Niederstotzingen / Thomas Zeller Das Land spendiert seinen Freiluftmuseen einen Millionenbetrag. Doch der Archäopark geht wieder leer aus. Der Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal schlägt deswegen nun Alarm.

Mit mehr als einer Million Euro hat der Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal in den vergangenen Jahren die Eiszeitkunst in Baden-Württemberg unterstützt. Ein Großteil des Geldes ging dabei in die Unterstützung des Archäoparks in Niederstotzingen. Eine halbe Million Euro wird der Verein bis 2021 insgesamt zum laufenden Betrieb zuschießen.

Doch obwohl die Eiszeitkunst in den Höhlen des Lone- und Achtals seit anderthalb Jahren das Prädikat Unesco-Welterbe trägt, ist die finanzielle Zukunft seines Aushängeschildes Archäopark weiter ungewiss. Beim Förderverein sorgt das für Unverständnis. „Die Eiszeitkunst ist doch ein Alleinstellungsmerkmal für die Region, da muss man etwas daraus machen“, sagt Vorstandsmitglied Michael Rogowski.

Die Eiszeitkunst geht leer aus

Für besonderen Unmut sorgt, dass das Land jüngst entschieden hat, das keltische Erbe in Baden-Württemberg großzügig finanziell zu fördern, während die Eiszeitkunst weiter leer ausgeht. „Es ist unmöglich, dass das Land für das Lonetal einen Antrag auf den Status Weltkulturerbe stellt, für die finanziellen Verpflichtungen daraus aber nicht geradestehen will,“ so der frühere Voith-Chef Rogowski.

„Wir werden den Archäopark und die Eiszeitkunst weiter unterstützen, aber nur wenn sich das Land endlich auch mit einem signifikanten Betrag beteiligt“, führt der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins, Hermann Mader, aus. „In diesem Jahr ist es zwei Jahre her, dass die Unesco das Welterbe-Prädikat für die Eiszeitkunst vergeben hat und bis auf das Lonetalkonzept ist absolut nichts auf Landesseite passiert“, sagt der frühere Landrat. Irgendwann sei auch der finanzielle Rahmen des Fördervereins ausgeschöpft.

Die Hilfe des Landes wird gebraucht

Jedes Jahr kostet der Betrieb des Archäoparks die Stadt Niederstotzingen rund 350 000 Euro. Zieht man davon die Unterstützung des Fördervereins ab, bleibt ein Zuschuss von 300 000 Euro. Das ist für eine Gemeinde von 4700 Einwohnern ein stolzer Betrag. „Wir stehen weiter hinter dem Thema Eiszeit, brauchen aber dringend die Hilfe des Landes beim laufenden Betrieb,“ bekräftigt auch der Niederstotzinger Bürgermeister Marcus Bremer.

„Ich fühle mich beschämt, wenn ich mir anschaue, dass das Land rund 1,5 Millionen Euro für Freilichtmuseen wie die Heuneburg ausgibt und für die Eiszeitkunst nichts“, so Mader. Bisher scheitere die Förderung an den unklaren Zuständigkeiten im Land. Vom Wirtschafts- bis zum Kultusministerium seien die Anfragen einfach weitergeschoben worden, niemand wolle sich des Themas annehmen. , oder fühle sich verantwortlich.

Stärkere Interessenbündelung

Deshalb wolle der Verein zusammen mit Niederstotzingen seine Interessen künftig stärker in der Position von Landrat Thomas Reinhardt bündeln. „Bei einer Abschwächung der Konjunktur und unseren geplanten Investitionen in Schulgebäude und Abwasserbeseitigung müssen wir uns irgendwann die Frage stellen, können wir uns das leisten“, sagt Bürgermeister Bremer. „So eine Entscheidung möchte ich nicht fällen müssen, aber Niederstotzingen kann diese Last nicht allein tragen.“

Trotz der Sorgen greift der Verein in diesem Jahr noch einmal tief in die Tasche und will Projekte mit der Rekordsumme von 368 000 Euro unterstützen.

Die beiden größten Posten sind dabei ein Augmented-Reality-Programm, mit dem Besucher auf dem Handy oder Tablett eine besondere Führung durch das eiszeitliche Lonetal erhalten und ein interaktionsorientiertes Informationssystem, bei dem Gäste durch neue Themenwege und – plätze im Lonetal geleitet werden.