Stetten ob Lontal / Klaus Dammann Der Archäopark bei Stetten ob Lontal zeigt von 18. August bis 7. Dezember eine Vielzahl archäologischer Funde vom Vogelherd. Im Mittelpunkt der Schau steht das zum Symbol gewordene eiszeitliche Rüsseltier.

Organisator und Veranstalter der groß angelegten Ausstellung im Archäopark ist der Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal. „In enger Kooperation mit der Stadt Niederstotzingen und der Universität Tübingen“, wie der Vorsitzende des Vereins, Hermann Mader, betont. Die benötigten Flächen im Park seien bei der Stadt angemietet worden.

Der Förderverein lässt sich die Sonderausstellung mit dem Titel „Unser Mammut – seit der Eiszeit groß“ einiges kosten: Auf 60 000 Euro beziffert Mader das Budget. Ein Teil dieser Summe floss in die Anschaffung von fünf großen Vitrinen, in denen die originalen Ausstellungsstücke präsentiert werden, sowie von Infotafeln zum Thema Mammut, die der Wissensvermittlung dienen sollen. Hier geht es unter anderem auch um die Umwelt, das Elfenbein, die Beziehung der Steinzeitmenschen zu dem ausgestorbenen Rüsseltier sowie um dessen neuzeitliche Verwandte in Afrika und Asien.

Eine Serie von Ausstellungen

Die Vitrinen werden nach Ausstellungsende auch am Vogelherd verbleiben, denn der Verein habe auch für die kommenden Jahre aufwendige Pläne, so der Vorsitzende. Die jetzige Schau solle den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Ausstellungen bilden, die allesamt unter dem Oberbegriff „Der Vogelherd“ geführt werden. So gebe es für eine Schau im Sommer 2020 bislang den Arbeitstitel „Magdalénien – Werkzeuge, Jagd, Fauna, Feuerstelle“. Künftige Themen könnten dann Musik, Schmuck und anderes sein. Mader: „Da gibt es ja vieles, was der Vogelherd in sich birgt.“

Der Zweck der Ausstellungen ist klar: „Es geht darum, die weltweite Bedeutung des Vogelherds den Menschen nahezubringen.“ Antworten sollen gegeben werden auf Fragen wie die nach dem Grund der Berühmtheit des Vogelherds oder darauf, wie die Menschen einst in der Eiszeit gelebt haben. Man habe hier in Stetten ob Lontal ein Kulturgut von Weltrang: „Das ist unbestritten und das wollen wir dokumentieren.“ Der Unesco-Welterbetitel habe bestätigt, „dass wir weltweit Anerkennung gefunden haben“. „Das Thema Mammut wurde für dieses Jahr gewählt, weil es das Leittier des Archäoparks ist“, erklärt Mader vor dem Hintergrund, dass in der Schatzkammer des Parks die einzige vollständig erhaltene eiszeitliche Schnitzfigur zu sehen ist – das nur wenige Zentimeter messende Mammut, vor 35 000 bis 40 000 Jahren am Vogelherd aus Mammut-Elfenbein gefertigt.

Auch eine ganze Reihe der in der Sonderausstellung präsentierten Funde hat nur eine geringe Größe, dennoch aber enorme archäologische und kulturgeschichtliche Bedeutung. Dies trifft beispielsweise auf geschnitzte Perlen zu, bei denen es sich ebenfalls um Originalfunde vom Vogelherd handelt. In der direkten Beziehung von Originalstücken und Originalfundort sieht Mader einen Weg, wie sich die heutigen Menschen aus der Region damit identifizieren können. „Mir fehlt der Stolz der Menschen, auf das was von hier kommt“, beklagt er: Hier stehe die Wiege von Kunst und Kultur. Nun würden einige Funde für ein paar Monate an ihren Fundort zurückkehren.

Zu sehen seien Stücke aus allen Ausgrabungsperioden am Vogelherd – auch solche aus den Kampagnen von 1931, wie etwa Teile von Mammut-Stoßzähnen oder der 125 000 Jahre alte Backenzahn eines Waldelefanten. Als Ergänzung kämen einige Stücke hinzu, die zeitlich dazu passen, aber von anderen Orten stammen. Eines davon ist ein Stück Mammuthaut, das aus Sibirien kommt und vom Förderverein für den Archäopark erworben wurde.

Dem Förderverein Eiszeitkunst gehören auch die im überdachten Außenbereich des Archäoparks ausgestellten Funde eines Mammut-Unterkiefers und eines Mammut-Ellenknochens. Unter den anderen Leihgebern der Ausstellung sind unter anderem die Universität Tübingen und das Naturkundemuseum Stuttgart.

Förderung vom Förderverein

Der Förderverein unterstützt den Archäopark Vogelherd finanziell auf vielfältige Weise. Wie Mader schildert, liegt das Investitionsvolumen des Vereins 2019 bis rund 380 000 Euro. „Das ist die größte Summe in der zwölfjährigen Geschichte des Fördervereins, die wir bislang bereitgestellt haben.“ Möglich sei dies nur dank der Sponsoren aus der Region. Neben den Mitteln für die Mammut-Ausstellung und den Archäopark selbst fließe Geld unter anderem in die Ausstattung des Parks mit digitalen Erweiterungen des Erlebnisses („Augmented Reality“), in den Skulpturenpfad, den Leitpfad für das Lonetal und die Forschung von Archäologe Prof. Nicholas J. Conard.

„Seit Kurzem ist der Archäopark vom Staatlichen Schulamt als außerschulischer Lernort anerkannt“. freut sich Mader – auch hier werde der Verein fördernd tätig.

Offiziell eröffnet wird die Sonderausstellung am Samstag, 17. August, um 13 Uhr durch Mader zusammen mit dem baden-württembergischen Minister der Justiz und für Europa Guido Wolf, Niederstotzingens Bürgermeister Marcus Bremer und Prof. Conard. Die interessierte Öffentlichkeit kann nach Aussage Hermann Maders auf Voranmeldung im Archäopark daran teilnehmen. Ab Sonntag, 18. August, ist „Unser Mammut – seit der Eiszeit groß“ regulär geöffnet. Ein Rahmenprogramm wird die Schau während der nächsten Monate begleiten.

Ein Auszug aus dem Rahmenprogramm der Mammut-Ausstellung

Am 7. September geht es bei einem Vortrag von Sibylle Wolf im Pfleghofsaal Langenau um „Das Gold der Eiszeit – Mammut-Elfenbein als Rohstoff“. Im Archäopark findet am selben Tag von 15.30 bis 18 Uhr ein Enkel-Großelterntag statt, bei dem steinzeitliches Kochen in den Mittelpunkt gerückt wird.

Über die Frage „Wie kommen Mammuts in den Vogelherd?“ spricht am 28. September um 19 Uhr Susanne Münzel im Parlatorium des Herbrechtinger Klosters.

Im Archäopark sind jeweils ab 15.30 Uhr am 5. Oktober „Steinzeitliches Mammutmalen“, am 12. Oktober eine „Mammut-Schnitzeljagd“ und am 19. Oktober eine Kinderführung „Mammuts in der Eiszeitsteppe“ geplant.

„Mumien aus der Eiszeit: eine paläontologische Schatztruhe“ heißt das Thema eines Vortrags von Hervé Bocherens und Dorothée Drucker am 26. Oktober um 18 Uhr im Bürgerhaus Stetten ob Lontal.

Am 3. November geht es im Archäopark um 15.30 Uhr um „Eiszeitklänge“, am 10. November um 15.30 Uhr um das Basteln von Mammut-Laternen für den Martinstag.

Dr. Ewa Dutkiewicz spricht am 22. November um 19 Uhr im Hallamt der Kreissparkasse Heidenheim über „Das Mammut in der eiszeitlichen Kunst“.

Schließlich steht am 7. Dezember die Finissage der Ausstellung mit einer Fackelführung für Kinder an.