Ob es zu Zeiten des Homo sapiens etwa Gespräche gegeben hat zwischen Vater und Sohn wie „Papa, man nimmt jetzt Blattspitzen aus Geweih“ und der Vater dann etwas sagte wie „Neumodisches Zeug, wir haben immer Stein genommen“, das weiß man nicht. Aber es ist nun bekannt, dass auch am Vogelherd Blattspitzen aus Geweih eingesetzt wurden: 60 dieser „neumodischen“ Spitzen sind dort gefunden worden. Sie sind ebenfalls in der Ausstellung „Jagd im Lonetal“ zu sehen, die kürzlich eröffnet wurde.

Die Ausstellung im Archäopark zeigt das ganze Spektrum der seinerzeit eingesetzten Jagdwaffen: Vom gut in Händen zu haltenden Keilmesser über die Blattspitze, die auf einen Speer gesetzt wurde, aus Stein und aus Geweih, bis hin zu Pfeil und Bogen – alle Zeitstufen der Jagd sind hier berücksichtigt.

Dabei gibt es durchaus neue Erkenntnisse: Anhand eines Projektils in einem Knochen ließ sich feststellen, dass auch der Höhlenbär gejagt wurde. Der Fund eines Höhlenbärenwirbels, in dem noch das Bruchstück eines Projektils steckt, im Hohle Fels lässt die Deutung zu, dass das Projektil den Höhlenbären auf der rechten Flanke traf, das Geschoss stecken blieb und das Projektil abbrach.

An diesem Knochen lässt sich sogar anhand von Schnittspuren feststellen, dass das Tier anschließend zerlegt worden sein muss. Das sehen die Archäologen – der Betrachter sieht einen Knochen mit winizig kleinen Merkmalen, der beweist, wie genau und aufmerksam Archäologen zu Werke gehen müssen, um derlei Hinweise zu erhalten.

Harpunen und Speerschleudern sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, zu deren Prunkstücken sicherlich die Replik eines Fundes aus Mas d’Azil (Frankreich) gehört: Außergewöhnlich wird diese Speerschleuder durch die reichhaltigen Verzierungen ihres Endes. Dort sind drei geschnitzte Pferdeköpfe abgebildet. Doch damit der Kunst noch gar nicht genug: Die drei Pferdeköpfe zeigen den Lebenszyklus des Tieres vom Jungtier bis zum Tod. Das ist einzigartig in der paläolithischen Kunst, vergleichbare Stücke wurden bisher nicht gefunden.

Auch Artefakte aus Schöningen, die ja zum Paradigmenwechsel in der Urgeschichtsforschung geführt haben, wurden vom Landesdenkmalamt Niedersachsen zur Verfügung gestellt.

Ein Steinschlossgewehr

Neben der Nachbildung eines Przewalski-Pferdes – die Wildpferdform der seinerzeitigen Steppenlandschaften – und von Schneehase und Schneehuhn sticht ein Steinschlossgewehr aus dem 16. Jahrhundert in der Ausstellung ins Auge: Nicht etwa, dass dieses Gewehr im Lonetal ausgegraben worden wäre. Bei den Ausgrabungen in der obersten Schicht des Vogelherds zu Tage gefördert werden konnte ein sogenannter Flintenstein, der ab der Mitte des 16. Jahrhunderts in Steinschlossgewehren zum Entzünden von Schießpulver verwendet wurde. Vermutlich stammt dieser Flintenstein aus Frankreich, das seinerzeit neben England führend in der Herstellung dieses Werkzeugs war.

Viele Einblicke in die Aspekte der Jagd also gewährt diese Ausstellung, die von Anika Janas und Benjamin Schürch vom Archäopark mit großem Fachwissen zusammengestellt wurde. Und wer nun glaubt, dass der eingangs erwähnte ausgedachte Dialog schon deswegen nicht stattfinden konnte, weil es noch keine Sprache gab, der sollte sich getrost an Benjamin Schürch wenden, der sagt: „Es ist unwahrscheinlich, dass es bei diesem komplexen Alltag keine Sprache gegeben haben soll. Es muss eine Art von Verständigung gegeben haben.“

Das begleitende Programm


Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. November. Begleitend finden Angebote statt wie steinzeitliches Bogenschießen am 4. September. Um Jagdwaffen und -techniken der Steinzeit geht es am 14. August, und „Sammeln als Nahrungsgrundlage“ am 28. August zeigt, dass es nicht nur Jäger gab. Des Weiteren gibt es verschiedene Vorträge rund um die Jagd im Lonetal.