Nattheim / Klaus-Dieter Kirschner Zwischen Weizenbier mit oder ohne Alkohol, Bismarckheringen und Pellkartoffeln wurde die große Politik, vornehmlich die im Ländle, im Bischoff-Sproll-Haus besprochen und unter dem Minuten langen Beifall von über 160 Zuhörern dem CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2016, Guido Wolf, jedwede Unterstützung geschworen.

Und so konnte der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Bernd Seizinger am Ende des politischen Aschermittwochs zusammenfassen: „Sie, lieber Herr Wolf, haben heute viele kleine Wölfe dazu gewonnen.“ Von Aufbruchsstimmung war die Rede und ganz am Anfang hatte Seizinger die Lacher auf seiner Seite, als er die Zuhörer begrüßte: „Mich freut, dass wir heute so voll sind.“

Bürgermeister Norbert Bereska („Nattheim muss man nicht erklären, das kennt man.“) überreichte Guido Wolf eine 140 Millionen Jahre alte Koralle gewissermaßen als Glücksbringer: „Der letzte, der eine bekam, war Günther Oettinger und der wurde danach Ministerpräsident.“

Kurze knackige Reden hielten im überfüllten Saal die CDU-Europa-Abgeordnete Dr. Inge Gräßle, der CDU-Landtagsabgeordneter Bernd Hitzler und der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter. Er sprach vom „Leitwolf“, der jede Unterstützung verdient habe, „damit unser Baden-Württemberg wieder Spitze wird“. Kiesewetter sorgte sich um die aktuelle Großwetterlage. Sollte das Abkommen von Minsk scheitern, in der Ukraine das Kriegsrecht verhängt werden, dann müsse man mit einer riesengroßen Flüchtlingswelle rechnen: „Dann brauchen wir jeden, der diesen Menschen wirklich hilft.“

Bernd Hitzler begrüßte seinen Fraktionschef Guido Wolf unter tosendem Beifall mit den Worten: „Du bist einer, der die Wahl gewinnen kann. Wenn wir alle zusammenstehen, haben wir eine reelle Chance, das auch zu schaffen.“

Guido Wolf, bis vor wenigen Tagen noch Landtagspräsident und nun Spitzenkandidat seiner Partei, hatte sich gut vorbereitet: „Grüß Gott hier in Natta.“ In Anspielung darauf, dass er vor wenigen Tagen in der Fasnacht mit Ministerpräsident Kretschmann beim Froschkuttelessen war, meinte Wolf: „Mei Leibspeis wird des fei et.“ Und mit Kretschmann werde er auch kein Abkommen für einen möglichst kurzen Wahlkampf schließen. Vielmehr werde man um jede Stimme kämpfen. Denn: „Dieses Land hat wieder eine bessere Regierung verdient.“

Am Aschermittwoch gehört Buße dazu und so bekannte Guido Wolf, dass in 58 Jahren CDU-Regierung auch nicht alles richtig gemacht worden sei. Aber die CDU sei nun einmal der Garant für eine Infrastrukturpolitik, die auch den ländlichen Raum im Fokus habe. Dazu gehöre zum Beispiel auch das schnelle Internet über Glasfaserkabel. Ausführlich befasste sich der Redner mit der Schulpolitik, bekannte sich unter anhaltendem Beifall zum Fortbestand der Realschule und versicherte, dass im Falle eines Regierungswechsels die CDU nicht wieder die von grün-roter Koalition eingeführten Gemeinschaftsschulen abschaffen würde. Es könne doch nicht sein, dass Gemeinschaftsschulen doppelt so viel Geld wie die Realschulen bekämen. Dem Kultusminister Andreas Stoch hielt Wolf vor, er schicke seine Kinder nur deswegen auf eine Privatschule, weil er seiner eigenen Schulpolitik nicht traue. Bislang sei das duale Schulwesen ein Markenzeichen des Ländles gewesen.

Wolf nannte Landesverkehrsminister Winfried Hermann „eine Feststellbremse in der Verkehrspolitik“. Zu viel wurde versäumt, anstatt bei der Anforderung von Bundesgeldern nach dem Metzgerprinzip vorzugehen: „Derfs au a bissle mehr sein?“

Den Grünen warf Wolf vor, als notorische Weltverbesserer aufzutreten und vieles abschaffen oder gar verbieten zu wollen. Ein weiteres Thema war die Asylpolitik und auch die Fremdenfeindlichkeit: „Die lassen wir auf unseren Straßen nicht zu... Nicht jeder, der hier demonstriert, ist rechtsradikal... Religionsfreiheit und Muslime gehören zu Baden-Württemberg, Islamismus und Scharia gehören nicht zu Baden-Württemberg und auch nicht zu Deutschland.“

Und so gab der Gast nach mehr als einer Stunde Rede die Parole für die Landtagswahl 2016 aus: „Lieber ein Haus im Grünen, als einen Grünen im Haus.“

In der lebhaften Diskussion ging es um Mindestlohn und die Bürokratie, die Windkraft, die großen Güllefahrzeuge, die die Europäische Union zulassen will und um die Maut. Hier glaubt Roderich Kiesewetter, dass „die Maut, so wie sie jetzt geplant ist, nicht kommen wird. Aber Pickerl würden auf jeden Fall geklebt.“