Nattheim / Timo Landenberger Ärztemangel auf dem Land ist kein neues Phänomen. Mario Hopp weiß das. Der Heilpraktiker ist Vorsitzender des Vereins für Homöopathie und Lebenspflege in Nattheim, der sich vor gut 100 Jahren aus eben diesem Grund gegründet hat. Nun will der 35-Jährige wieder mehr junge Leute ins Boot holen. An Engagement mangelt es ihm jedenfalls nicht.

Düsteren Zeiten blickt die Landbevölkerung in Sachen medizinischer Versorgung entgegen. Die ohnehin immer weniger werdenden Nachwuchsärzte zieht es in die Stadt. Die Gründe dafür sind vielschichtig: das finanzielle Risiko einer eigenen Praxis, der höhere Verwaltungs- und Zeitaufwand und die allgemeine Verstädterung hemmen das Interesse, sich auf dem Land niederzulassen.

Für den Landkreis Heidenheim heißt das, dass in den Städten zwar eher eine medizinische Überversorgung vorzufinden ist, während es aber etwa in Hermaringen, einer Gemeinde mit 2300 Einwohnern, seit Jahren keinen Hausarzt mehr gibt. In Sontheim/Brenz und Niederstotzingen sieht es nur wenig besser aus. Da von der Kassenärztlichen Vereinigung das Kreisgebiet aber als Ganzes und damit als überversorgt angesehen wird, wird es auf absehbare Zeit auch keine neuen Zulassungen für Allgemeinmediziner geben. Eine Verbesserung ist also nicht in Sicht.

Doch das Phänomen des Ärztemangels auf dem Land sei kein gänzlich neues, weiß Mario Hopp. Der Heilpraktiker aus Eglingen ist Vorsitzender des Vereins für Homöopathie und Lebenspflege in Nattheim, der sich vor gut 100 Jahren aus eben diesem Grund gegründet hat. „Auch damals war die medizinische Versorgung auf dem Land sehr schlecht. Und mal eben schnell in die Stadt zu fahren, war nicht so einfach“, sagt Hopp. So sei nach Alternativen zur Behandlung von Krankheiten gesucht worden. Die Lösung: Naturheilkunde.

„Und darin sehe ich als Vereinsvorsitzender auch heute meine Aufgabe: Naturheilkunde unter das Volk zu bringen, ein Bewusstsein dafür zu wecken und besonders die jungen Menschen dazu zu bringen, sich mit ihrem Körper und Wohlbefinden auseinanderzusetzen.“ Angefangen von gesunder Ernährung, denn damit hänge viel zusammen, und das werde leider kaum mehr vermittelt.

In die Wiege gelegt wurde die Naturheilkunde dem 35-jährigen Familienvater allerdings nicht. „Ich war zwar schon immer offen für solche Dinge. Ausschlaggebend war aber eine persönliche Erfahrung vor knapp zehn Jahren.“ Seine damals sechsjährige Tochter litt an einem schweren Blaseninfekt, nahm monatelang Antibiotika ein, musste zahlreiche Besuche beim Urologen und eine Blasenspiegelung unter Vollnarkose über sich ergehen lassen. „Doch nichts brachte Erfolg. Ich werde nie vergessen, wie der Arzt mir sagte, dass die Schulmedizin in diesem Fall am Ende sei“, erzählt Hopp, damals Elternbeirat im Kindergarten seiner beiden Töchter.

„Zu einer Veranstaltung hatten wir einmal eine Heilpraktikerin eingeladen. Die habe ich auf unser Problem angesprochen.“ Nach nur einer Sitzung und der Anwendung homöopathischer Mittel sei die Krankheit geheilt gewesen. „Ich konnte es selbst kaum glauben.“

Doch das Interesse und die Begeisterung für Naturheilkunde war geweckt. Im Herbst 2006 entschied Hopp sich für eine Ausbildung zum Heilpraktiker in Ulm. „Ich habe drei Jahre lang gebüffelt.“ Schließlich sei auch der Heilpraktiker-Abschluss rein schulmedizinisch. „Globuli interessieren da nicht. Auch ich muss Patienten richtig einschätzen, also eine korrekte Anamnese durchführen können. Denn ich bin genauso haftbar wie Ärzte“, erklärt Hopp, der die Prüfung in Heilbronn auf Anhieb bestand.

Nicht nur deshalb hat der Heilpraktiker keinerlei Probleme mit der Schulmedizin, verweist seine Patienten in bestimmten Fällen durchaus an einen Arzt. Anders herum sei das hingegen nur äußerst selten der Fall. „Heilpraktiker werden von Ärzten nach wie vor oft belächelt. Natürlich gibt es Grenzen für die Naturheilkunde. Aber eben auch für die Schulmedizin.“ Der Grund für Rückenschmerzen etwa sei nicht selten ein seelischer. „Da würde ich mir schon eine bessere Zusammenarbeit wünschen“.

Zumal bei schulmedizinischen Ärzten die Aufklärung über Krankheitsbilder und deren Herkunft aus Zeitgründen oftmals zu kurz komme. „Ich bemühe mich, mit meinen Patienten gemeinsam eine mögliche Therapie zu erarbeiten“, sagt Hopp, der seine Praxis im eigenen Wohnhaus in Eglingen betreibt. Ein Nachteil? „Nein überhaupt nicht“, beteuert der Heilpraktiker. „Ich arbeite viel, kann aber meinen Kindern fast immer gute Nacht sagen.“ Und auch die Abgeschiedenheit in Eglingen sei kein Problem. „Das macht mich irgendwo speziell. Die Patienten können sich das gut merken, das spricht sich herum, und von Mundpropaganda lebe ich letztlich.“

Den typischen Patienten? „Den gibt es nicht. Anfangs dachte ich, es würden mehr Frauen kommen. Man denkt immer, die seien da aufgeschlossener. Das stimmt aber gar nicht. Meine Patienten sind genauso häufig männlich, kommen aus allen Schichten und allen Altersklassen. Auch junge Menschen kommen immer mehr. Da scheint ein Umdenken stattzufinden, hin zu mehr Bewusstsein für den eigenen Körper.“

Und genau daran will Mario Hopp anknüpfen. Im Januar 2013 wurde er zum neuen Vorsitzenden des Vereins für Naturheilkunde und Homöopathie in Nattheim gewählt. „Noch immer ist der Altersdurchschnitt der Mitglieder mit 60 Jahren sehr hoch“, gibt er zu. „Aber ich bemühe mich, das zu ändern.“

So war seine erste Amtshandlung, eine Homepage zu gestalten. Das Logo wurde aufgepeppt, und auch eine Facebook-Seite ist mittlerweile online. „Es ist einfach wichtig, dass Informationen über Vorträge und Veranstaltungen auch nach außen gelangen“, sagt Hopp.

Das neueste Projekt des bekennenden Workaholic: Eine Weiterbildung zum Ernährungsberater, um anschließend weiter gezielt junge Menschen anzusprechen. „Wir wollen eine Internetseite aufbauen und Blogs über Ernährungsformen anbieten. Mit Rezepten zum Nachkochen, Fitnesstips und der Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch“, erklärt Hopp. Der Name: Be Focused. Der Clou: Das Ganze soll es auch als Modelabel geben. „Um nach außen hin ein neues Bewusstsein auf eine gesunde Lebensführung und Ernährung zu demonstrieren.“

Info. Die Gesundheitsmesse „Rundum g'sund“ bietet Interessierten die Möglichkeit, sich unter anderem über Naturheilkunde zu informieren und findet statt am Samstag, 27. September, von 10 bis 19 Uhr im Lokschuppen in Heidenheim.