Nattheim / Joelle Reimer In Nattheims sanierten Straßen und Neubaugebieten sind Leerrohre verlegt – genutzt werden sie bislang nicht. Ausnahme ist der Rinderberg.

Breitbandbeauftragter. Ein Titel, der Nattheims Kämmerer Ralf Baamann nicht gerade flüssig über die Lippen kommt – und nicht ohne dass er dabei einen Mundwinkel spöttisch nach oben zieht. „Es ist so: Das alles wandelt sich unheimlich schnell – und ist dabei gleichzeitig so wichtig wie unübersichtlich.“

Breitband, das ist sozusagen sein wunder Punkt. Besser gesagt: es sind Punkte. Denn mit Blick auf den Plan auf seinem Bildschirm wird eines schnell klar: Ziel ist, die Gemeinde und ihre Teilorte lückenlos mit schnellem Internet zu versorgen. Und dazu wurden im kommunalen Breitbandplan zig Punkte eingezeichnet, die zeigen, wie das wo erreicht werden soll.

„Wir als Gemeinde wurden in die Pflicht genommen und müssen die Versorgung leisten. Nur schade, dass wir auch die Kosten selbst schultern müssen und vom Land keine Zuschüsse zu erwarten sind“, verdeutlicht Baamann das Problem, mit dem die Gemeinden zu kämpfen haben.

Auch deshalb gibt es ein interkommunales Breitbandkonzept, bei dem der Landkreis eine Art Bündelungsfunktion übernimmt und sich die Kommunen untereinander austauschen – man müsse schließlich nicht in jeder Gemeinde das Rad neu erfinden. „Dennoch: Die Versorgung ist und bleibt eine Herkulesaufgabe. Es ist in etwa so, als wenn man von heute auf morgen ein komplettes Kanalnetz aufbauen müsste. Das ist utopisch. Das sind Dinge, die mit der Zeit gewachsen sind – und so müssen wir auch beim Breitband vorgehen“, so Baamann.

Erste Schritte wurden in den vergangenen Jahren getan: mit der Verlegung von Leerrohren im Zuge von Generalsanierungen wie in der Garten- und Lindlestraße und bei der Erschließung von Neubaugebieten wie dem Riederberg oder dem Pfannenstiel in Auernheim. „Und dann gibt es die Gewerbegebiete. Da sind wir nun mit dem Rinderberg bzw. Schmaleich die erste Gemeinde, die bald mit Glasfaser ans Netz geht – und das, obwohl das Gebiet bis vor Kurzem noch total abgehängt war“, sagt Baamann.

2016 seien Betriebe auf die Verwaltung zugekommen mit der Bitte, dahingehend etwas zu unternehmen. „Wir haben sofort reagiert. Aber bis die Landesförderung abgeklärt – bei Gewerbegebieten gibt es das glücklicherweise –, die Beauftragung unserer Partnerfirma Geo Data und die anschließende Bauphase abgeschlossen war, hat es eben bis Januar 2019 gedauert“, so Baamann. Nun aber lägen die Leerrohre mit dem eingezogenen Glasfasernetz bereit, und durch die Vergabe des Netzes im kompletten Landkreis an die NetCom BW GmbH wurde jüngst auch ein Betreiber gefunden. „Voraussichtlich noch im März starten wir im Rinderberg.“

Bleibt für die Anwohner – vor allem derjenigen Straßenzüge, in denen die Leerrohre bereits verlegt wurden – die Frage, wann sie das Glasfasernetz nutzen können. „Hier ist das nicht ganz so einfach“, schickt Nattheims Kämmerer vorweg. Beim Breitbandnetz, das von der Gemeinde aufgebaut wird, müssten zunächst noch die Lücken in der Versorgungsstruktur geschlossen werden – heißt: die Straßenzüge müssen an den Verteiler angeschlossen und die Leerrohre mit Lichtwellenleiter belegt werden, bevor die NetCom die Haushalte versorgen kann. „Ein solcher Verteiler steht in der Gartenstraße. Die Versorgung dort könnte also relativ zügig möglich sein – hierzu führen wir in nächster Zeit Gespräche“, sagt Baamann. Bis zur Lindlestraße bräuchte man hingegen erst noch einen Anschluss, und da man diesen wiederum nicht ohne Hausanschlüsse an die dazwischen liegenden Gebäude verlege, mache das die Sache gleich wieder teurer.

Nachfrage noch zu gering

„Unser Grundproblem ist eigentlich ein Luxusproblem: Niemand meldet sich und fragt nach. Die Versorgung reicht derzeit einfach noch locker aus, auch wenn das natürlich nicht immer so bleiben wird“, sagt Baamann. Denn: neben dem Breitbandnetz der Gemeinde sind in Nattheim vor allem die Anbieter Telekom und Unitymedia aktiv. Letzterer nutzt zwar eine Übergangstechnologie, die Telekom arbeitet vorrangig mit Kupferleitungen – doch die Übertragungsraten von 50 bis 100 MB sind momentan mehr als ausreichend.

„Es ist so, dass die Telekom Glasfaser nur dort anbietet, wo es für sie wirtschaftlich ist. Und das ist es in kleinen Gemeinden nicht. Gleichzeitig lassen sie aber niemanden auf ihre Leitungen, so dass es zu Doppel- oder gar Dreifachstrukturen kommt. Doch nur durch ein eigenes System können wir als Gemeinde einen freien Markt garantieren“, sagt Baamann.

Und dieses eigene System funktioniert eben nur, wenn es nach und nach aufgebaut wird. Kleines Beispiel: Würde die Gemeinde alle Häuser in Nattheim inklusive der Teilorte im Zuge einer Mitverlegung bei Sanierungsmaßnahmen mit einem Breitband-Leerrohr-Hausanschluss versorgen, wären Kosten von rund 7,3 Millionen Euro zu erwarten, so Baamann. Eine Hochrechnung ohne Mitverlegung, also als einzelne Erschließungsmaßnahme, habe man gar nicht erst angestellt. „Es gibt aber Aussagen, dass eine solche Erschließung das Drei- bis Vierfache kosten würde.“

Breitbandausbau in Nattheims Teilorten und Weilern

Auernheim und Steinweiler: Hier werden wie auch in Nattheim Bandbreiten von 50 bis 100 MB erreicht. Hier ist die NetCom als Versorger tätig. Bereits vor mehreren Jahren wurde seitens der Gemeinde ein Lückenschluss hergestellt und eine Glasfaserleitung aufgebaut; es gibt also Leerrohre mit Hausanschlüssen, die noch mit Glasfaser gefüllt werden müssen.

Fleinheim: Momentan, so Ralf Baamann, sei die Übertragungsrate durchweg ausreichend. Es werden 100 MB erreicht. Da jedoch keine Neubaugebiete oder Generalsanierungen anstehen, müssten Überlegungen angestellt werden, wie weiter verfahren wird.

Weiler und Höfe: Der Glasfaserausbau sei hier schwieriger, so Baamann, da weite Strecken zu überwinden seien – und der finanzielle Aufwand hoch wäre. Dennoch sind auch der Wahlberg, Lindenhof und Waldzierterhof im Breitbandplan enthalten.

Ganz neu gibt es seit 2019 nicht nur Landes-, sondern auch Bundesfördermittel für die Anbindung von sogenannten „weißen Flecken“ – bis zu 90 Prozent. „Wenn, dann müssten wir als Gemeinde schnell handeln“, so Baamann. Bei einer Infoveranstaltung mit dem Landratsamt soll gemeinsam mit der NetCom und Geo Data ermittelt werden, wo die einzelnen Gemeinden stehen.