Der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Grath hegt neue „Hoffnung für den Archäopark“. So hat der Heidenheimer eine am Donnerstagabend veröffentlichte Pressemitteilung überschrieben. Hintergrund ist eine vom Finanzausschuss des Landes am Donnerstag getroffene Entscheidung, wonach Baden-Württemberg in den Jahren 2023 und 2024 jeweils 1,5 Millionen Euro in die sieben Unesco-Welterbestätten im Land investieren will. Dieser Entscheidung soll der Landtag demnach in seiner Sitzung am 21. Dezember zustimmen.

„Das ist eine gute Nachricht für die Unesco-Welterbestätten und die Gemeinde Niederstotzingen“, so Grath. Auf Basis einer Welterbestätten-Konzeption, die noch im Detail erstellt werden muss, und dem bereits bekannten Angebot des Landes über eine mögliche Kooperation mit Niederstotzingen hoffe er, so Grath, „nun auf den Fortbestand des Besucher- und Informationszentrums Archäopark“.

Stoch zeigt sich skeptisch

Die Replik des Heidenheimer Landtagsabgeordneten und SPD-Fraktionschefs im Landtag, Andreas Stoch, ließ nicht lange auf sich warten. „Wer jetzt jubelt, sollte den Beschluss noch einmal genau durchlesen“, so Stoch am Freitagmorgen. Die Bereitstellung von 1,5 Millionen Euro pro Jahr bedeutet für den „von der endgültigen Schließung bedrohten Archäopark“ nach Stochs Einschätzung „leider erst einmal gar nichts“, da bislang von der Landesförderung auch kein Geld nach Niederstotzingen geflossen sei. Zugleich kündigte der SPD-Politiker eigene Bemühungen an, mit dem Ziel „echtes Geld und nicht nur schöne Worte“ in den Süden des Landkreises zu bekommen.

Beim zuständigen Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen (MLW) will man die Hoffnung zwar nicht dämpfen, verweist aber darauf, dass das Konzept für die Unesco-Welterbestätten noch nicht im Detail besteht. Zum Teil solle es, so Pressesprecher Rainer Wehaus, gemeinsam mit den Welterbestätten entwickelt werden. Zudem sei auch der Landeshaushalt noch nicht beschlossen.

Geld wird „nicht einfach verteilt“

Klar sei jedoch, heißt es aus dem Ministerium, dass die 1,5 Millionen nicht einfach auf die Welterbestätten verteilt werden. Der bisherige Sachstand des Konzepts beinhaltet etwa das Ziel, „die Vernetzung, den Schutz, die Pflege und die Vermittlung der sieben Welterbestätten stättenübergreifend zu harmonisieren und zu intensivieren“. „Übergreifende Vermittlungsangebote“ sollen das Welterbe in Baden-Württemberg „besser wahrnehmbar“ machen. Sprich: An den sieben Stätten könnte es jeweils auch Informationen und Ausstellungsbestandteile der übrigen Stätten zu sehen geben. Neben der Höhlen- und Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb, zu denen auch die Vogelherdhöhle gehört, zählen das Zisterzienserkloster Maulbronn oder die Pfahlbauten am Bodensee zum baden-württembergischen Welterbe.

Klar ist nach MLW-Angaben aber auch, dass das Land den Archäopark weder künftig betreiben noch das kommunale Defizit ausgleichen könne. Dies sei „uns als Land gar nicht gestattet“, so Wehaus. Dennoch könne Niederstotzingen von einem Teil des Geldes für das Welterbe-Konzept profitieren, wenn die Stadt das Hilfsangebot des Landes annehme. Dieses Angebot sieht vor, vor Ort einen Dienstsitz des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) samt Höhleninformationszentrum zu errichten. Für diese Ausstellung, so der Ministeriumssprecher, könnten womöglich auch Gelder aus dem Konzept verwendet werden. Geplant sei zudem ein für alle Welterbestätten offenes Förderprogramm. „Da kann man sich dann als Welterbestätte mit einzelnen Projekten bewerben“, so Wehaus.

Gemeinderat entscheidet am 30. November

Aus Sicht des Landes überschreitet das Angebot zudem deutlich die oftmals zitierte Summe von 35.000 Euro, die Niederstotzingen als Jahresmiete von der Denkmalbehörde bekommen soll. Hinzurechnen müsse man beispielsweise noch die Personalkosten für die Mitarbeitenden des LAD.

Der Niederstotzinger Gemeinderat wird sich in seiner Sitzung am 30. November mit dem Angebot des Landes beschäftigen. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr in der Stadthalle.