Niederstotzingen / Maximilian Haller Einstimmig verabschiedete der Gemeinderat am Mittwoch die Ziele und Planungen für die Zukunft Niederstotzingens in zentralen Lebensbereichen.

Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Vor allem, wenn es um die eigene Zukunft geht. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Niederstotzingen seit rund anderthalb Jahren ein integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet, mit dem die Stadt die Weichen für ihre Zukunft in den zentralen Lebensbereichen stellen will. Am Mittwochabend wurden die Ziele und Planungen für die nächsten Jahre nun im Rahmen einer öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats den Bürgern Niederstotzingens vorgestellt und verabschiedet.

Laut Bürgermeister Marcus Bremer hatte sich der Gemeinderat zu Beginn des Prozesses dazu entschieden, Niederstotzingens Bürger aktiv miteinzubeziehen. „Und das ist auch gut so“, verkündete Bremer bei der Sitzung in der Stadthalle. Nach einer repräsentativen Bürgerbefragung und dem gemeinsamen Erarbeiten umsetzbarer Vorschläge stehen nun sieben Handlungsfelder, 22 strategische Ziele sowie 30 konkrete Projekte und Planungen fest.

4800 Einwohner bis 2035

Ein Aspekt, der sich durch fast alle Handlungsfelder zieht, ist der demografische Wandel: „Niederstotzingen wird in Zukunft älter werden“, sagte Adrian Schwake vom Stuttgarter Planungsbüro Reschl Stadtentwicklung, der das Konzept vorstellte. Ziel sei es, mit einer langfristigen Entwicklung von drei bis vier Prozent bis zum Jahr 2035 4800 Einwohner zu erreichen. Jährlich sollen demnach 30 Menschen nach Niederstotzingen ziehen.

Dieser Zuwachs werde sich laut Schwake auf den Wohnungsbau auswirken, welcher ebenfalls Bestandteil des Stadtentwicklungskonzepts ist. Hier liegt der Schwerpunkt vor allem auf familien- und altersgerechtem Wohnen. Der Gemeinderat habe in diesem Zuge vor, sich jährlich in der Stadt umzusehen und freie Flächen zu suchen sowie aktiv und regelmäßig Einwohner anzusprechen.

Darüber hinaus wolle die Stadt den Wirtschaftsstandort Niederstotzingen stärken, beispielsweise durch Flächenbereitstellung für bestehende und neue Unternehmen oder die Reaktivierung des Gewerbe- und Handelsvereins, welcher derzeit ein „Mauerblümchendasein“ führe. Auch über die Nachnutzung des alten Nettos werde sich die Stadt Gedanken machen, so könne diese Fläche unter Umständen auch als Wohnstandort funktionieren.

Ein „Haus für Senioren“

Das Thema Betreuungsausbau findet ebenso Platz im Stadtentwicklungskonzept: „Hier geht es erst mal nicht darum, neue Standorte zu finden, sondern die bestehenden zu erweitern.“ Dennoch sollen insbesondere für die immer größer werdende demografische Gruppe der Senioren neue Wohn-, Betreuungs- und Freizeitangebote entstehen, etwa durch das Projekt „Haus für Senioren“.

Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs war ein viel genannter Wunsch bei der Bürgerbefragung im Februar 2018: Ob Bürgerbus, E-Bike und E-Auto oder Mitfahrgelegenheiten – die Stadt werde prüfen, welche ergänzenden Mobilitätsangebote realisierbar seien. Dasselbe gelte für den Ausbau des Fuß- und Radwegenetzes.

Land mit ins Boot holen

„Der Archäopark als besonderes touristisches Potenzial soll besser genutzt werden“, betonte Adrian Schwake beim Punkt „Landschaft, Naherholung, Tourismus“. Als Touristen seien hier nicht nur Menschen von außerhalb gemeint – der Freizeitpark solle auch für die Niederstotzinger selbst wieder attraktiver werden. „Dazu müssen wir aber das Land Baden-Württemberg mit ins Boot holen, um sich an den Betriebskosten zu beteiligen“, erklärte Schwake.

Finaler Punkt des integrierten Stadtentwicklungskonzepts ist die Identität Niederstotzingens selbst. Insbesondere eine attraktivere Gestaltung der Ortsdurchfahrt in Oberstotzigen beschäftigte die Bürger im Vorfeld der Sitzung.

Der Gemeinderat verabschiedete das Konzept im Anschluss einstimmig. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Bernd Hegele freute sich, dass auch die Niederstotzinger Jugend an dem Prozess beteiligt war. Marianne Nikola, Vorsitzende der Bürger- und Wählerinitiative, appellierte an die anwesenden Bürger, sich weiterhin aktiv einzubringen: „Übernehmen Sie ehrenamtliche Aufgaben – Sie werden sehen, es lohnt sich.“ Mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl plädierte der Fraktionsvorsitzende Theodor Feil (SPD) dafür, dass jedes Gemeinderat-Gremium vor Ablauf der Wahlperiode öffentlich Bilanz zum Stadtentwicklungskonzept zieht.

Konzept noch nicht abgeschlossen

Mit Verabschiedung des Konzepts ist der Prozess jedoch noch lange nicht beendet: „Wir stehen in den Startlöchern für einen Langstreckenlauf“, betonte Marcus Bremer. In den nächsten Jahren gelte es, immer wieder zu schauen, ob die Ziele des Stadtentwicklungskonzepts noch realistisch seien, und gegebenenfalls nachzujustieren.

Wie wird das Ganze umgesetzt?

Nur mithilfe der Bürgerschaft könne das Stadtentwicklungskonzept umgesetzt werden, wie Marcus Bremer betonte. In vielen Bereichen sei das nötige „Know-how“ der Niederstotzinger unabdinglich.

Wichtig sei deshalb ein regelmäßiger Dialog zwischen der Stadtverwaltung und den Bürgern sowie die Unterstützung des Fördervereins „Lebenswerte Stadt Niederstotzingen“.

Die Kosten für das Investitionsprogramm liegen bei 3,7 Millionen Euro (Folgekosten ausgenommen), davon sind drei Millionen Euro für die Sanierung des Bereichs Bahnhofstraße eingeplant.