Raus aus der Komfortzone, immer wieder neuen Herausforderungen und Situationen gegenüberstehen, dem Freiheitsdrang nachgehen und das Leben von Moment zu Moment genießen, statt es danach auszurichten, was die Mitmenschen vielleicht erwarten könnten: Müsste man Florian Wenk in wenigen Worten beschreiben, käme man mit dem vorangestellten Satz ziemlich nah heran an die Lebensrealität des Nattheimers.

Einerseits treibt es ihn an, die Welt in all ihrer Schönheit zu entdecken. Andererseits aber auch, nicht nur „instagram-mäßig Friede-Freude-Eierkuchen“ zu erleben, sondern auch einen realistischen Blick hinter die Kulissen zu bekommen – um dann eben auch mal festzustellen, dass „das Privileg der Geburt in einem Land der westlichen Welt“ einem selbst auch die Augen öffnen kann.

Nach dem Abitur nach Kanada

Seit mehr als einem halben Jahr lebt der Mitte 20-Jährige nun auf dem afrikanischen Kontinent – es ist nicht sein erster Auslandsaufenthalt. Denn anders als viele Gleichaltrige hat der Nattheimer nicht gleich nach dem Abitur ein Studium gestartet und ist nun bereits in einem festen Arbeitsverhältnis angestellt. Für ihn hieß die erste Station „Work and Travel“ in Kanada, gemeinsam mit seinem Cousin.

Die beiden lebten in einem Camperbus. Danach ging es für Wenk zwar zurück nach Deutschland, die Zeit nutzte er aber vor allem, um sich während des Online-Studiums sein eigenes kleines Haus auf Rädern zu bauen. „Auf diese Weise konnte ich weiter den Lifestyle leben, der mir in Kanada so sehr gefallen hat.“

Ein solches Leben hat auch Grenzen – vor allem finanzieller Art. Daher lebte er in den vergangenen vier Wintern immer für fünf Monate in der Schweiz, um dort in einem Skigebiet seine Brötchen zu verdienen. So konnte Wenk einerseits seine Liebe zum Outdoorsport ausleben, andererseits aber auch die Zeit nutzen, die Fächer Outdoorsport und Adventuremanagement zu studieren, „was ja irgendwie sehr gut zu meinem Lifestyle passt“.

Von Indonesien nach Afrika

Dazu kommt seine große Leidenschaft für die Fotografie und das Filmemachen – was indirekt den Ausschlag gab, warum Florian Wenk auf dem Schwarzen Kontinent landete. Denn auf einer seiner Foto-Reisen lernte er in Indonesien den Chef eines Safari-Anbieters aus Südafrika kennen. Da Wenk im Rahmen seines Studiums auch ein Pflichtpraktikum absolvieren muss, fügte sich das eine zum anderen. „Drei Monate habe ich in Kapstadt direkt am Meer gewohnt und konnte viele spannende Dinge erleben.“ Die Stadt am Tafelberg sei bekanntlich sehr schön – und drei Monate hätten nicht ausgereicht, um alles zu sehen.

Der immense Unterschied zwischen den Armen und Reichen hat Wenk geschockt. Einerseits gebe es die Riesenvillen mit „Infinity Pools“ in der Clifton Bay Area, andererseits lägen Menschen in aus Müll gebauten Unterschlüpfen im Dreck. „Armut und Ungleichheit schaffen Kriminalität – und das ist leider das andere Gesicht von Kapstadt, welches ich auch kennenlernen konnte. Kapstadt ist meiner Meinung nach nur schön und lebenswert für eine kleine Minderheit von Reichen, zu denen ich selbst auch gehöre.“

Der Gedanke an sein Privileg, in einem reichen westlichen Land geboren und aufgewachsen zu sein, begleitet Florian Wenk seither auf seiner Reise. Mittlerweile hat er Südafrika verlassen, reiste anfangs noch gemeinsam mit seinen Eltern bis zum Krüger-Nationalpark – ohne Frage ein Highlight seiner Afrika-Tour. „Der Mensch als Gast im natürlichen Lebensraum dieser Tiere, der Leoparden, Löwen, Elefanten, Giraffen und Büffel. Das ist unglaublich spannend und man begegnet dem ganzen auch mit viel Respekt.“

Von Johannesburg bis heim nach Nattheim

Weil Wenk bei seinem Trip komplett auf Flugreisen verzichten wollte, wird er in den kommenden Monaten mehr als 20 Länder Afrikas bereist haben. Vom südafrikanischen Johannesburg aus ging es nach Botswana, Namibia, Angola und vor wenigen Tagen in die Demokratische Republik Kongo. Wenn er daheim in Nattheim ankommt, wird er neben den genannten 17 weitere Länder an Afrikas Westküste hinter sich gelassen haben.

Brenz/Madrid

Mit Sicherheit wird Wenk bis dahin noch weitere Eindrücke gesammelt haben – im positiven wie negativen Sinne. Eines aber hat er jetzt schon feststellen können – eine Eigenschaft, die alle Menschen des afrikanischen Kontinents zu vermitteln scheinen. „Ich glaube, dass die Zufriedenheit und Freude, welche die materiell armen Afrikaner ausstrahlen, stärker ist, als das Ego des Einzelnen. Es ist immer die starke Gemeinschaft der Familie und darüber hinaus. Immer ein Miteinander statt ein Gegeneinander.“

Mehr über Menschen aus dem Landkreis Heidenheim, die im Ausland leben, gibt es bei Brücken in alle Welt zu lesen.

Afrika-Tour auf polarsteps.com


Florian Wenks Afrika-Tour kann über den Blog https://www.polarsteps.com/FloWenk/4774854-africa mitverfolgt werden

Florian Wenk schildert seine Erlebnisse auch in einem eigenen Beitrag auf den Sonderseiten Brücken in alle Welt 2022 der HZ-Ausgabe vom 24. Dezember.