Das Universitätsklinikum Ulm unterstützt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ulm weiterhin vollumfänglich im Fall der mit Morphin vergifteten Frühchen.

Was bisher passiert ist

Das Universitätsklinikum hat am Freitag, 17. Januar 2020, bei der Polizei Ulm Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Was war passiert: In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 2019 kam es bei fünf Frühgeborenen fast zeitgleich zu lebensbedrohlichen Störungen der Atmung. Das Team der Kinderklinik habe sofort reagiert: Drei der fünf Kinder mussten beatmet werden, doch alle fünf seien nach 48 Stunden wieder in stabilem Zustand gewesen.

Laut dem Universitätsklinikum musste das Team der Kinderklinik aufgrund des Verlaufs von einem Infekt bei den fünf Frühchen ausgehen. Dementsprechend wurde gehandelt: Klinikleitung, Krankenhaushygiene, Mikrobiologie und Virologie seien hinzugezogen und das Gesundheitsamt informiert worden.

Zwei Labortests

Als die Ursache der Atemprobleme dennoch nicht gefunden wurde, wurden Urinproben von den Babys genommen und am 23. Dezember 2019 zur Untersuchung in die Rechtsmedizin übersandt. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Kinder laut der Klinik wieder wohlauf. Hinweise auf eine Straftat habe es nicht gegeben. Auch wurde von keiner Seite Morphin als Ursache der lebensgefährlichen Atemprobleme angesehen.

Vor diesem Hintergrund wurde ein breitangelegtes toxikologisches Screening durchgeführt. Gesucht wurde dabei nach Stoffen, die bei den Neugeborenen Atemnot verursacht haben könnten, was beispielsweise auch Nahrunsbestandteile sein können. Diese Untersuchungen dauern aufgrund des Umfangs mehrere Wochen, was dem Klinikum bekannt war: Am 8. Januar standen sie schließlich zur Verfügung, zeigten jedoch keine ungewöhnlichen Ergebnisse, da die Kinder intensivmedizinisch behandelt worden waren und der Einsatz von Morphin bei Beatmung und Intubation nicht ungewöhnlich ist. Die Kinder waren unterdessen aus dem Klinikum entlassen worden.

Eine Woche Verzögerung

Die Leitung der Kinderklinik habe erst am 16. Januar morgens die Vorgänge und die Plausibilität der Befunde überprüft: Dabei stellte sich heraus, dass nicht allen Kindern bei der Notfallversorgung Morphin verabreicht worden war. Laut dem Klinikum wurde unmittelbar nach Einrichtung einer Taskforce daraufhin am Morgen des 17. Januar Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.

Erst im Nachhinein hat das Klinikum laut Pressemitteilung die strafrechtliche Relevanz der Ergebnisse der zusätzlichen Laboruntersuchung erkannt: „Wir bedauern die einwöchige Verzögerung der Kenntnisnahme. Diese war für die erfolgreiche Behandlung der Kinder gleichwohl ohne Bedeutung“, heißt es in der Pressemitteilung der Klinikum.

Wie das Klinikum vorging

Alle sechs Mitarbeiter der betreffenden Nachtschicht, in der die Kinder die Atemprobleme bekamen, wurden vom Klinikum freigestellt, nachdem das Ermittlungsverfahren eingeleitet worden war. Auch jetzt noch sind die sechs Mitarbeiter nicht im Dienst und so soll es für die Dauer der Ermittlungen auch bleiben, wie das Universitätsklinikum mitteilt.

Welche Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet wurden

Vor dem Hintergrund der Ereignisse wurden zum Schutz der Patienten gleich zu Beginn der Ermittlungen verschiedene Sofort-Maßnahmen am Universitätsklinikum Ulm eingeleitet. Bei Patienten mit ungewöhnlichem Verlauf wird eine routinemäßige Analyse von Urinproben inklusive Drogenscreening durchgeführt.

Zudem wird schärfer kontrolliert, wer Zugang zu Betäubungsmitteln hat. Weil das Morphin über Milchfläschchen oder -spritzen an die Säuglinge verabreicht werden sein könnte, werden diese seitdem verplompt und der Zugang zu den Milchküchen beschränkt. Auch die Streifen des Sicherheitsdienstes wurden intensiviert.

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Ulm