Um ehrlich zu sein, waren die letzten sechs Jahre seit meinem letzten „Brücken in alle Welt“-Beitrag so vielfältig, dass es mir schwerfällt, mich auf ein Land davon zu beschränken.

Das aktuellste Projekt in Afrika ist glaube ich aber das Spannendste. Um es besser zu verstehen, hier ein kurzer Sechsjahresrückblick. Nach dem Abitur ging es für meinen Cousin und mich für ein Jahr „Work and Travel“ nach Kanada. Dort kauften wir uns einen Camper – und schon ging das Abenteuer los, von dem wir beide bis heute nicht mehr zurückgekehrt sind.

Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
© Foto: privat

Dieses ständige Gefühl der Freiheit zu haben, von Moment zu Moment zu leben, wunderschöne Landschaften zu entdecken und einzigartige Begegnungen zu haben, sind Dinge, wofür es sich mehrfach lohnt, den Schritt hinaus ins Ungewisse, außerhalb der Komfortzone zu gehen. Das Allerbeste daran aber ist, dass man ständig neuen Herausforderungen und Situationen gegenübersteht, sodass man sich selbst auf ganz neue Art und Weise kennenlernt und sich weiterentwickelt. Versteht mich nicht falsch. Im Ausland kann das Fremde einen auch ziemlich stressen und nicht alles ist immer Instagram-mäßig Friede, Freude, Eierkuchen. Doch diese innere Verwandlung zu erleben, ist es allemal wert – und man beginnt wirklich in neuen Perspektiven zu denken.

Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
© Foto: privat

Kleines Haus auf Rädern

Nach diesem, für uns beide sehr prägenden Jahr, radelte er mit dem Fahrrad in anderthalb Jahren einmal um die Welt, während ich anfing, mir mein eigenes kleines Haus auf Rädern in Deutschland zu bauen. So war es mir möglich, während des Onlinestudiums weiterhin den Lifestyle zu leben, der mir in Kanada so sehr gefallen hat.

Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
© Foto: privat

Natürlich musste das Ganze auch irgendwie finanziert werden. Dazu wanderte ich in den vergangenen vier Jahren jeden Winter für fünf Monate in die Schweiz aus, um dort im Skigebiet zu arbeiten. Im Sommer wurden weitere Länder bereist und ein großer Traum verwirklicht. Vor zwei Jahren durfte ich meine Paragliding- Lizenz machen. Dadurch, dass ich Outdoorsport liebe, war ich viel im Alpenraum unterwegs und studierte parallel Outdoorsport und Adventuremanagement, was irgendwie sehr gut zu meinem Lifestyle passt.

Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
© Foto: privat

Eine weitere große Leidenschaft von mir ist die Liebe zur Fotografie und zum Filmemachen. Diesen Job kann ich sehr gut mit Reisen kombinieren und er hat mir vieles ermöglicht. So zum Beispiel eine Motorradtour mit meinem guten Buddy Jan auf Sumatra in Indonesien. Dort lernte ich in einem Hostel den Chef einer Safarifirma in Südafrika kennen. Keine zwei Jahre später fügte sich das eine ins andere und ich mein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums begann genau in seinem Betrieb.

Drei Monate reichen nicht aus

Darum lebe ich seit sechs Monaten im südlichen Afrika. Drei Monate lang habe ich in Kapstadt direkt am Meer gewohnt und konnte viele spannende Dinge erleben. Die Stadt am Tafelberg ist bekanntlich sehr schön – und drei Monate haben nicht ausgereicht, um alles zu sehen.

Obwohl Südafrika, vielleicht noch gemeinsam mit Namibia, als das „westlichste“ Land Afrikas gilt, hat mich die Perversion zwischen Arm und Reich dort echt geschockt. Neben Riesenvillen mit „Infinity Pools“ in der Clifton Bay Area, liegen Menschen in aus Müll gebauten Unterschlüpfen im Dreck. Klar gibt es auch viele Obdachlose, bei einer Arbeitslosenquote von rund 35 Prozent ist die Alternative, in einem Township (so werden die Slums genannt) zu leben, nicht sonderlich viel besser. Viel Armut und Ungleichheit schafft viel Kriminalität und das ist leider das andere Gesicht von Kapstadt, welches ich auch häufiger kennenlernen durfte. Es klingt vielleicht hart, aber Kapstadt ist meiner Meinung nach nur schön und lebenswert für eine kleine Minderheit von Reichen, zu denen ich selbst auch gehöre.

Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
Florian Wenk aus Nattheim lebt seit mehreren Jahren im südlichen Afrika und lernt dabei Land und Leute kennen.
© Foto: privat

Es ist ein Gedanke, der mich fortan begleitete. Ist es nur der Zufall der Geburt in einem privilegierten westlichen Land? Was wäre, wenn ich hier in einem Township geboren worden wäre? Mit Sicherheit wäre ich aktuell nicht mit einem Toyota Landcruiser unterwegs und würde halb Afrika bereisen können.

Der Mensch als Gast

Trotz vieler zermürbender Gedanken wie diesen, konnte ich die Zeit in Kapstadt genießen und bekam sehr viele Tiere zu Gesicht, die ich noch nie in ihrem echten Lebensraum beobachten konnte. Vom Surfboard aus Wale und Delfine zu sehen, hat etwas. Aber auch klassische Safaritouren mit Leoparden, Löwen, Elefanten, Giraffen, Büffeln, Nashörnern und vielen weiteren Tieren waren super spannend. Ich habe festgestellt: Je mehr ich über die Natur und die Tiere lerne, desto spannender wird das Ganze und man beginnt mehr Respekt davor zu haben. Außerdem macht es unglaublich viel Spaß, eine Art Spiel daraus zu machen, Tiere zu entdecken und sie dann in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Nicht wie im Zoo, sondern der Mensch als Gast im natürlichen Lebensraum der Tiere, um so durch ihr Verhalten, mehr über sie zu lernen.

Es war von Anfang an geplant, nach dem Auslandspraktikum, egal wo ich es machen würde, ohne Flugzeug nach Hause zu reisen. Deshalb kaufte ich mir in Kapstadt einen Allradwagen, stattete ihn mit allem Wichtigen aus und fuhr los. Die ersten drei Wochen mit meinen Eltern entlang der wunderschönen Garden Route bis in den Krüger-Nationalpark. Ab Johannesburg dann alleine. Seither fuhr ich nach Botswana, Namibia, Angola und in ein paar Tagen in die Demokratische Republik Kongo. Weitere 17 Länder entlang der Westküste werden folgen, bis ich daheim ankomme.

Am meisten hat mich bisher an den Menschen fasziniert, dass das WIR eine viel größere Rolle spielt als bei uns. Es wird im Alltag viel mehr mit anderen Menschen gespielt, gelacht und geweint. Nicht wie bei uns, wo häufig das Ego des Individuums im Mittelpunkt steht und man sein Leben leben kann, ohne wirklich mit anderen Menschen interagieren zu müssen.

Ich glaube, dass die Zufriedenheit und Freude, welche die materiell armen Afrikaner ausstrahlen, genau an diesem Punkt liegt. Eine starke Gemeinschaft der Familie und auch darüber hinaus. Ein Miteinander anstatt ein Gegeneinander.

Und das wünsche ich uns Allen. Eine gelebte Gemeinschaft, die auch über die Zeit von Weihnachten hinausgeht. Schöne Weihnachten.

Falls Ihr Lust darauf habt, meine Tour zu verfolgen, so könnt ihr dies gerne auf https://www.polarsteps.com/FloWenk/4774854-africa (Blog und Route) oder später auf YouTube unter „flenkle“ tun.

Mehr über Menschen aus dem Landkreis Heidenheim, die im Ausland leben, gibt es bei Brücken in alle Welt zu lesen.