Oberstotzingen / gerhard stock Wer sich schon immer mal ein bisschen Immobilien-Luxus leisten wollte, kann jetzt zugreifen: das Schloss Oberstotzingen ist zu haben – für nicht mal ganz zwei Millionen Euro. Das exklusive Anwesen mit seinen 52 Zimmern, 18 Bädern, 17 separaten WCs, vier Küchen und insgesamt fast 3 600 Quadratmetern Wohnfläche wird für exakt 1,98 Millionen Euro auf einer bekannten Internet-Plattform feilgeboten.

Die Größe des Grundstücks an der Stettener Straße 35 beschreibt der Anbieter mit exakt 26 233 Quadratmetern. Weitere Kenndaten des Objektes „mit Expansionspotenzial“ auf den ersten Blick: ehemaliges Schlosshotel, bezugsfrei nach Vereinbarung, Baujahr 1608, Denkmalschutzobjekt, gehobene Ausstattung, Energieausweis laut Gesetz nicht erforderlich.

Was könnte der neue Besitzer mit Schloss Oberstotzingen anfangen, dessen Bausubstanz als in sehr gutem Zustand gepriesen wird und wo ein Hausmeister täglich nach dem Rechten sieht? Eine ganze Menge, wie die Anbieter meinen. So könne man es nutzen zum Beispiel als Veranstaltungsort für Konferenzen, Seminare, Hochzeits- und Familienfeiern, oder als als repräsentativen Wohn- oder Firmensitz, Seniorenresidenz, Sanatorium, Klinik.

Dafür oder ähnliches sei es „allein schon auf Grund der guten Erreichbarkeit“ hervorragend geeignet. Zudem liege im Schloss selber und auch in den Nebengebäuden noch erhebliches Potenzial für Erweiterungen. So gebe es „ehemals“ genehmigte Pläne für Umnutzungen oder bauliche Veränderungen. Wozu auch eine Baugenehmigung für eine umfangreiche Erweiterung des Hotelbetriebes in Form eine Neubaus mit Tiefgarage im Schlosspark gehöre.

Auch als Flüchtlingsunterkunft geprüft

Was aus dem schon einige Jahre ungenutzten Schloss weiter wird, sei völlig offen, hieß es noch im Herbst 2013. In jenem Jahr bekundete die Hotelgruppe Vila Vita noch, rund 700 000 Euro in die Erhaltung des historischen Bauwerkes zu investieren. Seit Jahrhunderten prägt es das Ortsbild des Niederstotzinger Teilortes Oberstotzingen und wurde schon auf vielfältige Weise genutzt, unter anderem als Seniorenresidenz, ab 1970 für Gastronomie. Übrigens: Aktuell hatte es auch der Landkreis Heidenheim auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge im Blick. Die tatsächliche Inanspruchnahme dafür scheiterte jedoch aus Gründen des Brandschutzes.

1989/1990 war Vila Vita in Oberstotzingen mit dem Schlosshotel eingestiegen, machte daraus auch durch Renovierung und Modernisierung „einen der renommiertesten und gehobensten Beherbergunsbetriebe im Kreis Heidenheim“. 13 Jahre später dann das Aus für „ein Aushängeschild“ der Stadt Niederstotzingen, zum 1. Dezember 2003 wurde der Betrieb eingestellt, 32 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt. Das Management beklagte Verluste, nicht erfolgreiches Marketing, „kein Licht am Ende des Tunnels“. Mit dem noblen Quartier inklusive Restaurant war es damit vorbei, das jedoch nach wie vor gepflegte Anwesen fiel in eine Art Dornröschenschlaf.

Projekt Kinderheim wurde abgeblasen

Der schien 2013 dann unterbrochen, die Initiative zur Einrichtung eines Ferien- und Freizeitheims für Kinder blieb nicht unbemerkt. Vila Vita suchte damals mittels Annoncen einen Leiter für ein solches Kinderfreizeitheim im Schloss. Zudem wurden Handwerker gesichtet, die sich an verschiedenen Stellen des Gemäuers zu schaffen machten. Allerdings: Der von vielen Beobachtern vor Ort vermutete Auftakt zum Umbau des Schlosses war das nicht, das Projekt Kinderheim wurde nämlich aus Kostengründen abgeblasen. Zu teuer, „wirtschaftlich machbar, aber nicht sinnvoll“ bestätigte auf Anfrage das Management. Die planende Arbeitsgruppe wurde aufgelöst, den Bewerbern für den Posten der Heimleitung abgesagt. Und so erfolgten auch „keinerlei kinderspezifische Umbauten“, dafür aber ohnehin geplante Instandsetzung und Bestandssicherung, um die Anlage auf einen „vernünftigen Stand“ zu bringen.

Von weiteren Wiederbelebungsversuchen oder Ideen zur anderweitigen Nutzung ist bisher nichts bekannt – mal abgesehen von der nicht zustande gekommen Einquartierung von Flüchtlingen. Vielmehr entschloss sich die Hotelgruppe nach langem Zögern nun ganz offensichtlich doch dazu, sich von ihrem Besitz in Oberstotzingen zu trennen. Mit dem Verkauf befasst ist ein ausgewiesener Spezialist für den Handel mit Luxus-Immobilien: Sotheby's International Realty, Berlin.