Böhmenkirch / Laura Strahl In Böhmenkirch haben die Beschäftigten des Automobilzulieferers am Dienstag die Arbeit niedergelegt. Weitere Streiks an anderen Standorten sollen diese Woche folgen.

Die Beschäftigten des Autozulieferers Fysam Auto Decorative, ehemals SAM bzw. Binder, haben am Dienstag gestreikt. Ab 11 Uhr waren die Beschäftigten der Frühschicht am Böhmenkirchener Werk in den Heidhöfen von der IG Metall Göppingen-Geislingen zum Protest aufgerufen. Wie Gewerkschaftssekretär Manuel Schäfer auf Nachfrage mitteilt, haben sich rund 95 Prozent der Frühschicht (circa 80 bis 100 Mitarbeiter) daran beteiligt. Die Produktion habe teilweise stillgestanden.

Streiks an anderen Standorten

In der Spät- und Nachtschicht wurden die Streiks fortgesetzt. An anderen Standorten – die Hauptverwaltung ist in Steinheim ansässig, weitere Werke bestehen in Söhnstetten, Laichingen-Feldstetten und Mexiko – soll diese Woche ebenfalls die Arbeit niedergelegt werden.

Wie die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung beschreibt, wolle man durch den Warnstreik den Druck auf die Geschäftsleitung erhöhen. Nachdem der Automobilzulieferer nach einer Insolvenz im März vom chinesischen Konzern Fuyao übernommen worden war, habe man zunächst auf produktive Gespräche gehofft.

Diese Hoffnungen haben sich nun offenbar zerschlagen: Zu den Forderungen der Streikenden zählen neben höheren Stundenlöhnen auch 500 Euro mehr Weihnachtsgeld und eine Angleichung des Urlaubsgelds.„Wir haben versucht, mit der Geschäftsleitung konstruktiv zu verhandeln“, wird Manuel Schäfer von der IG Metall Göppingen-Geislingen zitiert.

Werden Mitarbeiter entlassen?

Trotz Ankündigung habe man in der dritten Verhandlungsrunde aber kein Angebot erhalten. Dies zeige, wie wenig die Geschäftsleitung die Leistung der Beschäftigten respektiere, die trotz schwieriger Bedingungen arbeiteten. Weiter äußerte sich Schäfer: Der Geschäftsleiter fordere für ein Jahr den Verzicht auf jegliche Lohnerhöhung. In dieser Zeit wolle er umstrukturieren und auch Mitarbeiter entlassen.

„Die Beschäftigten sind extrem sauer“, so Schäfer. So seien inzwischen sogar die Leiharbeitslöhne höher als die Einstiegslöhne bei Fysam. Zudem habe sich das Leitungsteam „mehrfach unverschämt und unmenschlich verhalten“. Jetzt seien die Beschäftigten zu allem bereit.

Fysam beschäftigt laut Firmenangaben rund 1900 Mitarbeiter. Jeweils 400 bis 500 arbeiten in Böhmenkirch bzw. Steinheim.