Damit hatten die fünf Gründer der neuen Schule selbst bei größtem Optimismus nicht gerechnet. Auf acht Schüler habe man gehofft, erinnert sich Schulleiterin Anja Österreicher. Doch mehr und mehr Anmeldungen gingen ein. Und bald war das Limit von 24 Schülern überschritten, das man sich als maximale Klassenstärke gesetzt hat. Also beschloss man, gleich zweizügig zu starten. Der erste Schultag am Montag konnte in der frisch gegründeten Realschule schließlich mit zwei fünften Klassen und insgesamt 40 Schülern gefeiert werden.

Die meisten Schüler stammen aus Altheim selbst und den umliegenden Gemeinden des Alb-Donau-Kreises. Mit 14 Schülern kommt aber ein knappes Drittel aber aus dem Landkreis Heidenheim. Letztere wohnen in Herbrechtingen, Bolheim, Anhausen, Heldenfingen und Heuchlingen. Das entspricht auch der neuen Buslinie, die extra für die Altheimer Schule eingerichtet worden ist. Den weitesten Schulweg aus dem Landkreis Heidenheim nimmt ein Kind aus Giengen auf sich.

Die neue schulische Konkurrenz spürt man vor allem am Bildungszentrum Gerstetter Alb – die Gemeinden im angrenzenden Alb-Donau-Kreis zählen zum Einzugsgebiet des Schulzentrums. Rund ein Dutzend Schüler weniger aus dem „Ulmer Land“ verzeichnet man in diesem Jahr. Für die Zweizügigkeit reicht es aber auch in Gerstetten.

Die meisten ihrer Schüler haben die Realschulempfehlung in der Tasche, sagt Anja Österreicher. „Einige bringen aber auch die Empfehlung fürs Gymnasium mit“, so die Schulleiterin. Weniger als ein Drittel kommen mit Werkrealschulempfehlung.

Die Infrastruktur der kleinen Dorf-Realschule ist schwächer als die der etablierten Schulkonkurrenz. Aus Kostengründen gibt es derzeit nicht einmal eine Schulsekretärin und Schwimmunterricht kann aus organisatorischen Gründen gar nicht angeboten werden. Zudem fallen jeden Monat 100 Euro Schulgeld an. Warum die Freie Realschule trotzdem auf so große Resonanz stößt?

Gerade die überschaubare Größe sehen Anja Österreicher und ihr stellvertretender Schulleiter Werner Kobes als Stärke der Schule. „Hier kennt man jedes Kind mit Namen.“ Es entstehe ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl. Sehr gut komme aber auch das pädagogische Konzept an: In Mathematik, Deutsch und Englisch werden jeweils zwei Lehrkräfte eingesetzt. Es gibt täglich Sport und keinen Nachmittagsunterricht. „Wir wollen die Kinder weg vom Chillen und Computerspielen bringen, zurück zu Freizeitaktivitäten und in die Vereine“, erläutert Kobes das Konzepts, das auf keiner weltanschaulichen oder religiösen Prägung beruht.

In Altheim steht man voll und ganz hinter der Realschule. Eine eigene Grundschule konnte man in der 1700 Einwohner zählenden Gemeinde nicht halten. Rund zwei Jahre stand das örtliche Schulgebäude leer. Für die Realschule ließ die Gemeinde das Schulhaus sanieren. 750 000 Euro wurden investiert.

Der erste Schultag an der Realschule war nicht nur für die Kinder aufregend, bekennt die Schulleiterin. Doch die Freude über die neue Schule ist beim Bummel durch das Schulhaus Schülern und Lehrern gleichermaßen anzusehen. Gemeinsam mit ihren Kollegen Werner Kobes und Bettina Ehringer hat Anja Österreicher sich vom staatlichen Schuldienst beurlauben lassen und unterrichtet Vollzeit an der selbst gegründeten Schule, unterstützt von Marina Gruber im Halbtagsdienst. Ihr Gehalt bekommen sie vom Trägerverein der Schule, der sich mit Zuschüssen vom Land und dem Schulgeld der Eltern finanziert.

Erst ab dem vierten Jahr gibt es die volle Landesförderung. Bis dahin arbeitet man mit Krediten und Sponsoren. Im nächsten Schuljahr müsse man außerdem das Schulgeld für die künftigen Schüler deutlich anheben, so Österreicher. Dann werden auch die Pädagogen Wulf Saur und Markus Maier, die ebenfalls zum Gründungsteam gehören und derzeit noch im staatlichen Schuldienst arbeiten, voll in Altheim einsteigen. Kennengelernt haben sich die Pädagogen einst auf der Herbrechtinger Bibrisschule.