Stetten ob Lontal / JOCHEN HORNDASCH Der Grästaler Distanzritt lockte 23 Reiter nach Stetten. Von dort ging es wahlweise auf den 60- oder 80-Kilometer-Rundkurs.

Durch das Lone- und Hungerbrunnental führt die Strecke bis nach Bräunisheim und Gussenstadt und wieder zurück zum Ausgangspunkt Stetten. Die Hälfte haben die Reiter mit ihren Pferden hinter sich, als sie nach und nach auf der sanften Anhöhe bei Bräunisheim eintrudeln. Etwa zweieinhalb Stunden im Trab und Galopp sind absolviert. Gemäß Reglement bei Distanzritten ist nun eine einstündige Pause vorgeschrieben.

Die Bräunisheimer Landfrauen sorgen fürs leibliche Wohl, die Pferde grasen, saufen, relaxen und müssen den obligatorischen Gesundheitscheck über sich ergehen lassen. Doch die körperlichen Strapazen stecken die vierbeinigen Athleten allem Anschein nach locker weg. Tierärztin Monika Kröz und ihr Kollege Sebastian Wagner aus Stetten am kalten Markt geben grünes Licht.

Elf Reiter entschieden sich für die Distanz von 80 Kilometer und drehten noch eine 20 Kilometer lange Runde um Gussenstadt. Erst dann traten sie den Rückweg an über das Knöpflestäle und das Hungerbrunnental zurück nach Stetten. Zwölf Teilnehmer gaben sich mit 60 Kilometer zufrieden. Der Grästäler Distanzritt hat in Reiterkreisen eine besondere Anziehungskraft. Er zählt landschaftlich und von der Streckenführung zu den schönsten Passagen Deutschlands. Es geht vorwiegend auf Graswegen und weichem Untergrund durch das Lonetal, das Trutteltal, das Nonnental, das Knöpflestäle, das Hungerbrunnental und das tiefe Tal, vorbei an Neenstetten, Sinabronn, Ettlenschieß und Hofstett-Emerbuch. Wie die Organisatoren Sylke Hoffmann aus Sigmaringen und Werner Nahm aus Schwäbischen Hall betonen, nehmen deshalb viele Teilnehmer eine weite Anreise in Kauf. Aus Bayern, Südbaden, Rheinland-Pfalz und aus allen Regionen von Württemberg habe die Grastäler-Passage einen festen Stamm von Anhängern.

Eine davon ist Sigrid Scheu aus dem Hunsrück, die mit ihrem zwölfjährigen Wallach schon oft mit geritten ist. Mit von der Partie ist erstmals ihre Tochter Jana, die mit gerade mal 13 Jahren jüngste Teilnehmerin ist. Beide haben sich für die 80 Kilometer lange Strecke entschieden, die sowohl Mutter wie Tochter mit Bravour meistern. Dafür haben sie auch reichlich trainiert: Zwei bis drei Ausritte mit gut 30 Kilometern würden zum wöchentlichen Trainingsprogramm gehören. Dass Reiten keine Altersbeschränkung kennt, bewies Albert Fichtel aus dem Hunsrück. Er ist 79 Jahre alt und ein alter Hase in Sachen Distanzreiten. Mit seiner Schimmelstute hat er sich für den 60-Kilometer-Ritt entschieden. Und diese Entscheidung war richtig, denn Fichtel belegte den ersten Platz. Platz eins bei den 80 Kilometern erreichte Andrea Ehret aus Mannheim. Nach fünf Stunden passierte sie mit ihrem Wallach die Ziellinie in Stetten.