Ein gewisser Wylhelm von Riedheim würde staunen, was 650 Jahre nachdem er eine Urkunde von Kaiser Karl IV bekommen hatte, die heutigen Bewohner von Stutzingen deswegen auf die Beine gestellt haben. Am Jahrestag der Stadterhebung wurde mit Gästen sogar aus der französischen Partnerstadt Bages in der vollbesetzten Stadthalle gefeiert.

Um das Stadtrecht zu bekommen, genügten damals wichtige Dienste dem Kaiser gegenüber. Dann wurde aus Dankbarkeit einem Adligen das Recht verliehen, ein entsprechendes Dorf mit der Stadtmauer zu umgeben und mit einer niederen Gerichtsbarkeit auszustatten.

Wer heute Stadt werden will, muss mindestens 10 000 Einwohner und eine entsprechend Infrastruktur vorweisen können. Daran erinnerte im Beisein von Landrat Thomas Reinhardt Bürgermeister Marcus Bremer in seiner Begrüßung. Kurzfristig hatten die Europa-Abgeordnete Dr. Inge Gräßle (CDU) absagen müssen, wie auch Andreas Stoch, der SPD-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag. Dafür hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in einem schriftlichen Gruß gratuliert. Getreu Bremers Motto „Nur wer seine Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“ (Wilhelm von Humboldt) wurde ein Fest veranstaltet, das seinesgleichen sucht und Bürger erleben ließ, die stolz auf sich und ihre Stadtgeschichte sind.

“Großartiges Engagement“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter würdigte „das großartige ehrenamtliche Engagement“ der Niederstotzingen und lobte deren Bürgersinn. Der grüne Landtagsabgeordnete Martin Grath erinnerte daran, dass sich schon vor 40 000 Jahren kreative Leute im Lonetal niedergelassen und bemerkenswerte Kunstwerke hinterlassen hätten.

Höchste Anerkennung sprach aus den Worten von Professor Dr. Hiram Kümper (Mannheim). Der Experte für die Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit lobte all die, die in einer Projektgruppe die Stadtgeschichte recherchiert und in insgesamt zwölf Monatsheften zusammengetragen haben: Er habe gespürt, wie „die Bürger Niederstotzingens stolz auf ihre Geschichte“ sind: „Sie bildeten eine Gemeinschaft, eine Art Verschwörung untereinander und halten bis auf den heutigen Tag zusammen.“

Verschiedene Spielszenen riefen die Stadtgeschichte an wenigen Beispielen in Erinnerung: Angefangen bei der Kommunalreform 1972 mit der Eingemeindung von Stetten und Oberstotzingen sowie weiterer Orte bis zur feierlichen Ankunft der Urkunde zur Stadterhebung. Immerhin musste die kleine Stadt 22 000 Gulden löhnen, nachdem Bürger die Franzosen an die Österreicher verraten hatten und diese Truppen sich mit Plünderungen rächten. Welche Meriten ein Wylhelm von Riedheim hatte, dass der Kaiser ihm das Recht verlieh, Stutzingen zur Stadt zu befestigen, ist letztlich nicht geklärt. Das spielte denn auch keine Rolle mehr, als im Stadtarchiv auch das letzte historische Pergament gesichtet war.

Am Ende eines großartigen Abends dankte Bürgermeister Marcus Bremer nicht nur den Madames d€ Anches für die den Epochen zeitgemäße Musik, sondern auch den vielen Akteuren, von denen hier nur einige genannt werden können: Hans-Peter Maurer, Philipp Engelhardt, Emma Mannes, Andrea Stiefel, Bernd Hegele, Manfred Roth, Ulrich Erhardt, Harald Noller, Andreas Windmüller, Anselm Hartmann, Theodor Feil und Andreas Kampfrath sowie von den Württemberger Rittern Manuel Fisel, Bernd Hoffmann, Günther und Regina Eckle sowie Thorsten Popp. Regie hatte Andreas Windmüller, der für die Szenen auch die Skripte verfasst hatte.