Ulm / hz Weniger schwere Verkehrsunfälle in der Region und weniger Verunglückte bei einem gleichzeitigen Anstieg der Unfallzahlen insgesamt, verzeichnet die Unfallstatistik für die Region. Dennoch seien die Maßnahmen der Polizei richtig, ist Polizeipräsident Weber überzeugt.

2.898 Verkehrsunfälle mit Personenschaden verzeichnet die Unfallstatistik im Jahr 2019 für den Bereich des Polizeipräsidiums Ulm, also für die Landkreise Alb-Donau, Biberach, Göppingen, Heidenheim und die Stadt Ulm. Das ist etwa jeder Achte der insgesamt 24.061 Unfälle, die die Polizei im vergangenen Jahr in diesem Bereich registrierte (Vorjahr: 23.625 Verkehrsunfälle, +2 Prozent).

Auf Autobahnen, Land- und Bundesstraßen: Stunde für Stunde ereignen sich im Land Dutzende Unfälle.

Die Zahl dieser Unfälle, bei denen jemand verletzt oder getötet wurde, ging damit um knapp 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Auch die Zahl der Verunglückten (Verletzte und Getötete) ging um knapp fünf Prozent von 4079 auf jetzt 3.888 Personen zurück.

Auch fünf Verkehrstote sind fünf zuviel, und doch markieren sie einen statistischen Tiefstand: Im 30-Jahres-Vergleich war die Zahl derer, die ihr Leben auf den Straßen von Stadt und Kreis Heidenheim verloren haben, nur zweimal geringer im vergangenen Jahr.

Darin enthalten sind die 41 Menschen, die im Jahr 2019 auf den Straßen in der Region durch Verkehrsunfälle ihr Leben verloren (Vorjahr: ebenfalls 41 Tote). "Trotz aller Bemühungen ist es uns nicht gelungen, die Zahl der Verkehrstoten weiter zu senken", sagte Polizeipräsident Bernhard Weber, Leiter des Polizeipräsidiums Ulm, bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitslagebilds im Rahmen eines Pressegesprächs.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle ist im Landkreis im vergangenen Jahr um elf Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der Verletzten war 2013 rückläufig. Allerdings mussten insgesamt sieben Menschen auf den Straßen im Landkreis ihr Leben lassen.

"Wir müssen aber auch schauen, woher wir kommen: Vor zehn Jahren waren noch 52 Verkehrstote zu beklagen", so Weber weiter. Vom Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis Ende 2020 auf höchstens 31 zu senken, sei die Polizei freilich noch ein ganzes Stück entfernt.

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Auch der Rückgang der Verletzten um 191 Personen sei eine Bestätigung, mit den Maßnahmen auf der richtigen Spur zu sein. Nicht zuletzt die intensive Geschwindigkeitsüberwachung der Polizei habe die Ursachen der Unfälle mit Personenschaden, die auf Eile zurückzuführen seien, weiter zurückgedrängt: zu schnelles Fahren, Missachten der Vorfahrt und Fehler beim Abbiegen sowie falsches Überholen.

Polizisten des Polizeipräsidiums Ulm haben am Dienstag zwischen 15 und 22 Uhr 69 Motorräder im Bereich Böhmenkirch, Heidenheim und Hohenstaufen kontrolliert. Unterstützt wurden sie dabei von Beamten des Polizeipräsidiums Einsatz.

1.392 Unfälle seien im Vorjahr noch auf diese Ursachen zurückzuführen gewesen, 2019 sei diese Zahl auf 1.331 zurückgegangen (-61 Unfälle, -4 Prozent). "Es ist ein mühsames Geschäft, aber es lohnt sich", sagte der Leiter der Schutzpolizeidirektion, Leitender Polizeidirektor Josef Veser, Chef der Schutz- und Verkehrspolizei im Polizeipräsidium Ulm. "Jedes einzelne Leben, das wir retten, jeder Mensch, den wir vor Verletzungen schützen, ist es wert", so Veser weiter.

Bildergalerie Verkehrskontrolle in der Innenstadt

84.838 Geschwindigkeitsverstöße deckte die Polizei 2019 auf. 230 zu schnelle Fahrer ertappt die Polizei damit täglich allein im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm. Hinzu kommen 9.860 Verstöße im Jahresverlauf wegen nicht angelegter Gurte und fehlender Schutzhelme sowie 6.846 Fälle von unerlaubter Handynutzung. "19 Fahrer täglich, die das Handy unerlaubt nutzen. Wer die Augen offen hält auf der Straße weiß: Da ist noch Luft nach oben.

Diese Kontrollen werden wir noch intensiver durchführen", so Veser. Dabei steige die Zahl der ertappten Handynutzer seit 2013 jährlich um rund 1.000 Fälle sprunghaft an. Scheinbar komme das Gefahrenbewusstsein durch diese Ablenkung am Steuer immer mehr abhanden, fürchtet die Polizei.

Dabei legt ein Fahrzeug bei nur 50 km/h jede Sekunde etwa 14 Meter zurück und fährt an fast drei parkenden Autos vorbei. Es ist zu vermuten, dass bei fast jedem siebten tödlichen Unfall in der Region Ablenkung von Fahrzeugführern zumindest mitursächlich für das Unglück war.

Ebenso gefährlich sei der Konsum von Alkohol und Drogen vor der Fahrt. Es ist zu vermuten, dass diese Zahlen weiter ansteigen. Vor diesem Hintergrund hat die Polizei ihre Kontrollaktionen in diesem Deliktsbereich weiter intensiviert.

Die Ergebnisse sprechen für sich: 714 Fahrer unter Drogeneinfluss habe die Polizei 2019 aus dem Verkehr gezogen, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor, als es noch 383 Fahrer waren. Außerdem hat die Polizei 2019 bei ihren Kontrollen 1.399 Kraftfahrzeugführer mit Alkoholeinfluss festgestellt, fast ein Viertel mehr (+266/+24 Prozent) als im Jahr zuvor. Die Polizei hatte zu Beginn des Jahres 2019 angekündigt, konsequent gegen Drogen- und Alkoholkonsum im Straßenverkehr vorzugehen.

Der Einstieg dazu sei gemacht, dies werde im laufenden Jahr fortgesetzt. Trotz der intensiven Kontrollmaßnahmen habe die Zahl der Verkehrsunfälle, die auf illegalen Drogen- und auf Alkoholkonsum zurückzuführen seien, zugenommen. Für 163 Unfälle mit Personenschaden (Vorjahr 143) sei Alkoholkonsum, für 28 (Vorjahr 16) die Einnahme von Drogen ursächlich.

"Die meisten Autofahrer sind vernünftig und fahren nur nüchtern", weiß Polizeichef Weber angesichts der Ergebnisse intensiver Kontrollen zur Fasnet, die die Polizei angekündigt hatte und wo an manchen Kontrollstellen alle überprüften Fahrer nüchtern waren.

Dennoch seien es noch zu viele Fahrer, die die Gefahr durch Alkohol nicht zu erkennen scheinen. "Das passt nicht zusammen: Alkohol trinken und fahren. Das müssen wir noch mehr ins Bewusstsein rücken, in das Bewusstsein aller Verkehrsteilnehmer", sagte der Polizeipräsident und appellierte gleichzeitig an die Vernunft der Fahrer.

Wie die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Verunglückten zurückging, so gingen auch die Zahlen von Unfällen mit Verletzten unter Beteiligung von Autos, Motorrädern, Radfahrern und Fußgänger zurück. Auch die Zahl dieser Unfälle mit Lastwagen ging insgesamt zurück, stagniere aber bei den durch Trucker verursachten Verkehrsunfällen mit Personenschaden, stellt die Polizei fest.

Sie blieb nahezu unverändert und betrug 2019 insgesamt 154 Unfälle. Dass die Zahl der Gesamt-Unfälle mit Lkw allein auf der A7 um die Hälfte von 73 auf 110 Verkehrsunfälle gestiegen ist, sei auf die zwei Dauerbaustellen bei Giengen und Niederstotzingen in beide Richtungen zurückzuführen. Eine solche Baustelle schaffe immer Gefahren: durch den Stau davor und die engen Fahrspuren darin.

Stark angestiegen sei die Zahl der durch Pedelec-Fahrer verursachten Verkehrsunfälle, bei denen jemand verletzt oder getötet wurde: um 33 auf jetzt 96 Fälle (+52 Prozent). Das sei auf die starke Zunahme der Pedelecs im Straßenverkehr zurückzuführen, aber auch darauf, dass diese motorunterstützten Fahrräder für die Nutzer ungewohnt seien.

Ungeübt damit auf Tour zu gehen, könne deshalb gefährlich werden. Die Polizei rät Einsteigern, das Fahren zunächst unter Anleitung von Profis zu üben. Mit Sorge blickt die Polizei auch auf die wachsende Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Senioren (Alter: 65+) beteiligt sind (von 2.009 auf 2.163, +154 Unfälle, +8 Prozent).

Denn Senioren verursachen zwei Drittel dieser Unfälle selbst. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden, die von Senioren verursacht wurden, ist mit 453 (Vorjahr: 456) dagegen nahezu unverändert.

Die Zahl der Unfälle mit jungen Fahrern (18 - 24 Jahre) dagegen sank um vier Prozent auf 2.239 Unfälle. Jedoch ist diese Altersgruppe bei den Unfällen mit Personenschaden noch immer verhältnismäßig stark vertreten, verursachen sie davon doch knapp 19 Prozent bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 9 Prozent. "Beide Altersgruppen, Senioren wie junge Fahrer, müssen wir im Blick behalten und ihnen Präventionsangebote unterbreiten", sagte Josef Veser.

Doch es gehe in der Verkehrsprävention längst nicht mehr allein um die Verhinderung von Unfällen, machte die Polizei deutlich. "Umweltschutz wird immer mehr zentraler Punkt auch der Verkehrssicherheitsarbeit", sagte Polizeipräsident Weber. Es gehe dabei nicht nur um Schadstoff-Emissionen, sondern auch um Lärm.

"Fahrzeuge, die deutlich mehr Lärm verursachen, als erlaubt ist und als die Menschen vertragen können, gehören nicht auf unsere Straßen", so Weber weiter. Die Polizei werde deshalb jetzt zum Beginn der warmen Jahreszeit insbesondere auch die Motorradkontrollen wieder intensiver betreiben. Dabei werde mitunter auch auf die Lautstärke der Fahrzeuge geachtet, um unzulässig getunte Bikes aus dem Verkehr zu ziehen.

Mit Präventionsangeboten wolle die Polizei auf die Biker zugehen und ihnen für die Gefahren im Straßenverkehr die Augen öffnen. Auch der Landestag der Verkehrssicherheit am 7. Juli auf dem Ulmer Münsterplatz befasse sich schwerpunktmäßig mit dem Thema "Zweirad". "Zusammen mit unseren Partnern in der Verkehrssicherheitsarbeit wollen wir auf diese Gefahren aufmerksam machen, aber auch viele andere interessante und wichtige Themen vermitteln", so Weber weiter. Mit einer breiten Palette an Maßnahmen, von der Prävention bis zur Repression werde die Polizei auch weiterhin Garant für die Sicherheit in der Region sein, auch auf der Straße.

Bereits seit August 2019 leitet Bernhard Weber das Ulmer Polizeipräsidium. Beim Neujahrsempfang der Behörde wurde er jetzt auch formell als Nachfolger des verstorbenen Christian Nill vorgestellt.