Nun also doch, Schulschließungen auch im Südwesten ab dem 16.12.2020. Vor gut einer Woche wich die Baden-Württembergische Landesregierung auf Drängen von Kultusministerin Eisenmann von einem gemeinsamen Länderbeschluss ab, die Ferien mit Rücksicht auf die Weihnachtsfeiertage zwei Tage früher als geplant beginnen zu lassen. Die Infektionszahlen stiegen kontinuierlich an und ein zweiter Lockdown wurde bereits zu diesem Zeitpunkt diskutiert. Nicht so für die Schulen in Baden-Württemberg. Die Protagonisten Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Eisenmann kreierten kurzerhand den Präsenzunterricht ohne Präsenzpflicht bis zum regulär angesetzten Ferienbeginn. Steigende Infektionszahlen spielten bei dieser Entscheidung keine Rolle. Schulen müssen als Präsenzeinrichtungen offenbleiben, koste es was es wolle.

Jetzt mit Verkündung des zweiten Lockdowns rudert die Landesregierung gezwungenermaßen wieder zurück und verkündet, dass infolge der steigenden Corona-Infektionen Schulschließungen unausweichlich seien, was heißt: Schulen schließen und Fernunterricht. Das Problem hierbei: Viele Schulen sind auf diese Art des Unterrichtens gar nicht vorbereitet. Ein Dreivierteljahr nach Pandemiebeginn hat es die Politik noch nicht einmal geschafft, die Schulen entsprechend auszustatten. Die meisten Lehrkräfte erteilen Fernunterricht mit privat angeschafften Geräten.

Während in den Aussagen von Ministerpräsident Kretschmann mittlerweile Einsicht im Zusammenhang mit den Schulschließungen erkennbar ist, gibt sich Kultusministerin Eisenmann unnachgiebig. Entgegen den Empfehlungen der Virologen für Wechselunterricht und Fernunterricht nach dem vorläufigen Ende des Lockdowns am 10. Januar, verkündigt sie trotzig den Präsenzunterricht als oberste Priorität. Schulen sind kein Hort des Infektionsgeschehens, so ihre einfache Begründung. Mit dem Hinweis auf gelegentliches Lüften der Klassenräume erachtet sie ihre Verantwortung für die Schüler/innen und Lehrkräfte in der Corona-Zeit als erfüllt.

Schade, Corona hätte für die Schulen im Lande in Sachen Digitalisierung ein wirklicher Schub nach vorne sein können. Hierzu gehören aber langfristige Konzepte, die in kleinen machbaren Schritten von der Politik vorgegeben und vor Ort begleitet werden. Das muss möglich sein, gerade in schwierigen Zeiten. Nichts dergleichen ist auch nur ansatzweise geschehen. Da reicht es auch nicht die Schulen mit Geld auszustatten und zu sagen – macht mal.

Wen wundert da noch die Aussage unserer Kultusministerin dieser Tage: Langfristige Planungen sind angesichts der Entwicklungen in einer Pandemie einfach nicht möglich. Danke Frau Eisenmann, ihr Wirken in den letzten Monaten hätte nicht trefflicher formuliert werden können.

Klaus Groll, Niederstotzingen