Unterwegs auf den Spuren der Steinzeitmenschen. Das ist am Sonntag, 6. November, im Archäopark vorerst zum letzten Mal möglich. Mit einer Online-Petition und dem Bekenntnis von 42 Wissenschaftlern aus aller Welt zur Erhaltung des Parks, versuchte man die Schließung abzuwenden. Vor allem wegen nicht ausreichender finanzieller Unterstützung vom Land steht das Ausflugsziel nun vor dem Aus. Die Niederstotzinger Bürger und Bürgerinnen bewerten das sehr unterschiedlich.

„Das ist enttäuschend. Der Park ist unverzichtbar für unsere Kinder“, sagt Renate Diez. Der Archäopark sei ein wichtiger Ort für Heranwachsende, um spielerisch zu lernen, so die ehemalige Lehrerin. Ihr Ehemann Jürgen Diez pflichtet der 76-jährigen bei: „Es braucht mehr finanzielle Unterstützung, denn der Park bedeutet Renommee für das Land!“

Fehlende Attraktivität

Für Manuel Bender war es absehbar, dass der Archäopark nicht so erfolgreich läuft wie erhofft. Niederstotzingen sei viel zu klein, um ausreichende Besucherzahlen zu erzielen, so Bender über seinen Wohnort. Eine Bekannte von ihm würde durch die Schließung ihren Arbeitsplatz verlieren. Außerdem sagt der 33-jährige Werkzeugmacher, dass ein einmaliger Besuch zwar recht interessant sei, mehrmals würde er den Park jedoch nicht besuchen. Seine Eltern gingen ab und zu zum Kaffeetrinken in den Park, berichtet der Niederstotzinger.

„Es ist einfach kein Legoland“, erklärt Hermann Weber auf die Frage. Die Attraktivität, öfter dort hinzugehen, fehle. Deswegen wundert es den 64-Jährigen auch nicht, dass der Park geschlossen werden soll. Für Weber wäre es okay, wenn der Park bleiben würde, mehr aber auch nicht.

Keine Verspaßung des historischen Ortes

Peggy Mayer, die als Gemeinderätin in Niederstotzingen tätig ist, war von Anfang an gegen den Archäopark. Grund dafür seien vor allem die hohen Kosten für die Stadt, sagt die Stettenerin. Zudem spricht sie sich gegen die „Verspaßung“ des historischen Ortes aus. Die 50-jährige befürwortet dementsprechend die Schließung.

Ähnlicher Meinung ist auch Ingeborg Huscher: „Das ist mir egal. Ich war schon immer dagegen.“ Sie bringt die Rodung des Waldstückes beim Bau des Parks ins Spiel: „Die Abholzung des Gebietes steht für mich nicht im Verhältnis zu dem, was jetzt im Park geboten ist.“ Generell findet die 84-jährige, dass der Archäopark nicht so wichtig sei, wie oft betont werde.

Die Niederstotzingerin Katharina Gubaidulin findet es grundsätzlich schade, dass der Archäopark voraussichtlich geschlossen wird. Sie hätte sich gewünscht, dass das Gebiet öffentlich zugänglich wäre. „Man hätte viel mehr aus dem Park machen können“, findet die 32-jährige Mutter. Vor allem für Kinder sei nicht genug geboten. Als positiven Vergleich zieht sie die Höhlenerlebniswelt an der Charlottenhöhle in Hürben heran. Das dortige Angebot sei deutlich attraktiver für einen Familienausflug als der Archäopark.

Drei Angestellte der Metzgerei Heußler in Niederstotzingen sind sich einig: „Die Schließung wäre schade, aber die Anlage sollte besser genutzt werden. Erst baut man etwas auf, erhält es dann aber nicht. Man lässt das Unesco-Welterbe am ausgestreckten Arm verhungern“, so einer der Mitarbeiter. Seine Kollegin fügt hinzu, dass es früher besser war, als das Gebiet öffentlich zugänglich war und man sich dort als Gruppe zum Grillen und Spielen treffen konnte.

Aktion am letzten Öffnungstag des Archäoparks


Am letzten Öffnungstag des Archäoparks (Sonntag, 6. November) ist um 16 Uhr eine Aktion vor den Toren des Parks angekündigt. Dabei sind Beiträge angekündigt von Prof. Nicholas Conard (Universität Tübingen, wissenschaftlicher Direktor des Archäoparks), Meinard Schad (Vorsitzender des Fördervereins Eiszeitkunst im Lonetal), Inge Grein-Feil (Vorsitzende des Vereins Freunde schaffen Freude), Benjamin Schürch (Universität Tübingen), Dr. Ewa Dutkiewicz (Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin) und Dr. Sibylle Wolf, Vorsitzende der Gesellschaft für Urgeschichte).

Am 1. Mai 2013 wurde der Archäopark Vogelherd bei Stetten ob Lontal eröffnet. Seit Sommer 2017 gehört er zum Unesco-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“. Namensgebend ist die 1931 entdeckte Vogelherdhöhle, in deren Umfeld 2006 ein rund 35.000 Jahre altes Elfenbeinmammut ausgegraben wurde. Zuvor wurde bereits ein Elfenbeinpferdchen gefunden.

Für die Stadt Niederstotzingen bedeutete der Park von Anfang an einen hohen finanziellen Aufwand. Allein der Bau kostete 2,6 Millionen Euro. In den letzten Jahren hat man ein jährliches Defizit von 300.000 Euro eingefahren. Dementsprechend fordert die Stadt finanzielle Unterstützung vom Land, das eine jährlichen Unterstützung von 35.000 Euro angeboten hat. Der Niederstotzinger Gemeinderat wird am 30. November über das weitere Vorgehen mit dem Archäopark diskutieren.