Buenos días a todos, ich bin Gina, komme aus Auernheim und einige kennen mich bestimmt noch aus der „Brücken in alle Welt“- Ausgabe von 2014. Damals war ich in Brasilien und habe von meinem Leben dort berichtet. Dieses Jahr hat es mich wieder in den Süden verschlagen, allerdings bin ich in Europa geblieben, genauer gesagt in Spanien.

Hier in Madrid mache ich seit September ein Praktikum bei der Firma Bosch. Recht kurzfristig bekam ich Anfang August die Zusage, keine drei Wochen später saß ich auch schon im Flugzeug nach Madrid, meiner Heimat für die kommenden sechs Monate.

Nun bin ich schon seit vier Monaten hier und ich bin nach wie vor überwältigt und sehr glücklich, diese Chance bekommen zu haben und natürlich auch genutzt zu haben. Dass die Zusage sehr kurzfristig kam, lag vor allem an Corona. Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, war Spanien von Anfang an ein Land, dass innerhalb Europas mit am Schlimmsten von dem Virus betroffen war. Deshalb konnten die Firmen natürlich nicht sehr weit vorausplanen und haben die Zusagen recht spontan verteilt.

Viele Bedenken kamen von meiner Familie und auch von meinen Freunden, die sich natürlich Sorgen machten und wussten, welche Gefahr eine Reise in ein Corona-Risikogebiet mit sich bringen könnte. Tatsächlich habe ich auch darüber nachgedacht, das Angebot auszuschlagen. Doch mit der Gewissheit, immer und zu jedem Zeitpunkt nach Deutschland zurückreisen zu können, war meine Entscheidung gefällt und ich bereue sie bis heute nicht.

Natürlich gibt es hier einige Einschränkungen, was ich persönlich sehr traurig finde, da ich gerne mehr vom Land sehen würde und natürlich auch viel mehr mit dem spanischen Volk in Kontakt kommen würde, aber ich bin mir sicher, dass ich wieder nach Madrid kommen werde.

Sobald man die Wohnung verlässt, ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes Pflicht, egal ob man zum Beispiel alleine einen Spaziergang macht oder mit der Metro fährt. Ansonsten muss man sich vor dem Betreten jedes Geschäftes die Hände desinfizieren und natürlich auch den Sicherheitsabstand einhalten. Alle zwei Wochen werden die Corona-Regeln erneuert, momentan dürfen sich maximal sechs verschiedene Haushalte treffen, wobei die Anzahl der Personen keine Rolle spielt, Kontaktdaten werden bei keinem Restaurantbesuch aufgenommen.

Hier bei Robert Bosch España Fábrica Madrid S.A. (kurz: RBEM - Robert Bosch España Madrid) bin ich in der Logistik tätig. Ich kümmere mich darum, dass das Rohmaterial für die Produktion der Ultraschallsensoren rechtzeitig und in den passenden Mengen ankommt. Dazu bin ich in täglichem Kontakt mit Lieferanten aus der ganzen Welt, weshalb die Kommunikation auch auf Deutsch, Spanisch und Englisch stattfindet, sowohl schriftlich in Mails als auch sprachlich in täglichen Meetings.

Gerade aufgrund der Corona-Pandemie haben viele Lieferanten Schwierigkeiten, die laut Lieferplan ausgemachten Mengen und Eintrefftermine einzuhalten, weshalb ein täglicher Austausch äußert wichtig ist, um die Produktion nicht stoppen zu müssen. Die Ultraschallsensoren, die Bosch hier in Madrid fertigt, sind Umfeldsensoren zur Ermittlung von Abständen zu Hindernissen und zur Überwachung des Raums beim Parken und Rangieren. Unsere Sensoren findet man in den meisten Autos, die zurzeit auf den Straßen unterwegs sind.

Weihnachten in Spanien wird traditionell erst am 6. Januar gefeiert. Das hält aber zumindest hier in Madrid niemanden davon ab, bereits Anfang Oktober mit der Weihnachtsdekoration zu beginnen. Wie ihr auf den Fotos seht, ist alles erlaubt, Hauptsache es ist hell, bunt und glitzert! Tatsächlich kommt so auch ohne Schnee eine richtige Weihnachtsstimmung auf, was ich persönlich sehr mag. Bereits seit fünf oder sechs Wochen wird man von den Kassierern in den Supermärkten mit „Feliz Navidad“ verabschiedet, sobald man bezahlt hat.

Nun erzähle ich aber von ein paar Highlights, die meinen Auslandsaufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Hier gibt es an jeder Ecke süße kleine Cafes, in das meine Freunde und ich uns gerne nach der Arbeit oder auch an einem regnerischen Wochenende reinsetzen. Spanien ist für „Churros“ bekannt, ein längliches Teiggebäck, das in Fett gebacken und anschließend mit Zimt und Zucker bestreut wird oder mit einer dickflüssigen Schokoladensauce serviert wird.

Der normale Milchkaffee (cafe con leche) ist im Vergleich zu Deutschland auch sehr billig, was den Feierabendkaffee natürlich noch viel schmackhafter macht. Ansonsten haben wir im Sommer viel „Tinto de Verano“ getrunken, eine Art Rotweinschorle, das mit viel Eiswürfeln serviert wird.

Hier in Madrid bekommt man zu jeder Getränkebestellung eine Kleinigkeit zu Essen kostenlos serviert, entweder Chips, Oliven, kleine Tapas oder zu Kaffee zum Beispiel kleine Croissants, immer passend zum bestellten Getränk. Spanien ist natürlich auch für die Tapas bekannt, also kleine Häppchen, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei ist und die auch schon für wenig Geld an jeder Ecke zu bekommen sind.

Obwohl Madrid eine Großstadt und natürlich auch die Hauptstadt Spaniens ist, ist man in circa 30 Minuten aus der Stadt draußen und direkt in den Bergen. Soweit es Corona erlaubt, haben wir natürlich auch schon einige Orte außerhalb Madrids erkundet.

Ich kann euch nur empfehlen, einmal eine Reise in diese wunderschöne Stadt zu machen, sie hat viel mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermutet.

Nun wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und natürlich auch einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Hasta luego, Gina

Jedes Jahr berichtet die Redaktion im Rahmen von „Brücken in alle Welt“ über Menschen aus dem Kreis Heidenheim, die im Ausland leben. Hier lesen Sie alle Artikel.