Als sich Regina Werner vor ein paar Wochen zum ersten Mal mit der Barista-Kaffeemaschine vertraut machte, war sie nervös. Kaffee, das war immer das Terrain ihres Mannes Thomas Winger gewesen. Kaffee, der war ihm heilig. Als die beiden im Mai 2020 zusammen in Auernheim das Hofcafé „Beste Zeit“ eröffneten, war die Aufgabenverteilung daher schnell klar: „Ich war für die Kuchen und das Ambiente im Café zuständig, mein Mann für Abrechnungen, Buchungen und eben den Kaffee“, berichtet Werner. Das Hofcafé wurde im Ort gut angenommen, doch im Juli dieses Jahres fand das Projekt tragischerweise ein jähes Ende: Thomas Winger verstarb im Alter von 55 Jahren plötzlich und unerwartet, er hinterlässt seine Frau und vier gemeinsame Töchter.

Neben Verpflegung gibt es im Hofcafé auch kleine Kulturveranstaltungen.
Neben Verpflegung gibt es im Hofcafé auch kleine Kulturveranstaltungen.
© Foto: Markus Brandhuber

„Etwa zwei Wochen lang stand die Frage im Raum, ob ich das Café schließen soll oder nicht“, erzählt Regina Werner. „Das war schließlich von Anfang an ein gemeinschaftliches Projekt. Ich hätte mir früher nie vorstellen können, das Café alleine zu betreiben, mein Mann auch nicht.“ Schnell war jedoch klar, dass in dem kleinen Café mitten in Auernheim zu viel Herzblut steckt, als dass Werner es hätte schließen können. Seit Anfang Oktober ist die „Beste Zeit“ wieder geöffnet; betrieben wird es von Regina Werner und ihren vier Töchtern, die regelmäßig im Café aushelfen. „Wir wollen das Hofcafé weiterhin als Familie unterhalten. Davon lebt es ja auch.“

Geändert haben sich in diesem Zuge die Öffnungszeiten in Auernheim. Statt an jedem Wochenende werden im Hofcafé nun jeden zweiten Sonntag selbstgebackene Kuchen und Kaffee serviert. Früher sei die Arbeit im Café natürlich auf zwei Paar Schultern verteilt gewesen, jetzt manage sie den Betrieb alleine, so Werner, die neben dem Café auch im Samariterstift Neresheim sowie als Kunsttherapeutin arbeitet.

Kleine, feine Kulturveranstaltungen

Unverändert bleibt hingegen das Angebot des Hofcafés. Und das besteht seit seiner Gründung aus ebenjenen selbstgebackenen Kuchen und überwiegend regionalen Produkten. So kommt die Milch für den Kaffee etwa aus dem Eselsburger Tal. Seit Herbst 2021 hat sich zudem die Kunkelstube etabliert – mittwochabends steht die „Beste Zeit“ im Fokus der Handarbeit. Und auch Kulturveranstaltungen, kleine, aber feine, sollen wieder Einzug in Auernheim halten. Märchen und Kasperletheater sollen ab dem Frühjahr wieder regelmäßig angeboten werden; ab und an lädt das Hofcafé zudem zum gemeinsamen Essen ein.

Die Idee hinter diesen gemeinsamen Mahlzeiten ist es, bewusst zusammen zu essen, gleichzeitig anzufangen und ins Gespräch zu kommen. Innehalten ist gewissermaßen auch die Philosophie, die hinter dem Hofcafé steckt. „Wir wollten einen Raum schaffen, in dem man erspüren kann, wer man ist und wie man frei leben kann, wenn man auf sich selbst hört“, erklärt Regina Werner. Das alles in geselliger Atmosphäre – in Auernheim kommt dieses Konzept gut an.

Pro Öffnungstag bäckt Regina Werner immer mehrere Kuchen.
Pro Öffnungstag bäckt Regina Werner immer mehrere Kuchen.
© Foto: Markus Brandhuber

Viele Menschen haben sich laut Werner gefreut, dass das Hofcafé wieder aufgemacht hat. Die Gäste würden etwa zur Hälfte aus Auernheimerinnen und Auernheimern bestehen, zur Hälfte aus Besuchern von außerhalb. „Wir haben natürlich unsere Stammgäste, aber praktisch jedes Mal, wenn wir geöffnet haben, sind auch neue Gesichter zu sehen.“

Ob sich das durch das Leader-Programm geförderte Hofcafé aus finanzieller Sicht rechnet, ist laut Werner noch nicht klar. Bislang sei alles über Abschreibungen finanziert worden. „Unser erster Gedanke lag aber nie auf dem Aspekt Geld – das tut er bei keinem unserer Standbeine“, so Werner. „Ich habe Vertrauen, dass das klappt.“ Vertrauen hat sie auch in die Zukunft des Cafés. Thomas Winger fehlt, das steht außer Frage. „Nachdem wir jetzt schon ein paar mal geöffnet hatten und meine Töchter und ich den Laden geschmissen haben, wissen wir: Wir kriegen das hin“, sagt Regina Werner zuversichtlich und lächelt.

Freizeit & Einkaufen im Kreis Heidenheim: Hier kostenlos für den Newsletter anmelden

Mit dem Abonnement des Newsletters erkläre ich mich mit der Analyse des Newsletters durch individuelle Messung, Speicherung und Auswertung von Öffnungsraten und der Klickraten in Empfängerprofilen zu Zwecken der Gestaltung künftiger Newsletter entsprechend den Interessen der Abonnenten einverstanden. Die Einwilligung in den Empfang des Newsletters und in die Messung kann mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Ausführliche Hinweise erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung unter hz.de/privacy.

Die neuen Öffnungszeiten des Hofcafés „Beste Zeit“ in Auernheim:


Geöffnet hat das Hofcafé „Beste Zeit“ jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von 13.30 bis 17.30 Uhr, zudem immer mittwochabends von 19.30 bis 22 Uhr (außer in den Schulferien). Das nächste gemeinsame Essen findet am Samstag, 29. Oktober, ab 19 Uhr statt. Um eine Anmeldung unter Tel. 07326.919591 wird gebeten.

Einen Vortrag über das Leben und die Botschaft der Kogi-Indianer gibt es im Hofcafé von Monika Zürn am Samstag, 12. November, ab 19.30 Uhr. Im Café selbst wird Kaffee verwendet, der über eine Partnerschaft mit den Kogi-Indianern nach Deutschland kommt. Einlass ist an diesem Abend ab 19 Uhr, die Veranstaltung finanziert sich über Spenden.