine Querungshilfe schaffen, vermutet der Bergenweiler. Zudem hätten die privaten Grundstücksbesitzer, auf deren Boden die Brücke errichtet werden müsste, Bereitschaft signalisiert dies zuzulassen. Auch für den Fall eines medizinischen Notfalls wäre dies ein Vorteil, sagt Fink, der auch als Ersthelfer tätig ist. Sowohl den Notarzt aus Giengen als auch das Krankenwagenpersonal aus Hermaringen könnte man an der Behelfsbrücke in Empfang nehmen und zum Einsatzort fahren. Auf der Umleitungsstrecke aber liegen zwei Bahnübergänge: „Im schlimmsten Fall sind dann die Schranken zu“, sagt Fink, „und dann wird’s haarig“.

Bei einer Infoveranstaltung hätte man den „Herrschaften in Heidenheim“ all das sagen können. „Aber“, sagt Fink, „das Landratsamt interessiert sich nicht dafür.“

5,3 statt 1,4 Kilometer


Der Neubau der Brenzkanalbrücke startet am 2. September und dauert in seiner ersten Phase bis Ende Dezember. Die zweite Bauphase folgt von April bis Ende Juni. Während des Baus ist keine Überquerung der Brenz möglich, in der Pause soll die Brücke behelfsmäßig befahrbar sein.

Der Umweg, den die Mehrheit der Bergenweiler Einwohner während der Bauzeit in Kauf nehmen muss, beträgt rund vier Kilometer. Statt 1,4 sind 5,3 Kilometer zu fahren. Umgeleitet wird über den Bergenweiler Weg und die B492. Ein Ersatzbusverkehr für Schüler soll eingerichtet werden. Diesen sowie den Bahnhof können allerdings die Bewohner der Häuser auf der östlichen Seite der Brenz nicht erreichen.

Auch der Krankenwagen muss freilich diesen Umweg nehmen. „Aus diesem Grund ist es dem Landkreis enorm wichtig, den zeitlichen Aufwand für die Arbeiten auf ein Mindestmaß zu reduzieren“, teilt dazu die Behörde auf Nachfrage mit. Außerdem werde man sich mit dem Rettungsdienst in Verbindung setzen. Bei anderen Baustellen sei es in der Regel so, dass Fahrzeuge anders stationiert werden, falls nötig.