Ulm / pol Gegen eine Krankenschwester des Universitätsklinikums Ulm wird derzeit ermittelt: Ihr wird versuchter Totschlag an Frühgeborenen in fünf Fällen vorgeworfen.

Die Ulmer Staatsanwaltschaft hat gegen eine Krankenschwester einer Ulmer Säuglingsstation wegen des Verdachts des versuchten Totschlags an Frühgeborenen Haftbefehlsantrag erlassen.Was war passiert?

Am 20. Dezember 2019 erlitten fünf Frühchen zeitgleich lebensbedrohliche Atemprobleme. Alle fünf waren in einem Zimmer in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin untergebracht. Nur weil das Krankenhauspersonal sofort eingreifen konnte, blieben die Vorfälle nach derzeitiger ärztlicher Einschätzung folgenlos.

Als Ursache wurde zunächst eine Infektion vermutet, die jedoch nach Untersuchungen ausgeschlossen werden konnte. Allerdings wurden in Urinproben der fünf Kleinkinder Rückstände von Morphin entdeckt. Da wenigstens zwei der Kinder im Rahmen der Notfallversorgung aber kein Morphin verabreicht worden war, wandte sich die Leitung des Universitätsklinikums Ulm mit den Untersuchungsergebnissen am 17. Januar an die Polizei.

Muttermilch mit Morphin

Polizei und Staatsanwaltschaft haben daraufhin die Ermittlungen aufgenommen, im Universitätsklinikum erste Untersuchungen durchgeführt und Behandlungsunterlagen sowie das Betäubungsmittelbuch erhoben, welche derzeit ausgewertet werden.

Auf Anordnung des Ulmer Amtsgerichts wurden am Dienstag sechs Objekte von Personen durchsucht, die im fraglichen Zeitraum Dienst auf der Frühchenstation hatten. Dabei wurde in einem Spind in der Umkleide des Klinikums eine Spritze mit Muttermilch gefunden, die nach den ersten Ergebnissen der kriminaltechnischen Untersuchung im Landeskriminalamt Baden-Württemberg Morphin enthält.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm wird die Krankenschwester, welcher der fragliche Spind gehört, heute Nachmittag dem Haftrichter des Amtsgerichts Ulm vorgeführt: Gegen sie soll Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Totschlags in fünf Fällen erlassen werden.

Am Donnerstag, 30. Januar, um 11 Uhr gibt Staatsanwaltschaft und das Ulmer Polizeipräsidium eine gemeinsame Pressekonferenz. Dabei werden die Ermittler die bisherigen Ergebnisse bekanntgeben.