Noch liegt sie da über der Hürbe, die alte Fußgängerbrücke – sie wurde nur einige Meter flussabwärts verschoben. Und sie wird sogar noch genutzt, allerdings nicht von der Öffentlichkeit: Die Arbeiter, die momentan an den Fundamenten für den Nachfolger des brüchig gewordenen Jahrzehnte alten Vorgängerbaus zugange sind, nutzen die alte Brücke, um schnell zwischen ihren beiden Baustellen über den Fluss wechseln zu können. Denn die Fundamente für die neue Brücke entstehen gerade nahezu gleichzeitig.

Auf Hermaringer Seite wurden bereits fünf große Betonringe in die Uferböschung gedrückt. In diese wird im nächsten Schritt eine Bewehrung eingefügt und anschließend das Ganze mit Beton gefüllt. Obendrauf kommt eine Platte. Auf Sontheimer Seite wurde jetzt gerade das Wasser in der Grube abgepumpt, in der die dortigen Fundamentringe versenkt werden sollen. Mittels zweier provisorischer Wehre wurde das Hürbewasser zuvor von den Uferböschungen abgetrennt.

Laut Sontheims Bürgermeister Tobias Rief gibt es bislang auch keine Verzögerung beim Neubau der Hürbebrücke „Da sind wir voll im Plan“, so Rief. Der Fertigstellungstermin Ende Oktober könnte also gehalten werden, „davon gehen wir fest aus. Zumindest ohne nennenswerten Verzug“. Der neue Brückenkörper wird quasi am Stück angeliefert und dann auf die neuen Fundamente aufgesetzt. Der Neubau der Brücke hat den Sontheimer Gemeinderat fast zwei Jahre lang beschäftigt. Allerdings hatten sich im Laufe des Ausschreibungsverfahrens Probleme ergeben, das Projekt stand von Anfang an unter erheblichen Finanzierungsschwierigkeiten.

Die Gemeindeverwaltung hatte wegen des Brückenkörpers bei insgesamt sechs Firmen vorgesprochen, es hatten sich aber nur zwei von ihnen dann tatsächlich mit einem Angebot für die Ausschreibung beworben. Das wirtschaftlichste Angebot lag zwar immer noch etwa 30 Prozent über der Kostenberechnung der Fachplaner, wurde aber von Seiten der Gemeinde als „auskömmlich“ bewertet. Begründung: Diese Preissteigerung sei laut Beschlussvorlage „der derzeitigen wirtschaftlichen internationalen Lage geschuldet und ist aus Sicht der Verwaltung eher noch positiv zu sehen“, wie es damals hieß.

Die Gemeinde hatte den Neubau der Brücke auf zwei Lose aufgeteilt, eins für den Brückenkörper selbst und eins für das Fundament. „Damit wir bei dem Brückenbauwerk einen Metallbauer haben, der sich auf sein Handwerk versteht und deshalb keine weiteren Gewerke per Subkontrakt beauftragen muss“, erläuterte der Bürgermeister das Sontheimer Vorgehen im damaligen Ausschreibungsprozess.

Diskussion um die Kosten

Noch größere Probleme als beim Brückenkörper hatte man im Planungsprozess damals damit, einen Auftragnehmer für das Erstellen des Fundaments zu finden. Lediglich ein einziger Anbieter hatte im Sommer ein Angebot abgegeben, obwohl die Verwaltung aktiv bei einem Dutzend angefragt hatte. „Und da hat es 240.000 Euro kosten sollen, also komplett ab vom Schuss. Er ist dann noch um 100.000 Euro auf 140.000 Euro herunter gegangen“, so Rief im Juli. Eine Summe, die allerdings immer noch doppelt so hoch war, als man zu Planungsbeginn kalkuliert hatte. In nochmaligen Nachverhandlungen war es der Verwaltung dann gelungen, den Preis auf 100.000 Euro drücken zu können.

Eine komplette Streichung des Neubaus der Hürbebrücke aufgrund des gestiegenen Preises war für die Gemeinde auch keine Option, in diesem Falle wäre man auf umsonst ausgegebenen Ausschreibungskosten sitzen geblieben. Außerdem hätte die Brücke irgendwann ohnehin neu gebaut werden müssen, da sie aus statischen Gründen de facto am Limit war, wie eine Prüfung ergeben hatte. „Mit einer Brücke, die schon bekannte Schäden hat, wollen wir ungern über den Winter gehen“, hatte der gerade frisch gewählte Bürgermeister die Entscheidung des Gemeinderats und der Verwaltung im Juli begründet.

Vor zwei Jahren mit der Note 4,0 bewertet


Die besagte Prüfung der Standfestigkeit der Hürbebrücke fand vor zwei Jahren statt, damals war das Bauwerk mit einer Note von 4,0 bewertet worden. Hätte das Ergebnis des Sicherheitschecks 4,1 betragen, hätte das Bauwerk aus statischen Gründen umgehend gesperrt werden müssen. Da Brücken alle fünf Jahre einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden, hätte die Gemeinde Sontheim also nur noch maximal drei Jahre Zeit gehabt, bevor die nächste statische Bewertung des endgültige Aus für das Bauwerk besiegelt hätte.