Nattheim / Laura Strahl Seit 2014 arbeitet Annette Kurz als Sozialarbeiterin an der Wiesbühlschule. Was berichtet sie von ihrer Arbeit?

Die Hoffnung, sich quasi überflüssig zu machen, haben wohl nur wenige Berufstätige. Annette Kurz, als Schulsozialarbeiterin zuständig für die Wiesbühlschule Nattheim und die Grundschule Auernheim, gehört dazu. Es liege wohl in der Natur des Berufs, so Kurz, dass sie ihre Schützlinge lieber glücklich sehen möchte. In Nattheim arbeitet die Diplomsozialpädagogin seit September 2014 halbtags auf dieses Ziel hin, sagt aber ganz klar: „Kinder brauchen heute neben ihren Eltern auch andere Erwachsene.“

Klassen werden anspruchsvoller

Zu groß sei in manchen Fällen der Leistungsdruck, unter dem Eltern in Erziehungsfragen stehen, berichtete Kurz in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Im Gegensatz zu früher werde inzwischen nicht mehr aus dem Bauch heraus erzogen. Der gesellschaftliche Wandel bringe da viel Unsicherheit mit sich. Das wiederum übertrage sich auf die Kinder. Und in der Folge höre sie dann von Erziehern und Lehrern, dass die Klassen bzw. Gruppen von Jahr zu Jahr anspruchsvoller würden.

Drei Kinder pro Klasse werden beraten

Annette Kurz hat daher für jeden ein offenes Ohr. Für Lehrer, die beispielsweise beim Verdacht der Kindeswohlgefährdung ihren Rat suchen oder sich verzweifelt an sie wenden, wenn ein Kind derart stört, dass ein normaler Unterrichtsverlauf undenkbar ist. Natürlich und hauptsächlich ist Kurz aber für die Kinder da.

Oft geht es dabei um Kleinigkeiten, einen Streit mit Freunden etwa. Andere Kontakte wiederum führten zu einer Beratung, ließ Kurz wissen. Im Durchschnitt stünden pro Schuljahr und Klasse Beratungen mit drei Kindern und meist deren Eltern an. Pro Quartal ergäben sich so rund 15 Beratungstermine. Zudem gelte es in dieser Zeit, etwa 15 Streitigkeiten unter Schülern zu klären.

30 Notlagen pro Jahr

Wie Kurz weiter aus der Statistik berichtete, kommt es während ihrer Arbeitszeit von 8 bis 13 Uhr zu täglich 30 bis 40 informellen Kontakten zu Kindern, Lehrern oder Eltern. Sogenannte Notlagen, bei denen schnell reagiert werden muss, gebe es rund 30 Mal pro Schuljahr. „Dann muss ich alles stehen und liegen lassen“, berichtete Kurz. Etwa, wenn Kinder das Schulgelände verlassen oder nach dem Tod von Angehörigen Unterstützung nötig haben. In jährlich etwa acht Fällen, so Kurz weiter, ziehe man das Jugendamt hinzu.

Regelmäßige Angebote

Weitaus häufiger sind natürlich die regelmäßigen Angebote, im Rahmen derer die Schulsozialarbeiterin die Kinder stärken will. So geht es etwa im Klassenrat um demokratisches Arbeiten, beim Projekt „Ich für alle“ um Sozialkompetenztraining. Im Fokus steht zudem der Übergang von Kindergarten zu Schule.

So gibt es neben Vorlesebesuchen von Schülern im ehemaligen Kindergarten auch spezielle „Unterwegs zur Schule“-Angebote. Um Beziehungen aufbauen zu können, sei bei all dem natürlich eine kontinuierliche Anwesenheit wichtig, berichtete Kurz. Nur so könne man diejenige Person sein, die in akuten Situationen vor Ort ist und zu der die Kinder mit Problemen kommen.

Standard bis hinunter in die Grundschulen

Seit Januar 2018 ist Annette Kurz direkt bei der Gemeinde Nattheim angestellt. Zuvor war die Diplomsozialpädagogin seit 2014 auf Anfrage an der Wiesbühlschule und der Grundschule Auernheim tätig. Wie Bürgermeister Norbert Bereska zusammenfasst, sei vor vielen Jahren noch allerorten zu hören gewesen, dass man Schulsozialarbeit nicht brauche. Mittlerweile gehöre die Arbeit allerdings bis hinunter in die Grundschulen zum Standard.