Nein, Grund für den Andrang an der Vogelherdhöhle war die Kunst, die ja dort schon vor 40.000 Jahren geschaffen wurde. Allerdings ging es dabei nicht wie einst ums Schnitzen oder Musizieren, es war vielmehr eine ganz und gar zeitgenössische Kunst, die da am Vogelherd gezeigt wurde. „Drawing in motion“ heißt die Aktion, die der japanische Künstler Takihito Koganezawa den rund 130 Besuchern vorstellte, was so viel heißt wie „Zeichnen in Bewegung“.

Allerdings zeichnete er nicht mit Stift oder Kreide oder Pinsel, er schafft Bilder aus Licht, die er den staunenden Besucher vorführte. Sein Konzept besteht darin, Licht so zu projizieren, dass die unterschiedlichsten Gebilde entstehen. Ein Vogel mit Flügeln etwa, oder auch Wolken, Augen, wo es konkret wurde, Schraffierungen, Wellen, Bögen, Linien im abstrakten Bereich.

Besondere Belichtung

Am Ende dieses kreativen Prozesses steht die Aufnahme der Lichtspuren in einer besonderen Belichtung. Und das Ergebnis dieses Schaffens ist dann das an die Felswände mittels Projektor geworfene Foto. Genauer gesagt: eine Vielzahl davon, die an der hinteren Felswand der Vogelherdhöhle erschienen. Und das immer in Bewegung: Zum einen wanderten die Lichtspuren über die Höhlenwand, zum anderen gaben die Ausprägungen der Felswand den Lichtspuren, zumeist in weißem Licht, manche aber auch in opulenten Farben - eine ganz eigene Dynamik. Das mag ein wenig technisch klingen, tatsächlich aber bot es den Zuschauern ein einzigartiges Spektakel aus einer ganz neuen Art von Höhlenmalerei, bei der auch ein aus Licht gemaltes Mammut nicht fehlte. Der international bekannte Künstler Takihito Koganezawa, der sonst Keller, Tiefgaragen, Katakomben für seine Kunst auswählt, hatte sich die Vogelherdhöhle gezielt ausgesucht, ja sogar gewünscht: Es zog ihn geradezu an die Wiege der Kunst, um dort von der Kunst von einst einen Bogen zur Kunst von heute zu schlagen.

Interesse bei Studierenden

Und das tat er nicht allein: Die Aktion am Vogelherd ist ein Projekt aus der Reihe „Invited Artists“ der Universität Tübingen und des Museums der Universität Tübingen, in welchem internationale Künstler für Studierende aller Fakultäten Workshops anbieten. Und das ist enorm gefragt: Rund 1000 Interessierte melden sich für diese Workshops an, berichtete Professor Ernst Seidl, der Leiter des Museums der Universität Tübingen. Sie alle, ganz gleich, ob sie Politikwissenschaften, Mathematik, Jura oder BWL studieren, reizt die kreative Beschäftigung, der Perspektivwechsel, das gemeinsame Arbeiten mit namhaften Künstlern enorm, und das war den anwesenden Studierenden, die gemeinsam mit Koganezawa am Vogelherd die Lichtspuren gestaltet hatten.

Der Wunsch Koganezawas war das eine, bei der Umsetzung half Anika Janas, die Leiterin des Archäoparks, die die Aktion sogleich tatkräftig unterstützte. Und besonders sie dürfte gefreut haben, dass die Aktion das seinerzeitige Leben am Vogelherd ein Stück weit näher gebracht hatte: Als Koganezawa zur Einleitung noch ganz im Dunkeln der Höhle verschiedene Geräusche entwickelte, entstand eine ganz besondere archaische Situation, die sich wohl von jedem der Besucher empfinden ließ.

Ein besonderer Ort

Apropos Archäopark: Der Park machte einen tiefen Eindruck auf den Besuch aus Tübingen. „Das Land Baden-Württemberg kann sich doch gar nicht erlauben, den Archäopark zu schließen“, tat er seine Meinung kund, und er bekam mächtig Beifall von den Besuchern aus Tübingen und aus der Region gleichermaßen. „Das ist ein ganz besonderer Ort“, meinte auch Ursula Schwitala, die Ehrensenatorin der Universität Tübingen, „es ist mein dringender Wunsch, dass der Park nicht geschlossen wird“.

Sie hatte auch eine Petition mitgebracht, um diesen Wunsch höhernorts vorbringen zu können: „Wir müssen eine andere Lösung als die Schließung finden“.

Stetten ob Lontal