Dilettantisch und skandalös Angesichts wieder steigender Infektions- und Inzidenzzahlen, dem Versprechen, einen Impfturbo zu zünden und vulnerable Gruppen schneller zu impfen, noch vorhandene und bald zu erwartende Lagerbestände des Astrazeneca-Impfstoffs abzubauen, wirkt die Tatsache, dass Impfwillige u.a. in Ulm abgewiesen werden, wie ein schlechter Scherz – wäre die Lage nicht so ernst.

Da schleichen sich nicht etwa Impfbetrüger vor dem Impfzentrum ein, sondern Menschen, die sich zum Beispiel auch im Alter noch für die Gemeinschaft einsetzen (pensionierte Lehrer), die als pflegende Angehörige tätig sind oder die selbst bedauerlicherweise mit schweren Erkrankungen zu kämpfen haben.

Ihr Pech: sie sind etwas zu alt für Astrazeneca. Aber für Biontec / Moderna dann doch noch zu jung! Vergleichbare Gruppen, die jünger als 65 sind, werden versorgt. Das muss man nicht verstehen! Nein – zu alt sind diese Menschen nicht! Und deswegen wurde ja auch reagiert!

Skandalös ist jedoch, dass dieses erkannte Missverhältnis, das durch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission aufgehoben wurde, nicht sofort und unverzüglich durch die politisch Verantwortlichen beseitigt wird. Die Ärzte in den Impfzentren, die sehr wohl einen Ermessensspielraum hätten, berufen sich bei den Abweisungen auf die bislang noch nicht angepassten Impfverordnungen. Bürokratie schlägt Vernunft und Verantwortung! Eine Art Security bzw. Einlasskontrolle sorgt für Ordnung. Geht ́s noch? Was bei den zuständigen Ministern im Gesundheits- und Sozialministerium „zeitnah“ bei der Anpas-sung der Impfverordnung bedeutet, durften wir alle schon bei Schnelltests, Maskenkauf und Impf-stoffverteilung erleben.

Zeitnah kommt es nur zu Schließungen. Da spielt die Bürokratie offenbar keine große Rolle. Wie lange eigentlich können offenbar völlig überforderte Minister noch weiter dilettantisch vor sich hinwursteln?

Ist Ihnen nicht klar, dass letztlich jeder Tag bei der Bekämpfung und Eindämmung des Virus zählt und dass genügend Menschen sich schützen wollen? Einen Vorteil haben die Zurückweisungen Impfwilliger allerdings: Es bleibt mehr Impfstoff zum raschen Verbrauch übrig, zum Beispiel für Politiker.

Alfred Koch, Niederstotzingen