Der Gemeinderat von Niederstotzingen diskutierte vor Kurzem über die Bebauung einer der größten Grünlandflächen innerhalb der Stadt, einem Filetstück südlich der Rechbergstraße.

Eine bauliche Nachverdichtung in der Kernstadt ist unbestritten einer weiter wuchernden Ausdehnung an den Stadträndern vorzuziehen. Darüber herrscht Einigkeit. Allerdings zu welchen Bedingungen?

De facto drei Geschosse

Ein Investor will ein Einfamilienhaus, ein Doppelhaus sowie ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohneinheiten bauen. Bei diesem zweigeschossigen Wohnblock mit ausgebauten Dachgeschoss handelt es sich de facto um ein dreigeschossiges Gebäude mit einem niedrigen Walmdach. Das ist wichtig, wenn man sich die Gebäude in der Umgebung anschaut. Dort gibt es bislang nur ein- bis zweigeschossige Häuser. So war es im Bebauungsplan vorgesehen, welcher nun geändert werden soll, damit ein Investor lukrativ bauen kann.

Kirche in der Nachbarschaft

Einen optischen Eindruck dieses Mehrfamilienhauses kann man sich laut Bürgermeister Bremer in der Bergstraße am Hasenberg machen. Die Dominanz dieses Gebäudes ist nicht zu übersehen. Das Planungsbüro Gansloser versuchte zwar noch die Gebäudehöhe zu relativieren, weil auch die in der Nachbarschaft stehende Kirche in etwa diese Höhe erreicht. Dabei wurde aber nicht berücksichtigt, dass der höchste Punkt des Kirchen-Pultdachs auf der, dem neuen Gebäude, abgeneigten Seite ist. In der Sichtachse wahrgenommen wird lediglich der einstöckige Eingangsbereich der Kirche.

Auch über die Anordnung der geplanten drei Gebäude gab es keine eindeutige Aufklärung. Bemerkenswert war auch, dass sich eigentlich alle Fraktionen einig waren, dass der Baukörper an dieser Stelle zu groß, zu wuchtig und zu dominant sei, was auch von einigen Gemeinderäten deutlich hervorgehoben wurde.

Kein konfliktfreies Miteinander

Meines Erachtens sollte auch die Straßen- und Parkplatzsituation in diesem Kreuzungsbereich Beachtung finden. Eine gut besuchte Kirche mit regelmäßigen Veranstaltungen, schmale Straßen mit nur einseitigem Bürgersteig und nun auch noch ein Wohnblock mit zehn Einheiten sind nicht gerade die besten Vorrausetzungen für ein konfliktfreies Miteinander.

Nichtsdestotrotz macht Bürgermeister Bremer sich für die Interessen des Investors stark und fordert eine rasche Entscheidung für diesen großen Wohnblock, da der Investor rasch loslegen wolle. Um Diskussionen vorzubeugen, hatte dieser bereits verlauten lassen, dass für ihn Änderungen nicht in Frage kommen.

Mit Augenmaß planen und bauen

Ich würde es begrüßen, wenn Herr Bremer sich für die Interessen der Bürger einsetzt und eine Kleinstadtentwicklung mit Augenmaß macht. Mit der Brechstange große Wohnanlagen in gewachsene Strukturen einzupflanzen ist nicht besonders innovativ. Was spricht gegen eine geringere Geschosszahl oder mehr Reihenhäuser? Welches Signal geht hier an die Anwohner freier Flächen, wenn Bebauungspläne nach Gusto von Investoren geändert werden. Gelungene Stadtentwicklung zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man möglichst viel, sondern lebenswerten Wohnraum schafft. Ich bitte Bürgermeister und Gemeinderat die Situation nochmals neu zu bewerten. Jürgen Fuchs, Niederstotzingen