Was für eine Entdeckung: Man lässt ein bisschen Birkenrinde verbrennen, vielleicht nur, um es warm zu haben. Dann aber stellt man fest, dass sich da ja was sammelt an vielleicht zufällig angeordneten Steinen. Um dann festzustellen: Das klebt ja. So oder so ähnlich könnte es gewesen sein, damals bei den Vorfahren der heutigen Menschen vor vielen zigtausend Jahren, als sie erstmals Pech gewannen.

Und welch eine bahnbrechende Erkenntnis das einst war. Denn mit diesem Pech konnten die damaligen Menschen ihre Werkzeuge verfeinern, indem sie Schäfte an Klingen kleben konnten beispielsweise.

Eine bahnbrechende Erkenntnis aber auch für die Wissenschaft. Denn bisher war man davon ausgegangen, Birkenpech könne nur unter Luftabschluss hergestellt werden, was Keramik vorausgesetzt hätte. Die neue Entdeckung zeigt aber, dass dies auch vor der Keramik möglich war.

Birkenpech-Herstellung im Archäopark Niederstotzingen

Eindrucksvoll zu erleben ist diese Birkenpech-Herstellung übrigens direkt dort, wo sie auch vor zigtausend Jahren stattgefunden haben wird: im Archäopark am Vogelherd. Benjamin Schürch, der archäologische Mitarbeiter von der Universität Tübingen, zeigt dies unter den staunenden Blicken der kleinen und großen Besucher, die das Wort Pech nur noch als Gegenteil von Glück kennen.

Doch sie sind im Glück: Denn natürlich dürfen die Besucher die kleine Pechkugel, etwa in der Größe einer Perle, ruhig auch in die Hand nehmen und schließlich weiterstaunen, als Schürch die große Rolle an Birkenrinde zeigt, die dafür notwendig war. Pech – das Gold der prähistorischen Vorfahren? Es spricht einiges dafür.

Schürch zeigt den interessierten Besuchern aber noch viel mehr: Er hat sich die Fertigkeit angeeignet, einen Stein so zu bearbeiten, dass scharfe Klingen entstehen, die man besser nicht in die Hosentasche steckt. Dass er dabei nicht mit modernen Werkzeugen vorgeht, versteht sich von selbst: Kraftvoll und mit sicherem Gespür für die richtige Einschlagstelle schwingt er das Elfenbein und kann im Nu das entstandene Werkzeug vorweisen. Das wurde für die Jagd eingesetzt oder auch, um das Fett von der Mammuthaut zu schaben.

Alles wurde verwertet

Denn Nachhaltigkeit war seinerzeit kein mahnendes Schlagwort, sondern überlebenswichtig. „Damals wurde alles verwertet, was erjagt wurde“, erläutert Anika Janas, die Leiterin des Archäoparks. „Das konnte man sich gar nicht leisten, Materialien ungenutzt zu lassen.“ Für die Besucher jedenfalls ist dies nicht die einzige Erkenntnis über das Leben in längst vergangenen Zeiten, das gerade in solchen Vorführungen eindrucksvoll nachempfunden werden kann.

Das neue Programm des Fördervereins Eiszeitkunst im Lonetal hält übrigens weitere solcher Erkenntnisse bereit: So können Kinder ihr eigenes Werkzeug oder Amulett im Wege der Knochenbearbeitung oder auch ihren eigenen Speer herstellen – mit anschließender Jagd, versteht sich. Und beim Neandertaler-Barbecue erfährt man, wie sich einst der Neandertaler ernährt hat.

Kreis Heidenheim

Günstigere Busfahrten für Schulen


Das Neandertaler-Barbecue findet am 1. August statt, die Werkzeugherstellung aus Stein am 22. August und die aus Knochen am 3. Oktober. Der eigene Speer kann am 5. September gefertigt werden. Zum Abschluss gibt es eine Neanderthaler-Fackelführung für Kinder am 7. November. Die Mini-Mammuttour und die Möglichkeit, Kindergeburtstag zu feiern, gibt es darüber hinaus weiterhin.

Für Schulen des Landkreises werden im Rahmen von Führungen vergünstigte Busfahrten angeboten. Informationen sind beim Archäopark Vogelherd und im Landratsamt Heidenheim erhältlich.