Zöschingen / Claudia Hammer-Rehm Beim ersten Bürgergutachten der Verwaltungsgemeinschaft Syrgenstein trafen sich 30 Bürger, um über Mobilität im Bachtal zu diskutieren.

„Das war ein schöner Nachmittag!“ Ein treffender Satz, der den vergangenen Samstagnachmittag in der Zöschinger Gemeindehalle beschreibt. Beim ersten Bürgergutachten der Verwaltungsgemeinschaft Syrgenstein trafen sich dort 30 zufällig ausgewählte Bürger, zwölf Frauen und 18 Männer, und beratschlagten und diskutierten über Mobilität im Bachtal. 325 Einladungen waren verschickt worden, in weiser Voraussicht, denn in der Regel sind nur zehn Prozent der Angeschriebenen bereit, bei einem solchen Verfahren mitzumachen.

Fünfergruppen diskutieren

Diese knapp zehn Prozent fanden sich dann aber pünktlich um 14 Uhr ein. Wolfgang Scheffler aus Aislingen, der durch den Nachmittag führte, erläuterte den genauen Ablauf des Verfahrens. Möglichkeiten, sich von A nach B zu bewegen, gibt es viele. In der Theorie! Nur: Wie sieht es denn aus im Bachtal? Was steht zur Verfügung, was wird überhaupt gebraucht? Dies war der erste Punkt, den die frischgebackenen Bürgergutachter zu diskutieren hatten. „Was sind unsere Bedürfnisse bezüglich Mobilität im Bachtal?“ wurde ganz konkret gefragt. Zufällig durchmischt in Fünfergruppen zogen sich die Bürgergutachter zur Diskussion zurück. 30 Minuten hatten sie Zeit, sich auf drei Antworten zu einigen, diese auf Karten zu schreiben und an eine Tafel zu hängen.

Probleme beim Arztbesuch

„Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs“ stand dann da beispielsweise oder „Vor allem ältere Menschen haben Probleme bei Arztbesuchen“. Der Ausbau der Fahrradwege wurde angesprochen und die Sicherheit der Fußgänger. Jeder Gutachter bekam nun fünf Punkte, die er zu den Aussagen kleben durfte, die ihm am meisten zusagten. Das große Problem im ländlichen Raum und besonders im Grenzgebiet zwischen zwei Bundesländern scheint demnach ganz eindeutig die Verbindung innerhalb der Ortschaften und in die umliegenden Städte zu sein.

Was tun? Dies war die zweite Frage. „Welche Maßnahmen können wir uns für eine Verbesserung der Mobilität im Bachtal vorstellen?“ Moderator Scheffler erklärte ganz allgemein die verschiedenen Konzepte zur Mobilität. Neben dem öffentlichen Verkehrsmittel Linienbus fahren private Pkw und Flexibusse Es gibt Anrufsammeltaxis, Bürgerbusse, Mitfahrzentralen, Mitfahrbänke, Senioren- und Bürgerservice und das gute, alte Fahrrad.

Bürgerbus oder Mitfahrbank?

Derart vorbereitet und zwischenzeitlich auch mit Kaffee und Kuchen versorgt, besprachen die neu durchmischten Fünfergruppen die Möglichkeiten. Wieder 30 Minuten, wieder drei Kärtchen, wieder jeweils fünf Punkte zum Aufkleben. Als klarer Favorit zeigte sich das Konzept eines Bürgerbusses. Großen Anklang fand auch die Idee einer Mitfahrbank (von einer Gruppe gleich ‚Bachtalbänkle‘ getauft), auf die sich setzt, wer irgendwohin mitgenommen werden will.

Andi Mattern, einer der Organisatoren des Syrgensteiner Bürgergutachtens, war von der ganzen Aktion begeistert. Er lobte das Engagement und das harmonische Miteinander der Bürgergutachter. Durch dieses noch viel zu selten angewandte Verfahren entstehe Vertrauen untereinander und Verständnis füreinander. Das Thema „Mobilität“ ist natürlich auch ein ‚zahmes‘ Thema ohne Streitpotenzial, aber, so Andi Mattern, „wir sind ja in Sachen Bürgergutachten noch Lehrlinge und müssen nicht gleich mit einem Meisterstück anfangen.“

Auch den Teilnehmern hat die Veranstaltung gefallen. „Gerne wieder“, hieß es und „Ich helfe beim nächsten Termin gerne als Freiwilliger“, hörte man. Bleibt abzuwarten, was aus den Vorschlägen der Bürgerinnen und Bürger zum Thema Mobilität nun wird. Nächste Woche wird das Ergebnis den Verantwortlichen in der VG Syrgenstein vorgelegt. In der Regel beschleunigen Bürgergutachten Planungen und Entscheidungen.

Keine Möglichkeit

Kleine Notiz am Rande: Eine Dame war als Bürgergutachterin zum Termin in Zöschingen eingeladen. Sie musste absagen. Sie fand keine Möglichkeit, dorthin zu kommen.