Die Zeit der Heuernte ist eine besonders gefährliche Zeit für Rehkitze: Von Mai bis Juni werden die Kitze von den Geißen in die Wiesen gesetzt. Die Geiße kommen nur zum Säugen und nehmen die Kitze wieder mit, wenn sie kräftiger sind. Warum werden die Kitze ausgesetzt? Im hohen Gras sind sie nahezu unsichtbar für Fressfeinde, so dass sie durch das Gras geschützt sind.

Was für die Fressfeinde gilt, gilt allerdings auch für die Mähwerke der Landwirte: Auch diese können die Kitze im Gras nicht feststellen, so dass er für viele Kitze den sicheren Tod bedeutet.

In Niederstotzingen wurde daher bereits im vorigen Jahr ein Verein gegründet, der sich um dieses Problem kümmert: der Verein Wildtierschutz Stotzingen. Schon einige Kitze konnten vor dem sicheren Mähtod gerettet werden. Dafür sorgt die eigens angeschaffte Wärmebilddrohne, die die Kitze im hohen Gras aufspüren kann. Freilich muss dies in den frühen Morgenstunden geschehen, denn wenn es zu warm ist, dann hilft auch die Wärmebilddrohne nichts mehr.

„Es dauert zwischen sieben und acht Minuten, ein Feld mit der Drohne zu prüfen – je nachdem, wie groß das Feld ist natürlich“, so Bernd Hegele vom Wildtierschutzverein, der sich darüber freut, dass auf diese Weise die Kitze gerettet und nach der Mahd wieder ins Gras gesetzt werden können, so dass die Geißen sie weiter aufziehen können. Und die Landwirte freuen sich auch, wenn sie die Nachricht erhalten, die Mahd kann gefahrlos beginnen, weil sich keine Kitze mehr in der Wiese befinden.

Das Kitzrettungsteam

Zum Kitzrettungsteam gehören noch Walter Schmid, Felix Luy und Hans-Peter Unterweger. Ein Team ist auch notwendig, denn die Drohne muss gesteuert werden und zwei weitere Helfer im Feld nehmen das Kitz und legen es in einem Behälter am Rand der Wiese ab, wo es nach Abschluss der Mahd wieder freigelassen wird.

Der Einsatz des Wildtierschutzvereins ist ehrenamtlich: „Das ist unser Beitrag zum aktiven Tierschutz“, so Hegele. Es ist aber auch eine ehrenamtliche Serviceleistung für die Landwirte, denen eigentlich die Sorge dafür obliegt, dass kein Kitz zu Schaden oder zu Tode kommt.