Oberstotzingen/Naucalpan / HZ Seit 2005 lebt Tanja Schwichtenberg in Mexiko. Hier berichtet sie vom Alltag in einer Mega-City, von der Kultur und vom Konsum, der immer mehr auf dem Vormarsch ist.

Ende 2004, nach meinem Studium, hatte ich die Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln und da lag es nahe, vor allem wegen der Herkunft meiner Mutter, nach Mexiko zu gehen. Somit arbeite und lebe ich seit 2005 in der südamerikanischen Metropole in der Pharmaindustrie.

Mein Mann ist Arzt und arbeitet normalerweise auch dort, zurzeit allerdings mehr in seiner Praxis. Außerdem haben wir einen kleinen Sohn namens Lars.Mexiko ist ein vielfältiges Land mit Stränden am Pazifik und in der Karibik, aber es hat auch eine tolle Berglandschaft im Norden sowie Wälder und Seen im Süden.

Es ist mit 125 Millionen Einwohnern das einwohnerreichste, spanischsprachige Land, flächenmäßig liegt es weltweit an 14. Stelle. Mexiko ist sechsmal so groß wie Deutschland und hat vier Zeitzonen, was etwas die Koordination von Terminen oder Meetings erschwert. Es kann durchaus schwierig sein, die geeignete Uhrzeit zu finden, damit alle an einer Telefonkonferenz teilnehmen können.Das wirtschaftliche Zentrum ist Mexiko-Stadt, hier leben etwa 20 Millionen Einwohner.

Die Infrastruktur ist nicht gerade die beste in der Hauptstadt, man hat immer Verkehr und kann kaum auf andere Verkehrsmittel als das Auto zugreifen. Darunter leidet natürlich die Luftqualität, an bestimmten Punkten der Stadt kann man sogar die Smogwolke sehen. Der Verkehr ist richtig schlimm, man kann für zwölf Kilometer zwei bis drei Stunden brauchen. Es wird immerzu gebaut, wegen dem Platzmangel wird nach „oben“ gebaut, es sind keine einfachen Einfamilienhäuser, sondern Mehrfamilienhochhäuser. In so einem Hochhaus leben etwa 1000 Menschen, die alle die gleiche Zufahrtsstraße und Kanalisation benutzen.

Ein Stadtteil, der Polanco heißt, wird zur Zeit richtig mit diesen Hochhäusern vollgestopft, dieser Stadtteil ist zum größten Teil im Besitz von Carlos Slim, einem der reichsten Menschen der Welt. Die Klassenunterschiede sind sehr markant und man bekommt dies immer wieder zu sehen, was mich traurig macht, da es hier keinen richtigen sozialen Schutz gibt.Mexiko ist sehr vom Konsum geprägt, die meisten Menschen leben auf Kredit. Aktionen wie der „Black Friday“ der USA wurden vor ein paar Jahren in Mexiko eingeführt, damit die Leute zu noch mehr Käufen verführt werden. An diesen Tagen im November gibt es viele Angebote für Fernseher, Alkohol, Spielekonsolen, Handys, usw. Da rennen dann viel zu viele Leute in die Einkaufszentren und kaufen, was das Zeug hält. Es werden immer mehr Einkaufszentren eröffnet als Schulen oder Parks gebaut werden. Denn das fehlt in dieser Großstadt.

Die Läden haben nur am 1. Januar und am 1. Mai geschlossen.Dennoch hat Mexiko generell viel zu bieten, wenn auch manchmal nicht ganz zum Guten. In Cancun und Playa del Carmen wird viel in den Tourismus investiert. Zugleich gibt es ein überwältigendes Angebot von Museen, vor allem in Mexiko Stadt.

Auch sonst hat die mexikanische Kultur viel zu bieten, besonders sind natürlich die Festlichkeiten zum Tag der Toten (Día de muertos, auf Spanisch), wo traditionell den Verstorbenen gedacht wird. Gefeiert wird von Allerheiligen bis Allerseelen, was auch im Film „Coco“ verewigt wurde. Es werden Altäre aufgebaut, man verkleidet sich, geht auf den Friedhof und „feiert“ mit den Verstorbenen.Gastronomisch gesehen gibt es viel leckeres Essen, allerdings auch viel Fettiges, Im Großen und Ganzen kann man die Vielfältigkeit Mexikos auch kulinarisch erleben.

Von Fisch und Meeresfrüchten bis hin zu gegrilltem Fleisch und Tacos gibt es eigentlich für jeden etwas und jeder Bundesstaat hat seine eigene Spezialität anzubieten. Es gibt einige Restaurants, die unter den besten Restaurants der Welt aufgeführt sind.Man kann in Mexiko viel erleben – und wenn man die Sicherheitstipps beachtet, dann ist das Land auf jeden Fall einen Abstecher wert.An alle, die mich kennen, schicke ich einen lieben Weihnachtsgruß aus Mexiko. Tanja

Jedes Jahr berichtet die Redaktion im Rahmen von „Brücken in alle Welt“ über Menschen aus dem Kreis Heidenheim, die im Ausland leben. Hier lesen Sie alle Artikel.