Nattheim / Joelle Reimer Auernheims Ortsvorsteher Bernhard fordert die nächtliche Einstellung des Betriebs des Windpark Ohrberg.

Auch wenn Nattheims Bürgermeister Norbert Bereska in der letzten Gemeinderatssitzung vor Weihnachten Kommunalpolitik einfach mal Kommunalpolitik hatte sein lassen wollen – so ganz ohne ging es dann doch nicht. Dafür sorgte allein schon Wolfgang Bernhard, Fraktionsvorsitzender BWV/CDU, der im Auftrag des Ortschaftsrates und der Auernheimer und Fleinheimer Bevölkerung den Antrag stellte, den Windpark Ohrberg in die nächste Sitzung im Januar 2019 aufzunehmen.

Wieder einmal, denn: Nur wenige Themen waren 2018 ähnlich oft auf der Tagesordnung zu finden, und nur wenige Punkte ließen die Gemeinderäte ähnlich unzufrieden zurück wie die Regelungen der Dischinger Windkraftanlagen. „Ich sage es ganz klar: Wir fordern den Beschlussantrag, dass das Landratsamt als Genehmigungsbehörde bis zu vollständigen Klärung und Vorlage aller Messergebnisse den Betrieb der Anlagen in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr untersagten muss“, so Bernhard.

Ein kurzer Rückblick

Im Wesentlichen geht es um die Frage, ob die Beschwerden aus Auernheim und Fleinheim bezüglich einer enormen Lärmbelastung durch die laufenden Windräder durch Messungen belegt werden können. Die jüngsten Informationen diesbezüglich gingen der Gemeinde am 23. November mit den Messberichten des Schalls und des Infraschalls vom Landratsamt zu. Gemessen wurde am 5. und 6. Februar 2018 in Fleinheim, und laut Auskunft des Landratsamtes werden die Nachtimmissionsrichtwerte sicher eingehalten. In einem allgemeinen Wohngebiet betrage dieser 40db(A); im lautesten Betriebszustand der Windkraftanlagen auf dem Ohrberg wurden 31,3 db(A) gemessen – und damit ein hoher Abstand zum einzuhaltenden Richtwert.

„Nun ist es aber so“, sagte Bernhard, „dass der aktuelle Messbericht von einem zweiten, unabhängigen Sachverständigen im Auftrag der Gemeinde Nattheim geprüft wurde – und dieser kommt zu einem vernichtenden Urteil.“ Das Gutachter- und Sachverständigen Zentrum für Umweltmessungen sei zu dem Fazit gekommen, dass eine starke Belastung für die Bevölkerung gegeben sei.

„Die Messwerte weisen starke Glättungen auf und erreichen dadurch den Durchschnittswert, aber die tatsächlichen Spitzen werden gar nicht berücksichtigt“, sagte Bernhard und bekräftigte damit die Kritik von Fleinheims Ortsvorsteher Wolfgang Hetzel, der sich bereits im Oktober erstaunt darüber gezeigt hatte, weshalb von Mittelwerten gesprochen werde, wenn doch eigentlich die Höchstwerte genehmigt seien und eingehalten werden sollten. „Nach unserer Auffassung darf auch der Spitzenwert nicht über dem Normwert liegen. Unsere unabhängige Überprüfung ergibt aber genau das – damit wäre die Voraussetzung für den Betrieb der Anlagen nicht gegeben“, so Bernhard.

Wie es nun weiter geht

Den aktuellen Schwebezustand, so Bernhard, wolle man nicht weiter akzeptieren. Auch, weil für Auernheim bis heute gar keine Messung durchgeführt worden sei – „ständig wird darauf verwiesen, dass keine passenden Wind- und Wettervoraussetzungen vorliegen. Vermutlich wird es eine solche Wetterlage auch gar nie geben, da den Verantwortlichen die Ergebnisse nicht gefallen würden“, sagte Bernhard.

Innerhalb der Bevölkerung herrsche jedenfalls Unverständnis und Verärgerung. „Was mich enttäuscht, ist nicht nur, dass dem Betreiber das egal zu sein scheint, sondern auch die Reaktion der Gemeinde Dischingen, die uns nicht unterstützt. Hier werden Auernheim und Fleinheim völlig alleine gelassen“, sagte Bernhard. Er beantragte, dass das Thema in der nächsten Nattheimer Sitzung als öffentlicher Tagesordnungspunkt aufgenommen werden soll – inklusive Beschlussantrag und einer Aufforderung des Landratsamtes zur nächtlichen Einstellung der Anlagen.