Nattheim / Michael Salwik Bei der Kommandantendienstversammlung berichtete Kreisbrandmeister Rainer Spahr von Schwierigkeiten bei der Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte.

Volles Haus in der Nattheimer Gemeindehalle: Kreisbrandmeister Rainer Spahr blickte bei der Dienstversammlung der Kommandanten zurück auf das Jahr 2018. Er schilderte in seinem Bericht, dass die Personalzahlen in den Einsatzabteilungen zwar weiterhin stabil seien, die Tagesverfügbarkeit zur Erfüllung der gesetzlichen Hilfsfristen an Werktagen jedoch immer schwieriger werde.

Gründe hierfür sah der Kreisbrandmeister im Wegfall von geeigneten Arbeitsplätzen bei mittelständischen Unternehmen und im Handwerk, weshalb es bei den Freiwilligen Feuerwehren immer öfter zu Engpässen komme. Bei größeren Feuerwehren werde dies in Zukunft unweigerlich zu einer gewissen Hauptamtlichkeit führen, was in der Folge enorme Kostensteigerungen bedeute. In Gemeinden, wo dies aus finanziellen Gründen nicht möglich sei, würden Wege für eine Zusammenarbeit mit Werkfeuerwehren oder für interkommunale Vereinbarungen gesucht. Wo immer es möglich sei, würden die Aufgaben der Feuerwehren auf mehrere Schultern verteilt: „Eine Entwicklung, die auf der einen Seite sehr gut ist, auf der anderen Seite uns aber auch zeigt, dass wir längst an gewisse Grenzen gekommen sind“, so Spahr weiter.

Stressfaktor steigt

Fortschreitende Technologien und der demografisches Wandel, so Spahr, ergäben neue Herausforderungen für die Feuerwehren. Zusätzliche Ausbildungen in Theorie und Praxis seien erforderlich, um auf diese Lagen vorbereitet zu sein. Hier dürfe die Freude für den Dienst nicht einem Stressfaktor weichen. „Wir müssen mit aller Kraft daran arbeiten, dass der Feuerwehrdienst wieder Dienst an der Basis wird und für Tätigkeiten außerhalb unserer Pflicht andere Einheiten zuständig sind.“

In Vertretung von Landrat Thomas Reinhardt zeigte sich der Erste Landesbeamte Peter Polta in seinem Grußwort beeindruckt von den Leistungen der Feuerwehren im Landkreis. „So wie Sie sollten wir alle sein.“ Mit diesem Zitat von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in seiner Rede an die Helfer, die Notre-Dame vor der Zerstörung bewahrten, brachte Polta seine Wertschätzung für die Ehrenamtlichen zum Ausdruck. „Helden wie jene Feuerwehrmänner bei dem Großbrand in Frankreich gibt es nicht nur bei solch dramatischen Ereignissen, auf die die ganze Welt schaut. Helden wie diese gibt es auch bei uns.“ Das enorme Engagement der Feuerwehrleute im Landkreis habe eine Vorbildfunktion – auch weit über die Kreisgrenze hinaus, so Polta.

Der Leiter des Polizeireviers Heidenheim, Markus Deuter, und der Vizepräsident des DRK-Kreisverbands Heidenheim, Manfred Kiss, dankten in ihren Grußworten einstimmig für die Zusammenarbeit und das gute Miteinander im vorigen Jahr.

Neue Herausforderungen

Was kommt auf die Feuerwehr in Zukunft zu? Dies fragte sich Landtagsabgeordneter Martin Grath (Bündnis 90/Die Grünen) in seiner Rede und blickte auf künftige Herausforderungen in Bezug auf den Wandel von Mobilität oder auch den Klimawandel. So müsse man sich beispielsweise auf neue Gefahren wie brennende Fahrzeuge mit alternativer Antriebstechnologie einstellen, die eine schwierige Brandbekämpfung oder gar eine Gefahr für die Einsatzkräfte darstellen. Aber auch der Klimawandel werde die Feuerwehr verändern, so Grath weiter. Hier müsse man sich auf ganz neue Situationen wie Waldbrände oder massive Unwetter einstellen, die man so bei uns noch nicht kenne. Der Klimawandel werde mit noch gar nicht vorhersehbaren Auswirkungen auf die Einsatzkräfte zukommen. Hier sei man jedoch schon aktiv daran, auch dies unter Kontrolle zu bekommen.

Am Ende der Versammlung richtete Spahr, der im Februar 2020 nach 15 Jahren seine Dienstzeit als ehrenamtlicher Kreisbrandmeister beenden wird, persönliche Worte an die Versammlung: „Ich bin stolz auf unsere Feuerwehren und unser Miteinander – es war mir eine Ehre.“ Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Spielmannszug der Feuerwehr Giengen unter der Leitung von Kreisstabführer Frank Ratter.

Einsatzbilanz für das Jahr 2018

Die Bilanz für die elf Feuerwehren im Landkreis zeigte auf, dass 2018 rund 1419 Feuerwehrangehörige 1134 Einsätze unterschiedlichster Art leisteten. Die sieben Werkfeuerwehren, mit 157 aktiven Mitgliedern im Kreis, wurden voriges Jahr zu 413 Einsätzen gerufen.