Stetten ob Lontal / Klaus Dammann Nicht alle von der Unesco ausgezeichneten Fundstätten im Lone- und Achtal können schon wieder besucht werden. Im Archäopark Vogelherd hilft ein Schutzkonzept durch die Corona-Krise.

Das Virus macht auch vor Unesco-Weltkulturerbe nicht Halt: Der durch Corona bedingte Shutdown vor ein paar Wochen erreichte ebenso wie andere Sehenswürdigkeiten auch die 2017 auf die Welterbeliste aufgenommenen Eiszeithöhlen im Lone- und Achtal, zu denen im Landkreis Heidenheim die aufgrund der sensationellen eiszeitlichen Fundstücke weltberühmt gewordene Vogelherdhöhle bei Stetten ob Lontal gehört. Die Höhle und der dortige Archäopark blieben nach der Winterpause für das Publikum geschlossen. Erst seit dem 19. Mai werden hier wieder Besucher empfangen.

Eigentlich sollte das Geschenk für den Archäopark bei Stetten ob Lonetal bereits da sein. Doch das lebensgroße Mammut wartet noch das Ende der Corona-Pandemie ab.

„Wir haben uns sehr gefreut, dass wir wieder öffnen konnten“, schildert Anika Janas, die bei der Stadt Niederstotzingen für die Betreuung des Archäoparks zuständig ist. „Die Eröffnung klappte reibungslos.“

Allerdings gibt es beim Betrieb des Parks einige Einschränkungen. So sind individuelle Besucher willkommen, Veranstaltungen und Führungen können dagegen vorerst nicht stattfinden. Für diese gebe es noch keine klaren Vorgaben und Regelungen, so Janas. Ein Konzept für Führungen sei aber vorbereitet. So solle die Gruppenstärke von 25 Personen auf maximal zehn zuzüglich Führer deutlich begrenzt werden. Auch Mund-Nasen-Schutz werde gefordert. „Wir haben schon eine Menge Anfragen, warten aber lieber auf die Direktive des Landes.“

Die Grünen unterstützen die Stadt Niederstotzingen. Landtagsabgeordneter Martin Grath: „Die Kommune darf mit der wichtigen Aufgabe nicht allein gelassen werden.“

Beim derzeit möglichen Einzelbesuch seien Voranmeldungen nicht nötig, allerdings müssten die Gäste sich registrieren. Die erforderlichen Daten würden vier Wochen lang aufbewahrt, erläutert Anika Janas. Die Besucher seien aber sehr verständnisvoll. Wartezeiten bei der Ankunft oder in den Innenbereichen des Archäoparks könnten nicht ganz ausgeschlossen werden. Markierungen für den Abstand der Gäste zueinander seien angebracht worden – auch in der Schatzkammer mit den rund 40 000 Jahre alten originalen Tierfiguren. Im Außenbereich würden sich die Menschen verteilen und so sei hier auch das Tragen einer Maske nicht erforderlich. Wer sich beispielsweise am Speerschleudern versuchen will, bekommt aus Hygienegründen Handschuhe gereicht.

Der Archäopark am Vogelherd ist am Dienstag von Vertretern aus Politik und Wissenschaft offiziell eröffnet worden. Ab Morgen wird die Fundstätte der ältesten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich sein. Von 10 bis 18 Uhr können Besucher erstmals die beiden rund 40.000 Jahre alte Elfenbein-Schnitzereien an ihrem Original-Fundort bestaunen. Auf der Schauspielfläche wird ein eigens für den Archäopark entwickeltes Theaterstück aufgeführt. Öffentliche Führungen beginnen jeweils um 11 Uhr, 13.30 Uhr und 15.30 Uhr.

Viele Gäste – vor allem ältere Menschen – seien sehr vorsichtig und würden sich vor dem Besuch telefonisch erkundigen, wie der Andrang ist, so Janas. „Es läuft überraschend gut, ist aber kein Vergleich zu den Vor-Corona-Zeiten“, berichtet sie. Die Besucher kämen eher „tröpfelnd“ in den Archäopark. Auch in den jetzigen Pfingstferien sei es nicht wie in anderen Ferien. An Feiertagen dagegen sei das Gästeaufkommen eher wie früher.

Eigentlich sollte im Park ja seit April eine lebensgroße Mammut-­Figur als neueste Attraktion zu sehen sein, doch deren Aufstellung wurde wegen der Pandemie verschoben. Eine andere Attraktion zeichnet sich terminlich schon genauer ab: Am 12. Juli soll die Sonderausstellung „Wildes Lonetal“ eröffnet und bis 31. Oktober gezeigt werden. Im Mittelpunkt werden die Raubtiere der Eiszeit wie Höhlenlöwe, Höhlenbär und Hyäne stehen. Präsentiert werden entsprechende Funde aus den Höhlen des Lonetals.

Die anderen fünf Höhlen

Frei erreichbar sind jederzeit die beiden weiteren Welterbehöhlen im Lonetal. Die Bocksteinhöhle (Gemarkung Öllingen) kann betreten werden, beim Hohlenstein-Stadel (Gemarkung Asselfingen) sind die Zugänge dauerhaft vergittert. Und ähnlich ist die Situation auch bei zwei der drei Höhlen im Achtal: Die Sirgensteinhöhle und das Geißenklösterle (beide bei Blaubeuren) sind ebenfalls frei erreichbar, doch eine Zugangsmöglichkeit gibt es nur bei der Sirgensteinhöhle.

Die dritte Welterbestätte der Eiszeithöhlen im Achtal ist der Hohle Fels bei Schelklingen. Hier finden auch immer wieder noch archäologische Ausgrabungen statt. Friederike Schöll, Tourismusbeauftragte der Stadt Schelklingen, schildert, dass der Hohle Fels aufgrund der aktuellen Situation für Besucher noch geschlossen ist. Dementsprechend werden aktuell auch keine Führungen angeboten. Bei der Stadt hoffe man aber darauf, die Höhle noch dieses Jahr wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. „Die Nachfrage nach Besuchsmöglichkeiten ist da“, so Schöll. Ein Hygienekonzept sei in Ausarbeitung – auch vor dem Hintergrund, dass in der Höhle eine schmale Metallbrücke über das Ausgrabungsgelände führt. „Die Sicherheit liegt uns als oberstes Gebot am Herzen.“

Archäopark und Eiszeitkunstmuseen

Der Archäopark Vogelherd mit seiner zugehörigen Höhle bei Stetten ob Lontal kann zu den üblichen Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr besucht werden. Montags ist geschlossen. Führungen finden vorerst nicht statt.

Das Urgeschichtliche Museum in Blaubeuren mit vielen Funden aus den Höhlen ist seit dem 15. Mai wieder geöffnet, täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr. Während der Pfingstferien täglich, außerhalb der Ferien an Wochenenden findet von 11 bis 16 Uhr eine Steinzeitwerkstatt mit Bastelmöglichkeiten für Kinder statt.

Das Museum Ulm als Ausstellungsort des Löwenmenschen (Fundort Hohlenstein-Stadel) kann seit dem 12. Mai wieder besucht werden. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 11 bis 17 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Montags ist geschlossen.