Oberkochen / Christine Weinschenk Wie reagiert Zeiss auf den ersten Corona-Fall im Unternehmen? Unter anderem wurden die Öffnungszeiten in der Kantine ausgedehnt und die Sitzplätze halbiert. Jörg Nitschke, Leiter der Unternehmenskommunikation, gibt Antworten.

Am vergangenen Mittwoch wurde bekannt, dass eine Mitarbeiterin von Zeiss am Standort Oberkochen mit dem Coronavirus infiziert ist. Die Frau hatte nach ihrer Rückkehr aus dem Skiurlaub in Österreich Symptome gezeigt. Seitdem befindet sie sich in häuslicher Quarantäne. Ebenso die Mitglieder des etwa zehnköpfigen Teams, in dem die Frau arbeitete. Welche Maßnahmen hat das das Unternehmen außerdem getroffen? Jörg Nitschke, Leiter der Unternehmenskommunikation, gibt Antworten.

Herr Nitschke, wie geht Zeiss mit dem ersten Coronafall um?

Nach dem Bekanntwerden des positiven Testergebnisses haben wir sofort Maßnahmen ergriffen, um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Der Arbeitsmedizinische Dienst von Zeiss sowie weitere Experten für die Umsetzung von Präventions- und Epidemie-Maßnahmen sind im Austausch mit den Behörden und setzen deren Empfehlungen und Anweisungen für den konkreten Fall um. Generell ist es unser Ziel, die Mitarbeiter zu schützen und den Geschäftsbetrieb klug weiterzuführen. Wir handeln auf Basis der Empfehlungen von Institutionen wie der WHO, des Robert-Koch-Instituts und regionaler Institutionen.

Können Sie das konkretisieren?

Zeiss hat eine Task Force mit verschiedenen Experten, unter anderem aus den Bereichen Konzernsicherheit, Arbeitsmedizinischer Dienst, Risikomanagement, Recht, Personal und Kommunikation, gebildet. Die Task Force hat frühzeitig Richtlinien und Handlungsempfehlungen erarbeitet, aktiv kommuniziert und umgesetzt. Die Maßnahmen umfassen ein breites Spektrum, das beispielsweise von Reiserichtlinien, über Hygiene- und Verhaltensregeln reicht.

Geht es bitte noch konkreter?

In Oberkochen sind zum Beispiel die Öffnungszeiten der Kantine ausgedehnt worden. Außerdem wurde die Anzahl der Sitzplätze halbiert, um die Abstände zu vergrößern. Es gibt die Möglichkeit, das Essen mit an den Arbeitsplatz zu nehmen und so Menschenansammlungen zu meiden. Diese Maßnahmen sollen zu weniger gleichzeitigen Besuchern in der Kantine führen und dienen damit der Reduktion des Infektionsrisikos. Außerdem wurden die Ausgabepunkte für Desinfektionsmittel erhöht.

Was ist mit Homeoffice?

Zum Schutz der Mitarbeiter und der klugen Weiterführung des Geschäftsbetriebs gehört auch mobiles Arbeiten zu einer der Maßnahmen, die je nach Sparte, Standort und individueller Situation angewendet werden kann. Wie das im Einzelnen aussieht, entscheiden die Sparten in eigener Verantwortung. Von den Mitarbeitern, die im Moment in Oberkochen mobil arbeiten können, machen das heute mehr als die Hälfte. Tendenz steigend.

Und die Mitarbeiter in der Produktion?

In einem reinen Produktionsbereich sind gegebenenfalls andere Lösungen wie z.B. Schichtmodelle im Einsatz.

Wird Zeiss eine Kinderbetreuung für Mitarbeiter anbieten?

Aufgrund des Infektionsrisikos wäre das nicht sinnvoll. Wenn Mitarbeiter keine Betreuungsmöglichkeiten haben, sollte wenn möglich mobil gearbeitet werden. Außerdem könnte Urlaub genommen oder das Arbeitszeitkonto abgebaut werden. Gegebenenfalls kann auch unbezahlter Sonderurlaub genommen werden.

Geschäftsreisen finden wohl keine mehr statt?

Bei den Reisezielen bzw. der Risikoeinschätzung folgen wir den Empfehlungen der WHO und des Robert-Koch-Instituts. Grundsätzlich dürfen Geschäftsreisen nur noch in dringenden Fällen stattfinden. Alle anderen Geschäftsreisen sollen abgesagt werden. Wenn es möglich ist, sollen die Termine per Telefon, Skype und Videokonferenzen wahrgenommen werden.

Ist es möglich, dass ganze Gebäude oder Abteilungen bei Zeiss geschlossen werden?

Das würde dann von vielen Faktoren der jeweiligen Situation abhängen, lässt sich aber natürlich nicht kategorisch ausschließen.

Gibt es durch die Ausbreitung des Virus Lieferengpässe, die die Produktion gefährden?

Zur Vermeidung von Produktionsausfällen und Lieferengpässen sind wir in ständiger Abstimmung mit unseren Geschäftspartnern. Bisher haben wir deshalb keine besonderen Auswirkungen auf unsere Lieferfähigkeit oder die Auslieferung von Produkten. Die zukünftige Entwicklung hängt jedoch auch von behördlichen Vorgaben ab, die einen Einfluss haben könnten.

Wie geht es der positiv getesteten Mitarbeiterin und den übrigen Teammitgliedern?

Gemäß der Vorgehensweise des Gesundheitsamtes befindet sich die Mitarbeiterin in häuslicher Unterbringung und Zeiss ist natürlich in Kontakt mit ihr. Weitere Details möchte ich nicht nennen, um die Privatsphäre der Mitarbeiter zu wahren. Bisher liegen aus dieser Unternehmenseinheit keine weiteren positiven Tests vor.

Eine Mitarbeiterin von Zeiss wurde positiv getestet. Die Mitglieder ihres Teams sollen vorerst zuhause bleiben.

Am Heidenheimer Standort von Voith gab es jetzt die erste bestätigte Infektion mit dem Coronavirus.

Ein Mitarbeiter der BSH-Hausgeräte GmbH am Standort Giengen ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er ist in häuslicher Quarantäne.

Alle Informationen rund um das Coronavirus in Heidenheim und der Region gibt es hier.

Das sagen zwei Mitarbeiter

Insgesamt sei die Stimmung im Unternehmen gut, sagt eine Zeiss-Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Einige sind im Homeoffice, aber die Kollegen, die vor Ort sind, gehen auch noch in die Kantine. Man sitzt nur weiter auseinander und das Besteck und die Essensausgabe erfolgt nur noch durch das Personal.“

Ein weiterer Mitarbeiter hat ebenfalls keine großen Unsicherheiten bemerkt. Er berichtet, dass sein Team aufgeteilt wurde. Eine Hälfte des Teams arbeitet eine Woche lang im Büro und in der Woche darauf von Zuhause aus. Dann wird gewechselt. In der Produktion werde ebenfalls in drei Wechselschichten gearbeitet. Weniger Sozialkontakte seien das Ziel. chw